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Pascal Leddin

GRÜNE 22.05.2025 3:47 min Tagungsabschnitte 19/25

Vielfalt säen, Sorten sichern - regionale Saatgutzucht stärken

Herr Kollege Leddin. Bitteschön! Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erinnern Sie sich noch an Linda? Warm, weich, mit Butter und Salz, so lag sie auf unseren Tellern - eine der beliebtesten Kartoffelsorten Deutschlands. Doch Linda war mehr. Heute ist sie die Sehnsuchtskartoffel einer ganzen Generation, ein Symbol für das, was Landwirtschaft einmal war und vielleicht wieder sein könnte: unabhängig, Vielfalt bewahrend, regional verwurzelt. Aber der Reihe nach: 1974 kam Linda auf den Markt, gezüchtet in Deutschland, verkauft vom Saatgutkonzern Europlant - eine Erfolgsgeschichte, bis sie plötzlich endete. Knapp 30 Jahre später, kurz bevor der gesetzliche Sortenschutz auslief, strich Europlant Linda von der Saatgutliste. Nicht, weil sie schlecht war, nicht, weil sie krank war, sondern weil der Profit endete. Denn mit dem Ablauf des Sortenschutzes verlor der Konzern seine Exklusivrechte, und Linda wurde zur verbotenen Frucht. Ohne offiziellen Sorteneintrag durfte sie nicht mehr angebaut werden. Doch die Bäuerinnen und Bauern gaben nicht auf. Sie gründeten einen Verein „Rettet Linda" und kämpften für ihre Kartoffel. Was folgte, war ein absurdes Schauspiel: Kartoffeln, die unter Aufsicht gerodet werden mussten, Knollen, die im Lager verstaubten, während draußen die Äcker leer blieben. Linda wurde zur Protestfigur und zum Mahnmal für ein viel größeres Problem: die wachsende Abhängigkeit unserer Landwirtschaft von einer Handvoll Konzernen. Heute kontrollieren fünf multinationale Unternehmen rund 70 % des weltweiten Saatgutmarktes. Sie verkaufen Hybridpflanzen, die sich nicht vermehren lassen, und das passende Pestizidpaket gleich mit dazu. Das bedeutet: keinen Nachbau, keine Freiheit und auch keine Vielfalt, stattdessen jährlich neue Rechnungen beim selben Anbieter. Statt Saatgut für die Zukunft Saatgut für die Abhängigkeit. Und währenddessen verschwinden sie, die alten Apfelsorten, die seltenen Kräuter, das regionale Gemüse. Nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil sie sich schlichtweg nicht lohnen. Dabei ist diese Vielfalt nicht nur schön, sie ist überlebenswichtig. Weltweit wird sie deshalb gehütet wie ein Schatz. In Spitzbergen, tief im arktischen Fels, lagern in einem Hochsicherheitslager über 1 Million Saatgutproben aus fast jedem Land der Welt. Der globale Saatguttresor, ein Backupplan für die Menschheit! Aber was nützt ein Saatgutsafe am Ende der Welt, wenn wir bei uns vor Ort den Schlüssel zur Vielfalt verlieren? Auch in Niedersachsen bewahren Genbanken wie die Sammlung der Uni Osnabrück wertvolle Wild- und Nutzpflanzen auf. Doch damit Vielfalt lebt, reicht das Einlagern nicht. Sie muss auf die Felder zurück. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Saatgutsicherung nicht nur eine Frage von Kühlräumen ist, sondern vom politischen Willen, dass Landwirtinnen und Landwirte unterstützt werden, wenn sie samenfestes Saatgut anbauen, erhalten und weiterentwickeln. Denn echte Vielfalt wächst nicht im Tresor. Sie wächst dort, wo Menschen sie säen, schützen und ernten. In Zeiten der Klimakrise brauchen wir genau das: Sorten, die mit Trockenheit, Starkregen und Krankheiten klarkommen. Wir brauchen das Wissen der Vergangenheit für die Herausforderung der Zukunft. Vielen Dank.

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