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Heike Koehler

CDU 28.04.2026 4:15 min Tagungsabschnitte 19/33

Die psychosoziale Versorgung für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen verbessern

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einiger Zeit hat mir eine junge Betroffene von ihrer Essstörung berichtet. Was als Wunsch begann, ein wenig abzunehmen, wurde schleichend zu etwas ganz anderem. Kalorien bestimmten plötzlich den Alltag. Jeder Blick in den Spiegel wurde zur Kontrolle, jede Mahlzeit zur Belastung. Irgendwann, sagte sie, habe sich ihr ganzes Leben nur noch um Essen, Nicht-Essen und das schlechte Gewissen danach gedreht. Sie hat einen Satz gesagt, der mich besonders bewegt hat: Am Anfang glaubt man, alles im Griff zu haben, aber irgendwann merkt man, dass die Krankheit die Kontrolle übernommen hat. Genau darüber sprechen wir heute. Essstörungen sind keine Phase, sie sind keine harmlose Diät, und sie sind keine Frage von Disziplin. Essstörungen sind schwere seelische Erkrankungen, die Leben zerstören können. Die Zahlen sind alarmierend. Seit 2019 sind die Fälle deutlich gestiegen. Das ist kein Zufall. Wir leben in einer Zeit, in der junge Menschen vor allem Mädchen und junge Frauen permanent unter Druck stehen. Auf sozialen Medien wird ihnen täglich vermittelt: Du musst dünner sein, perfekter sein, besser sein. Hinter Trends wie „Skinny Girl Mindset" oder „Clean Girl Aesthetic" steckt oft ein System aus Vergleich, Druck und Selbstzweifeln. Gerade in einer Phase, in der sich Selbstwert und Identität erst entwickeln, ist das brandgefährlich. Soziale Medien sind nicht allein schuld daran, aber sie wirken wie ein Brandbeschleuniger für Unsicherheit, die ohnehin schon da ist. Denn Essstörungen entstehen im Kopf und in den Gedanken, die sich irgendwann nur noch um Kontrolle, Verzicht und den eigenen Wert drehen. Hungern fühlt sich plötzlich wie Erfolg an, Essanfälle wie ein kurzer Trost, und gleichzeitig wachsen Scham, Selbsthass und Isolation. Das ist der Teufelskreis. Was kurzfristig Kontrolle verspricht, nimmt langfristig jede Kontrolle über das eigene Leben. Das Tragische ist: Viele Betroffene verstecken ihr Problem aus Scham und Schuldgefühlen. Genau das hält sie oft davon ab, sich Hilfe zu suchen. Deshalb reicht es nicht aus: „Geh doch einfach zur Therapie!" Wir brauchen ein Umfeld, das hinschaut, Schulen, die sensibilisieren, Lehrkräfte, die Warnsignale erkennen, Eltern, die Veränderungen an ihren Kindern wahrnehmen, und ein Gesundheitssystem, das schnell hilft. Denn die Realität ist: Wer heute Unterstützung sucht, wartet oft Monate - Monate, in denen sich eine Essstörung weiter verfestigt. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist kein individuelles Versagen. Das ist ein strukturelles Problem, das wir politisch lösen müssen. Wir als Opposition tragen den Antrag der regierungstragenden Fraktionen mit. Denn die Forderungen gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Mehr Prävention, bessere Sichtbarkeit von Hilfsangeboten und stärkere Vernetzung sind dringend notwendig. Aber genauso klar sage ich: Es reicht nicht aus, Maßnahmen anzukündigen. Wir brauchen eine verlässliche Umsetzung mit klarem Zeitplan, gesicherter Finanzierung und konkreten Zuständigkeiten. Deshalb kündigen wir als Opposition bereits heute an: Wir werden Kleine Anfragen an die Landesregierung richten und uns mit Nachdruck danach erkundigen, wann und in welchem Umfang die Forderungen tatsächlich Realität werden. Denn junge Menschen können nicht warten. Essstörungen sind ein stiller Hilferuf. Wenn wir heute handeln, retten wir nicht nur Gesundheit, sondern auch Selbstwert, Lebensfreude und im besten Fall das Leben. Deshalb stimmen wir dem Antrag zu. Aber wir werden sehr genau darauf achten, dass er nicht in der Schublade verschwindet. Vielen Dank. Vielen Dank. - Für die Fraktion der AfD spricht

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