Thore Güldner
Schule zukunftsfest machen - mit A 13, 2 460 neuen Lehrkräften und mehr Bildungsgerechtigkeit beginnt das neue Schuljahr
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir starten dieses neue Schuljahr zwar mit einer Höchstzahl an Lehrerinnen und Lehrern. Aber bei gleichzeitig steigenden Schülerinnen‑ und Schülerzahlen und wachsenden pädagogischen Anforderungen bringt uns das bei der Unterrichtsversorgung unterm Strich - das muss man leider so sagen - wenig. Hinzu kommen ansteigende Krankenstände, frühzeitige Pensionierungen, sich häufende Teilzeitanträge und erhöhte Abbrecherquoten in den Studienseminaren. Das sind Entwicklungen, die uns allesamt definitiv nicht zufriedenstellen können. Und die Menschen erwarten von uns zu Recht, dass wir Maßnahmen ergreifen, um mehr Menschen in das System Schule zu bekommen und vor allem auch mehr Menschen im System Schule zu behalten. Eine dieser wichtigen Maßnahmen haben wir zügig nach der Landtagswahl auf den Weg gebracht. Sie wirkt jetzt zum neuen Schuljahr, sie wirkt jetzt zum 1. August. Es ist die Einführung einer gerechten Besoldung zwischen den Schulformen mit A 13 bzw. A 10. Diese Neuerung war und ist ein echter Meilenstein in der niedersächsischen Bildungspolitik, eine längst überfällige Anpassung, die eine Frage des Respekts, eine Frage der Gerechtigkeit und der Anerkennung gegenüber der wertvollen Arbeit ist, die tagtäglich in Schule gemacht wird, und die eine Abwanderung von Lehrkräften in andere Bundesländer verhindern wird. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, natürlich wissen wir, dass diese Maßnahme alleine nicht ausreicht, um den Lehrkräftemangel vollständig zu bewältigen. Um genügend Lehrerinnen und Lehrer in Niedersachsen zu halten und neue zu gewinnen, braucht es ein umfassendes Bündel an Maßnahmen. Dazu gehört, dass wir die Anerkennung ausländischer Abschlüsse endlich konsequenter vorantreiben müssen. Dazu gehört auch, dass wir den Quereinstieg in den Lehrberuf noch attraktiver gestalten, notwendige Hürden abbauen und das Studium und das Referendariat zukunftsorientiert umbauen müssen. Das alles sind Dinge, die wir vielleicht auch mit noch mehr Mut und mit noch mehr Entschlossenheit in den kommenden Monaten angehen müssen und angehen werden. Aber vor allem muss es um die Entlastung unserer Lehrerinnen und Lehrer gehen - nicht aus Gründen des Selbstzwecks, sondern damit unsere Kinder optimale Bildungsvoraussetzungen vorfinden. Einen solchen Beitrag zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer und zur zielgenauen Steuerung der Mehrbedarfe an den niedersächsischen Schulen wird das Startchancen-Programm bieten. Wir brauchen nämlich mehr Multiprofessionalität, gerade an den Schulen, die einen besonderen Bedarf haben. Aber lassen Sie mich hier ganz klar sagen: Multiprofessionalität und die Unterstützung durch nichtlehrendes Personal braucht es eben nicht nur an den Startchancen-Schulen, auch an vielen anderen Schulen - wahrscheinlich an allen niedersächsischen Schulen - sind sie notwendig. Damit kommen wir zu einem Thema, das auch mir persönlich - und ich glaube, da geht es vielen Kolleginnen und Kollegen ähnlich - in den letzten Tagen Bauchschmerzen bereitet hat. Das ist die Meldung über die knapp 2 400 Stellen aus dem Startklar-Programm, die zum Jahresende wegfallen sollen. Das hat in vielen Schulen für Unruhe gesorgt. Hier unterstütze ich das, was der Kollege Fühner gesagt hat. Jede Person - egal, ob auf Minijob-Basis, ob mit oder ohne einschlägiger pädagogischer Ausbildung -, die an Schule unterstützend tätig ist, wird vor Ort in den Schulen als absoluter Mehrwert und als Entlastung angesehen. Auch wenn wir wussten, dass es hier eine zeitliche Begrenzung bei den Anstellungen gibt, welche wir als Koalition mit großer Mühe einmal hinauszögern konnten, wäre der komplette Wegfall dieser Personengruppe definitiv ein echter Einschnitt. Dazu darf und dazu soll es aber ja auch gar nicht kommen. Das Kultusministerium hat angekündigt, dass es an regionalen Lösungen arbeitet. Gerade an den Startchancen-Schulen wird das auch relativ problemlos klappen. Davon bin ich überzeugt. Aber wir müssen auch die anderen Schulen sowie Herausforderungen wie die Inklusion oder auch die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztag im Blick behalten. Wir brauchen also flächendeckende Lösungen. Die Lage an den Schulen ist sicherlich zu ernst, um Personal im großen Stil abzubauen. Das wollen wir auch gar nicht. Deshalb begrüße ich die Ankündigung des Kultusministeriums und hoffe, dass sie auch flächendeckende Wirkung zeigt. Wir sind es dem Personal in der Schule, aber vor allem auch unseren Schülerinnen und Schülern schuldig. Danke schön.
