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Miriam Staudte

21.06.2023 4:33 min Tagungsabschnitte 19/8

"Zukunftsprogramm Diversifizierung" Wege aus der Krise in der Schweinehaltung: Höfe erhalten - neue Betriebszweige erschließen

Herzlichen Dank. - Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal ganz herzlich dafür bedanken, dass dieser Beschluss zum Thema der Diversifizierung in der Landwirtschaft, insbesondere im Bereich Schweinehaltung, so breit getragen wird. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Trotz der kleinen Differenzen, die heute hier angesprochen worden sind, Frau Jensen, begrüße ich diesen breiten Konsens, dass das jetzt die richtige Richtung ist, wirklich sehr. Denn die Debatte über das Thema Diversifizierung läuft tatsächlich schon seit einigen Jahren. Am Anfang gab es doch große Bedenken und Widerstände. Eigentlich sind sie jetzt abgeräumt worden. Ich möchte mich auch bei den Mitgliedern des Agrarausschusses bedanken, die sich auch die Zeit genommen haben, hier eine Anhörung durchzuführen. Diese Anhörung war sehr fachlich und sehr intensiv. Es sind ungefähr 30 Seiten Anhörungsprotokoll zusammengekommen. Das ist für uns als Ministerium eine gute Hilfestellung, um das, was dort angesprochen worden ist, in unsere weiteren Beratungen einfließen zu lassen. In den letzten Jahren gab es immer wieder das Credo der Spezialisierung in der Landwirtschaft, ausgerichtet auf das Ziel, mehr und billiger zu produzieren. Durch die Krisen, die hier schon angesprochen worden sind, haben wir wohl alle gemerkt, dass eine solche Spezialisierung auf betrieblicher Ebene einfach risikobehaftet ist. Im nachgelagerten Bereich, also in der Ernährungswirtschaft, ist die Diversifizierung auch schon längst angekommen, wie wir sehen. Selbst Schlachtbetriebe haben noch andere Betriebszweige aufgebaut. Molkereien befassen sich auch nicht mehr nur mit dem Thema Milch, sondern überlegen aktuell, wie sie sich neu ausrichten können. Das alles erfolgt vor dem Hintergrund der Risikominimierung. Dabei wird auch die Region im Blick behalten. Es gibt die TRAIN-Studie, aber auch die Studie des Thünen-Instituts, die sich natürlich mit der Frage befassen, was das gerade für die Intensivtierregionen bedeutet. Da werden durchaus auch Perspektiven aufgezeigt. Die Krisen, um die es geht, sind hier schon angesprochen worden. Wir haben die Klimakrise, verschiedenste Tierseuchen, Corona und den Krieg. Alles das hat Auswirkungen auf die Preise, die die Betriebe erzielen können. In den aktuellen Krisensituationen haben Betriebe dann eigentlich keine Möglichkeit mehr, zu reagieren. Sie sind dem Weltmarkt und den Preisen, die gerade dort herrschen, ausgeliefert. Das, was wir machen können, was wir jetzt aktiv mitgestalten können, ist die Unterstützung bei der breiteren Aufstellung der Betriebe, damit weitere Standbeine dazukommen, sodass durchaus auch Tierhaltung, wie die Schweinehaltung, reduziert werden kann. Da geht es nicht darum, dass irgendetwas billigend in Kauf genommen wird. Denn wir wissen ja aus anderen Bereichen ‑ Stichworte „Überdüngung“, „Grundwasserschutz“ usw. ‑, dass es auch in diesen Regionen sinnvoll ist, Tierbestände abzubauen. Aber wir wollen eben nicht, dass Betriebe komplett aufgeben. Vielmehr geht es uns darum, dass wir das Höfesterben stoppen oder mindestens verlangsamen können. Ich denke, dass das, was wir bislang tun, dazu beitragen wird. Wir haben die AFP-Förderung gerade für schweinehaltende Betriebe attraktiver gemacht. Wir haben die Richtlinie zur Verarbeitung und Vermarktung überarbeitet und wollen auch für 2024 ein neues Förderprogramm auflegen. Das kann vielfältig sein. Es wird nicht die eine flächendeckende Lösung für alle Betriebe geben. Wenn ein konkretes Beispiel genannt wird, wird es ja ganz oft so dargestellt, als könne das dann für alle Betriebe die Antwort sein. Gerade das ist eben nicht möglich, sondern es geht um Beratung und eine Vielfältigkeit in der Neuausrichtung. Ich glaube, dass wir über dieses Thema noch weiter diskutieren werden. Es wird sich sicherlich auch noch in vielen weiteren Branchen der Landwirtschaft die Frage stellen, ob dort nicht auch eine Diversifizierung die richtige Antwort ist. Ich bedanke mich für die Diskussion und freue mich auf die weiteren Entwicklungen.

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