Uwe Dorendorf
Langfristige Strategien und verlässliche Unterstützung für Niedersachsens Wälder - zukunftsfeste Strukturen in Zeiten des Klimawandels
Und du? Herr Dorendorf, Sie haben das Wort. Wenn Sie sich mit Herrn Siebels unterhalten wollen, können Sie das nach Ihrer Rede machen. Bitteschön! Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Wald leidet. - So ist es, Herr Siebels! Der Klimawandel trifft ihn mit voller Wucht. Extremwetterereignisse nehmen zu; Schädlinge breiten sich aus, und neue invasive Arten setzen unseren Beständen zusätzlich zu. Wer heute durch niedersächsische Wälder geht, sieht die Spuren: abgestorbene Fichten, kahle Hänge, Bäume, die dem Borkenkäfer, der Dürre und Stürmen zum Opfer gefallen sind. Die Folge ist ein massiver Anpassungsdruck, der Waldbesitzer vor große ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen stellt. Niedersachsen verfügt über rund 1,2 Millionen ha Wald, etwa ein Viertel unserer gesamten Landesfläche. Mit über 690 000 ha ist der Privatwald die bedeutendste Waldbesitzerart in Niedersachsen, bewirtschaftet von über 60 000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern. Rund 45 % der Waldflächen im privaten Eigentum gehören Eigentümern mit weniger, Herr Siebels, als 20 ha Wald - Kleinstflächen, oft im Nebenerwerb bewirtschaftet, häufig ohne professionelle und forstwirtschaftliche Betreuung. Diese Struktur erschwert eine nachhaltige und effiziente Bewirtschaftung. Genau hier setzen Forstbetriebsgemeinschaften und forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse an, die im Bundeswaldgesetz klar geregelt sind. Sie bündeln Interessen, gleichen strukturelle Nachteile aus und ermöglichen eine gemeinsame, fachgerechte Bewirtschaftung. In der Vergangenheit haben sich diese als außerordentlich hilfreich erwiesen, und sie sollen dies auch in der Zukunft leisten können. Doch die Herausforderungen unserer Zeit machen deutlich: Die bisherigen Strukturen reichen allein nicht aus. Klimawandel, Kalamitäten, volatile Holzmärkte und steigende administrative Anforderungen in der Förderung wie auch im Steuerrecht verlangen nach mehr Anpassung. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer tragen eine immer größere Last. Als CDU-Fraktion wollen wir sie daher unterstützen: durch das Stärken forstwirtschaftlicher Vereinigungen, das Fördern von Waldpflegeverträgen, das Erproben neuer Managementansätze und innovativer Bewirtschaftungsmodelle bei gleichzeitigem Abbau zusätzlicher Auflagen. Meine Damen und Herren, gut ist: Offenbar hat unser Antrag aus dem März 2025 Wirkung gezeigt. Denn plötzlich entdeckt auch die Regierungskoalition das Thema Wald für sich. SPD und Grüne legen nun ebenfalls einen Antrag vor. - Ja, es zeigt, dass das Thema bei Ihnen angekommen ist. - Genau. Es zeigt, dass der Druck, den wir mit unserem Antrag erzeugt haben, gewirkt hat. Genau! Weniger gut ist, was darin steht. Legen wir beide Anträge nebeneinander, werden einige Unterschiede sichtbar. Unser Antrag enthält konkrete Maßnahmen und Reformen zur strukturellen Verbesserung des Kleinwaldes. Rot-Grün hingegen macht windelweiche Formulierungen, die alles und nichts sein können. Ihr Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist geprägt von Unschärfe: kein Versprechen, keine Verbindlichkeit, keine Richtung. - Ja. Er ist mit Verlaub ein Antrag der Vorsicht, der Passivität und der Bewegungslosigkeit. Es ist eine Beschreibung des Status quo in Antragsform. Verwaltung statt