Swantje Schendel
Unsere Kinder schützen - nein zur frühkindlichen Sexualisierung!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg*innen! Bei der Vorbereitung dieser Rede habe ich mich ernsthaft gefragt, welche wissenschaftlichen Quellen ich denn heranziehen kann, um diesem Antrag und auch den Fehldarstellungen ‑ ich würde sogar gerne sagen: den Lügen ‑ in diesem Antrag zu begegnen. In ihrem Antrag lehnt die AfD-Fraktion ja bereits die von Expert*innen anerkannte Arbeit der Weltgesundheitsorganisation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ab. Daher frage ich mich, ob Sie an den Expert*innen-Meinungen der Enquetekommission Kinderschutz aus der letzten Legislatur interessiert sind. Ich fürchte, nicht; denn wir Grünen waren ja auch maßgeblich daran beteiligt, dass diese Enquetekommission zustande kommt. Ich will hier aber feststellen: Die Empfehlung der Enquetekommission zur Sexualpädagogik haben Sie in Ihrem Antrag nicht nur völlig ignoriert. Sie fordern das genaue Gegenteil. Während Sie nämlich bewusst Angst und Vorurteile schüren, beschäftigt sich die Sexualpädagogik tatsächlich damit, wie Kinder gestärkt werden können, ihnen ein positiver Umgang mit dem eigenen Körper vermittelt werden kann und wie ihnen das Recht am eigenen Körper vermittelt werden kann. Wenn wir Kinderschutz ernst nehmen, wenn wir präventiv agieren wollen, dann müssen Kinder und Jugendliche in dem Wissen um ihre Rechte und Grenzen gestärkt werden, dann müssen sie über ihre Empfindungen Worte finden können und sich im Zweifel auch Hilfe organisieren können. Eine Tabuisierung des Themas trägt dagegen zu einer höheren Gefährdung von Kindern und Jugendlichen bei. Und Wissen ist der wichtigste Schritt im Schutz vor Gewalt. Der Bericht der Enquetekommission Kinderschutz betont deshalb auch, dass die altersspezifische und vorurteilsfreie Allgemeinbildung von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf den Umgang mit Sexualität sowie die Vermittlung von Kinderrechten notwendige Maßnahmen zum Kinderschutz sind. Expert*innen sprechen sich deutlich für sexuelle Bildung von Kindern und Jugendlichen und ihren Bezugs- und Betreuungspersonen als eine Maßnahme des Kinderschutzes aus. Ihre pauschale Abwehr dieses Themas als Ganzes und die Verunglimpfung von Sexualpädagogik als „Frühsexualisierung“ leisten dagegen keinen Beitrag zur Debatte und erst recht keinen Beitrag zum Schutz von Kindern. Es ist unsäglich, auf diesem Niveau diskutieren zu müssen. Ich danke trotzdem allen ‑ und insbesondere der Landesregierung ‑, dass sie mit der Entwicklung einer Kinderschutzstrategie wirksame Maßnahmen auf den Weg bringen werden; denn das ist der Weg, den wir gehen müssen.
