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Jörn Domeier

SPD 22.02.2023 4:36 min Tagungsabschnitte 19/5

Keine Exoten in Zirkussen - Tierhaltung und -transportbedingungen weiter verbessern

(Vizepräsidentin Meta Janssen-Kucz übernimmt den Vorsitz) Jörn Domeier (SPD): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Lass es Konfetti regnen, für einen Moment im Leben werden Wunder wahr gemacht.“ Diese Passage aus dem Song „Zirkus“ der Sängerin Namika gibt so ziemlich genau das wieder, wofür für mich der Zirkus steht, nämlich für eine ganz eigene Welt voller Wunder, voller Spannung und Artistik. Und ich sage es ganz offen: Ich genieße Aufführungen im Zirkus sehr. Ich sage das auch deswegen, weil unser Antrag, der eben genannt worden ist, leider von manchen so aufgenommen wurde, als hätten wir etwas gegen den Zirkus. Aber genau das ist eben nicht der Fall. Uns geht es um die Zukunft des Zirkus, uns geht es aber auch um den Tierschutz. Die Haltung von Wildtieren ist aufgrund ihrer artspezifischen Verhaltensweisen und der Unterbringung höchst anspruchsvoll. Das haben die meisten auch erkannt und Wildtiere aus ihrem Programm genommen. Andere, wie z. B. der Cirkus Roncalli, verzichten übrigens auf jegliche Form der Tierauftritte. Ca. 30 Zirkusse gibt es in Niedersachsen, und ungefähr acht halten überhaupt noch Wildtiere. Während z. B. die Anzahl der Elefanten abnimmt, steigt sogar die Anzahl der Großkatzen. Das ist deswegen so problematisch, weil die hohen Ansprüche an den Tierschutz in einem reisenden Unternehmen nicht eingehalten werden können. Vielleicht ein Beispiel: Der natürliche Lebensraum von Braunbären liegt zwischen 20 und 100 km². Der Tierschutz empfiehlt 5 000 m². Die Wildgehege-Leitlinien sagen immerhin noch 1 500 m². Das Säugetier-Gutachten schreibt 500 m² vor, und die Zirkus-Leitlinien liegen bei 75 m². In Niedersachsen haben wir keine Bären mehr in einem Zirkus. Aber für Löwen schreibt das Säugetier-Gutachten bei fünf Tieren eine Fläche von 1 500 m² vor, während die Zirkus-Leitlinien für diese fünf Tiere 50 m² Außengehege bei mindestens vier Stunden möglichem Aufenthalt vorsehen. Selbst diese Mindestanforderungen können Zirkusse oft nicht einhalten. Den Zirkustieren steht ein Außengehege nämlich erst nach Aufbau am jeweiligen Gastspielort zur Verfügung. Eine Strukturierung und Ausstattung hängen logischerweise stark von den natürlichen Gegebenheiten ab. Zudem kann der Zugang auch noch zeitlich eingeschränkt werden. So sehen die Zirkus-Leitlinien beispielsweise für Großkatzen - ich hatte es eben gesagt - vier Stunden am Tag im Außengehege vor. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wenn sich das Tier die restlichen 20 Stunden im Käfigwagen auf 12 m² befindet, gelten die Leitlinien als erfüllt. Selbst diese Minimalanforderungen werden oft nicht eingehalten. Falls Sie mir nicht glauben mögen, erwähne ich auch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, das auf dieselben Zahlen gekommen ist wie das Land Berlin oder das Land Hessen, die gesagt haben: In Zirkusbetrieben stellen wir bei fast jeder zweiten Kontrolle Verstöße gegen den Tierschutz oder gegen die genannten Leitlinien fest. Wenn Sie auch hier meinen, dass es in Deutschland mal wieder besonders streng ist und im Ausland alles viel, viel einfacher ist, dann warne ich vor dieser Annahme. Belgien, Bulgarien, Dänemark, England, Estland, Irland, Kroatien, Lettland, Litauen, Niederlande, Norwegen, Serbien, Slowenien und viele weitere Länder haben ein generelles Verbot von Wildtieren in Zirkussen beschlossen. Falls Sie noch ein Land in meiner Aufzählung vermissen, dann sind die Regelungen dort sogar noch strenger; dann gibt es nämlich ein Verbot aller Tierarten für den Auftritt. Daher möchte ich heute enden mit den Aussagen von Bernhard Paul, dem Zirkusdirektor von Roncalli, der in einem Zeitungsinterview gesagt hat: „Das war eine einsame Entscheidung von mir, bei der auch viele gesagt haben: Das wird aber schwer ohne Tiere. - Wurde es nicht. Es war richtig. Wir merken, was so los ist bei den anderen Zirkussen, die mit Tieren arbeiten.“ Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

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