Pascal Mennen
Entwicklungsmöglichkeiten durch mehr Freiräume - Schulen zukunftsfähig aufstellen, Beteiligte entlasten
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Sie werden mir zustimmen, dass wir unseren Schüler*innen überall in Niedersachsen dieselben Kompetenzen und Werte vermitteln sollten. Sie alle werden mir ebenfalls zustimmen, dass eine Schule in Greetsiel Krumhörn ganz anders tickt als eine Schule in ‑ sagen wir mal ‑ Göttingen Geismar. Und genau da setzt der Freiräumeprozess an. In unserem hier zum Beschluss vorliegenden Entschließungsantrag fordern wir, den Schulen den Freiraum zu geben, der zu den Begebenheiten der Schule, zum Umfeld und Einzugsgebiet passt. So kann jede Schule den eigenen passenden Weg finden. Und wenn sich eine Schule auf diesem Weg für alternative Lern- und Unterrichtsformen oder eine Lernkontrolle ohne klassische Noten entscheidet, dann bekommt sie zukünftig die Freiheit dafür. Und nein, liebe Kolleg*innen der CDU, ich habe gerade nicht gesagt, dass wir Noten abschaffen wollen. Wir wollen mit diesem Antrag einen wichtigen Impuls für Schulentwicklung geben, und der ist auch dringend nötig. Eine Gesellschaft, die derart im Wandel ist wie unsere, muss ihre Strukturen immer wieder hinterfragen und erneuern, auch und gerade im Schulsystem. Manche Regelungen und inhaltliches Klein-Klein sind zu einer Fessel mutiert. Inhaltliche Fülle verhindert den ganzheitlichen Kompetenzerwerb. Wir wollen mit diesem Antrag Fesseln lösen, Freiräume zulassen und Innovationen fördern. Denn, liebe Kolleg*innen, es ist doch völlig klar, dass eine große Anhäufung von Detailwissen in der Zukunft kaum noch etwas bringt, wenn wir nicht einmal wissen, welche Berufe es in fünf oder zehn Jahren überhaupt noch gibt. Wir müssen Kinder und Jugendliche in unseren Schulen stark machen, Fragen und Probleme zu lösen, dabei auf andere zuzugehen und dafür auch Haltung und Resilienz mitzubringen. Das ist die Aufgabe von Schule 2024, und dafür gibt es die richtigen Konzepte, und es gibt Schulen, die diese umsetzen. Bei meinen wöchentlichen Besuchen besuchte ich auch solche Schulen, die Freiräume bereits nutzen, die zum Beispiel im „Modellprojekt Zukunftsschulen“ vernetzt sind und die manchmal auch im nicht mehr ganz so legalen Rechtsbereich arbeiten: das „FREI DAY“-Projektlernen, die „My future“-Berufs- und Studienorientierung, die SWAN-Methode, der Makerspace, weniger Noten und Fachinhalte, jahrgangs- und fachübergreifendes Lernen sind solche Methoden. Sie machen fit für eine Zukunft im 21. Jahrhundert, und vor Ort werden sie nicht nur von mir und meinen Kolleg*innen von Rot-Grün bejubelt. Auch die Kultuskolleg*innen der CDU waren schon häufig in genau diesen Schulen vor Ort und dort offenbar voll des Lobes über den tatsächlich innovativen Weg dieser Schulen. Aber kaum sind sie mit dem Pkw auf der Autobahn in Richtung Landeshauptstadt unterwegs, schon ist die Begeisterung verschwunden, und sie wettern gegen exakt das, was sie draußen im Lande noch anerkennend gelobt haben, reduzieren die von Pädagog*innen ausgefeilten Konzepte auf eine nicht existente Abschaffung von Noten und eine angebliche Einheitsschule. Ich sage Ihnen, das stärkt hier wie da nicht die Glaubwürdigkeit. Die Menschen vor Ort in den Schulen wissen am besten, was die Schulen brauchen, was den jungen Menschen mitgegeben werden muss. Ich bitte Sie von der CDU deshalb: Geben Sie sich einen Ruck und vertrauen Sie nicht nur den Lehrkräften vor Ort, sondern auch ‑ ‑ ‑ Entschuldigen Sie, Herr Kollege Mennen! Lassen Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Fühner zu? Ja, gern. Bitte schön, Herr Fühner! Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Kollege Mennen,