Gestaltung! Nehmen wir ein konkretes Beispiel heraus: Waldpflegeverträge - im Rahmenplan längst unter Förderbereich 5 vorgesehen. Andere Bundesländer nutzen dieses Instrument bereits erfolgreich. Niedersachsen tut es nicht. Was schlägt die Koalition vor? Man möge prüfen, „inwieweit zusätzliche Fördertatbestände ... eingeführt werden können". Prüfen - nach Jahren des Stillstands! Donnerwetter! Oder nehmen wir das Thema Pachtmodelle: So heißt es in Ihrem Antrag: „Pachtmodelle oder neue Entgeltstrukturen ... spielen in der Praxis bislang nur eine geringe Rolle. Eine einheitliche Steuerung solcher Modelle ... ist daher nur begrenzt zielführend." Und was folgern Sie als Koalition daraus? Dass man es eben lässt. Wir ziehen den gegenteiligen Schluss. Gerade weil diese Instrumente bislang kaum genutzt werden, müssen wir sie weiter erproben. Gerade weil Sie nicht wissen, unter welchen Bedingungen Pachtmodelle funktionieren, brauchen wir Modellprojekte. Das ist der Unterschied zwischen einer Politik, die auf Erkenntnisse wartet, und einer Politik, die Erkenntnisse schafft. Beim Thema Waldumbau sind Sie zudem teils widersprüchlich. Sie betonen die Bedeutung klimaresilienter Wälder, doch die aktuelle Förderrichtlinie schließt in vielen Bereichen nicht europäische Baumarten von der Förderung aus, etwa Douglasie oder Küstentanne. Für einen erfolgreichen Waldumbau brauchen Forstwirte den gesamten Instrumentenkasten und keine ideologischen Einschränkungen. - Wenn das schon „einer drüber" war... Sie fordern in Ihrem Antrag einen höheren Laubwaldanteil sowie mehr Mischwald. Dabei liegt der Anteil von Nadelholz in Jungwuchs in Niedersachsen inzwischen nur noch bei rund 20 %. Zudem werden 80 % des geernteten Nadelholzes stofflich genutzt, wodurch CO2 langfristig gebunden wird. Was unsere Anträge verbindet, ist die Stärkung der Forstwirtschaftlichen Vereinigungen auf Bundesebene. Aber hier lautet Ihre Formulierung, man solle sich für diese einsetzen, „soweit hierfür auf Bundesebene Initiativen entstehen". Ja, Niedersachsen als Zuschauer; warten, bis etwas passiert! Wir sagen: Niedersachsen muss selbst initiativ werden. Meine Damen und Herren, wir wollen handeln - Sie wollen prüfen. Wir wollen verändern - Sie wollen verwalten. Jetzt muss gehandelt werden: Waldpflegeverträge und ähnliche Förderinstrumente in Niedersachsen ausbauen, Modellprojekte zu Pacht und Crop-Sharing-Modellen in verschiedenen niedersächsischen Regionen starten, moderne Technologien etwa zu präzisen Standortbestimmungen und zur effizienten Verwaltung von Entgeltmodellen in Pachtmodellen erproben, Flurbereinigungsmaßnahmen im Interesse privater Waldbesitzer prüfen, Forschungsprojekte zur Akzeptanz und zu Rahmenbedingungen neuer Instrumente finanzieren, beim Bund aktiv auf eine Erweiterung des Aufgabenkatalogs der Forstwirtschaftlichen Vereinigungen und für eine dauerhafte Förderung der gemeinsamen Holzvermarktung hinwirken. Dabei gilt bei allem, was wir fordern, ein unumstößlicher Grundsatz: Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer stehen im Mittelpunkt. Keine Maßnahmen gegen den Willen der Eigentümer und keine Zwangsstrukturen! Meine Damen und Herren, die niedersächsischen Wälder brauchen keine Anträge, die auf dem Istzustand beharren. Der Wald kann nicht warten. Unsere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer können nicht warten. Die Landesregierung sollte das auch nicht tun. Die CDU-Fraktion bittet um Ihre Zustimmung. Herzlichen Dank.
