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Antonia Hillberg

SPD 13.12.2024 4:36 min Tagungsabschnitte 19/21

Unterstützung für Opfer bildbasierter sexualisierter Gewalt verbessern - spezialisierte Informationsangebote bereitstellen

Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Bildbasierte sexualisierte Gewalt: Das klingt erst mal sperrig und ist offensichtlich auch kein besinnliches oder gar weihnachtliches Thema. Wichtig ist es trotzdem. So war diese Gewaltform nicht nur in der letzten Woche in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung Thema, sondern auch der Spiegel widmet ihr in seiner aktuellen Ausgabe einen Artikel. Aber was ist das Ganze eigentlich genau? Unter bildbasierter sexualisierter Gewalt versteht man gemeinhin das Erstellen und Verbreiten von Nacktbildern und pornografischen Filmen ohne das Einverständnis des Opfers oder auch Drohungen bzw. Erpressungen, solches Material zu veröffentlichen. Aber nicht nur echtes Bildmaterial ist hier das Problem. Besonders verwerflich sind sogenannte Deep Fakes: Unter Einsatz künstlicher Intelligenz werden täuschend echte manipulierte Inhalte erstellt. Der Aufwand ist minimal; technisches Können ist hierfür nicht notwendig. Stellen Sie sich vor, Ihr Gesicht erscheint plötzlich in einem kompromittierenden Video - einem Video, das Sie nie aufgenommen haben und zu dem Sie erst recht nicht Ihre Zustimmung gegeben haben. Dieses kann dann problemlos weiterverbreitet werden, dem Internet sei Dank. Der Schaden, der dadurch entsteht, ist irreversibel, während die rechtlichen und technischen Gegenmaßnahmen oft viel zu langsam greifen. Solche Fotos und Videos, meine Damen und Herren, können Leben zerstören. Diese Form der digitalen Gewalt greift nicht nur massiv in die Privatsphäre der Betroffenen ein, sondern stellt auch eine grundlegende Bedrohung für die sexuelle Selbstbestimmung und das Sicherheitsgefühl in unserer Gesellschaft dar. Sie ist ein Beispiel dafür, dass die Digitalisierung unserer Welt, die zweifellos viele Vorteile gebracht hat, auch neue Formen der Gewalt hervorgebracht hat, die schneller, anonymer und oft unkontrollierbarer sind. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Opfer digitaler Gewalt um 25 % im Vergleich zum Vorjahr. In den letzten fünf Jahren hat sie sich mehr als verdoppelt. Jede und jeder von uns könnte Opfer solcher Gewalt werden. Es reicht ein Foto, das im Internet verfügbar ist, sei es aus sozialen Netzwerken, dem beruflichen Kontext oder dem alltäglichen Leben. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: Im Internet gibt es unzählige Fotos von den hier im Plenarsaal Anwesenden. Es ist mir wichtig, zu betonen, dass Frauen die Hauptgruppe der Opfer digitalen Gewalt sind. Etwa 90 % der Deep Fakes im Internet stellen manipulierte Aufnahmen von Frauen dar. 99 % davon sind Sexaufnahmen. Hinter diesen Zahlen, hinter jedem manipulierten Bild und Film stehen Menschen mit ihrer Würde, ihrem Sicherheitsgefühl und ihrem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Diese Menschen werden von anonymen Tätern zu Opfern gemacht, ohne dass sie eine auch nur im Ansatz falsche Handlung begangen hätten. Das gilt insbesondere für Deep Fakes, die mit Kinderaufnahmen angefertigt werden. Es reicht ein Schnappschuss im WhatsApp-Status, ein Facebook-Post vom Kind oder Enkelkind oder auch das eigene Profilbild eines jungen Menschen. Damit können Täter diese Videos oder Fotos anfertigen - täuschend echte Bilder, die dann beispielsweise in der ganzen Schule, im Dorf oder am Arbeitsplatz verbreitet werden. Wie soll beispielsweise ein 13-jähriges Opfer ihrer Schulöffentlichkeit beweisen, dass es sich um eine manipulierte Aufnahme handelt? Es kann also kein Zustand sein, dass sich viele Betroffene weiter allein, schutzlos und überfordert fühlen. Sie wissen oft nicht, wie sie sich wehren können und wo sie Unterstützung finden können. Deshalb müssen wir handeln, und das wird die Landesregierung auch tun. Die Einrichtung einer spezialisierten Informationsstelle für die Opfer bildbasierter sexualisierter Gewalt, die bei der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen angesiedelt ist, ist ein wichtiger und notwendiger Schritt. Diese Informationsstelle soll ein sicherer Ort sein, an dem Betroffene insbesondere rechtliche wie auch soziale Unterstützung erhalten. Es soll ein Raum geschaffen werden, in dem nicht mehr Scham und Schmerz Vorrang haben, sondern den Betroffenen Wege aufgezeigt werden und sie unterstützt werden, Wege zu gehen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage. Passen Sie auf sich auf!

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