Gerd Hujahn
Wasser in Zeiten des Klimawandels - ein nachhaltiges und integriertes Wassermanagement für Niedersachsen weiterentwickeln
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich komme mal zur Sachlichkeit zurück. Wir beraten in der Tat zwei Sachen gemeinsam. Ich werde für unsere Fraktion den Wasserpart vertreten, nachdem der Kollege Pott zum Klimagesetz gesprochen hat. Ich werde nicht zu jedem unserer 21 Punkte etwas sagen, sondern ich nehme eher ‑ dorthin guckend ‑ die Meta-Ebene. Ich glaube, die Dringlichkeit eines systemischen Herangehens brauche ich hier nicht mehr zu diskutieren. Über Wasser diskutieren wir nicht erst in dieser Periode, das haben wir in der vorherigen Periode schon sehr ausführlich gemacht. Mir geht es um das nachhaltige und integrierte Wassermanagement. Ich glaube, wir müssen wirklich zu einem System kommen, wie Wasser behandelt wird. Nach meinen Beobachtungen haben unterschiedliche Bereiche von Wasser auch unterschiedliche Ziele, die sich teilweise nicht decken: Die Hochwasserleute möchten gerne, dass das Wasser möglichst schnell in der Nordsee landet, und die Grundwasserleute möchten das Wasser gerne behalten und die Grundwasserspeicher anreichern. Diese entgegengesetzten Ziele müssen ausgeglichen werden, das müssen wir als systemischen Ansatz sehen. Davon sind wirklich viele Bereiche tangiert: Hochwasser, Starkregen, Dürre, Deichbau, Grundwasserneubildung, Beregnungsnotwendigkeit, Abpumpen über Siele und Schöpfwerke, obwohl das eigentlich gutes Süßwasser ist. Wir waren ja gerade erst in Ochtersum. Wenn ich sehe, dass mit den beiden Hochleistungspumpen dort 40 m³ Süßwasser pro Sekunde weggepumpt werden, während wir in anderen Gegenden um ein bisschen Wasser auf dem Sportplatz ringen: Da merkt man, da stimmt etwas im System nicht. Darauf müssen wir viel stärker achten. Wir haben Entwässerungs- und Bewässerungsverbände. Wir sollten sehen, dass Entwässerung und Bewässerung zusammen gedacht werden. Ich darf einen Bereich besonders hervorheben, der auch schon angesprochen worden ist: Das ist der Bereich Trinkwasser. Die Vorredner haben die öffentliche Wasserversorgung angesprochen. Mir geht es explizit um Trinkwasser für Menschen und Tiere. Denn die öffentliche Wasserversorgung beinhaltet auch die Toilettenspülung, die Poolfüllung und das Rasensprengen, weil alles, was aus dem Wasserhahn kommt, öffentliche Wasserversorgung ist. Ich glaube, das, was wir meinen, ist: Wir möchten Trinkwasser haben, und zwar sauberes und in ausreichender Qualität. - Nach meinem Eindruck haben wir uns verabschiedet von dem Begriff des Wassermengenmanagements, den wir letztes Mal noch stärker im Fokus hatten, und setzen jetzt auf Wassermanagement, weil das Mengenmanagement nur die quantitativen Aspekte berücksichtigt, also: Wann haben wir zu welcher Zeit an welchem Ort die richtige Wassermenge? - Es wurde darauf hingewiesen: Auch die Qualität ist ein ganz wesentliches Merkmal. Auch das Aussehen unseres Wassers wurde angesprochen. Als Mündener bin ich mit der Weser- und Werraversalzung überhaupt nicht einverstanden. Wenn K+S dort die Ziele reißt und immer weiter Anträge stellt, um doch noch mehr Salz zu verklappen, kann doch irgendetwas nicht stimmen. Die Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, dass 2027 Verbesserungen herbeigeführt werden sollen. So klappt das natürlich nicht. Wir stimmen damit überein, dass wir das Verursacherprinzip anfassen müssen. Das End of Pipe ‑ wir bauen irgendwo ein Klärwerk, bis dahin packen wir erst einmal alles rein ‑ kann auch nicht der richtige Weg sein. Es ist besser, wenn die Schädigungen erst gar nicht auf den Weg zum Klärwerk gehen. Das heißt, wir müssen genau gucken, wo z. B. Medikamentenrückstände entstehen ‑ wir wissen, dass sie in Krankenhäusern und in Pflegeheimen entstehen ‑, und versuchen, dass dort die Klärung erfolgt, und dürfen nicht warten, bis die Medikamente irgendwann in der Kläranlage angekommen sind. Meine Damen und Herren, die Zeit läuft, ich muss sie mir mit Guido teilen. Deshalb darf ich alle gemeinsam auffordern, im Ausschuss an den Klimafolgeanpassungsmaßnahmen mitzuarbeiten, das Thema Wasser konstruktiv zu beraten und sich mit den Verbänden abzustimmen, um zu einem guten gemeinsamen Ergebnis im Sinne von uns allen, für unsere Kinder und unsere Enkelkinder, zu kommen. Vielen Dank fürs Zuhören.
