landtag-niedersachsen.de ↗

Katharina Jensen

CDU 22.05.2025 4:59 min Tagungsabschnitte 19/25

Vielfalt säen, Sorten sichern - regionale Saatgutzucht stärken

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt kaum etwas Ursprünglicheres als einen Menschen, der etwas sät und darauf vertraut, dass es wächst - ob das nun ein einzelner Hobbygärtner auf seinem Balkon ist oder ein Familienbetrieb, der seit Generationen seine Felder bestellt. Denn wer die Kontrolle über das Saatgut hat, entscheidet letztlich auch über Ernährung, Vielfalt und Versorgungssicherheit. Pflanzenzüchtung ist Hochtechnologie. Was früher über Generationen aus bäuerlicher Erfahrung entstand, ist heute ein hoch spezialisierter Prozess, um schlussendlich ertragreiche, klimaresiliente und krankheitsresiliente Sorten zu haben. Züchtung bedeutet viele Jahre Forschung, Tests und auch Feldversuche. Am Ende schafft es nur ein Bruchteil der Sorten zur Zulassung. Die Hürden sind hoch, und das zu Recht. Aber das heißt eben auch: Der Weg bis dahin ist teuer, langwierig und mit vielen Rückschlägen verbunden. All das kostet viel Geld - Geld, dass über geregelte Schutzrechte refinanziert werden muss. Deshalb sagen wir als CDU ganz klar: Züchtung verdient Schutz, Züchtung verdient Verlässlichkeit! Im Zusammenhang mit dem Nachbau stellt sich für viele Betriebe die Frage nach fairer Lastenverteilung. Das sorgt für Diskussionen über Gleichbehandlung und Nachvollziehbarkeit. Aber was nicht passieren darf, ist eine schleichende Aufweichung des Sortenschutzes durch Modelle, bei denen Saatgut einfach beliebig weitergegeben, verändert und verkauft werden kann. Denn Wert entsteht nicht dadurch, dass etwas kostenlos ist. Wert entsteht, wenn sich dahinter Leistung verbirgt. Diesen Wert müssen wir schützen, auch rechtlich. Aktuell ist die neue EU-Saatgutverordnung im Trilog-Verfahren zwischen Kommission, Parlament und Rat blockiert. Sie ist jedoch dringend nötig, denn eine einheitliche Regelung zu Zulassung, Qualität und Nachbau wäre ein echter Fortschritt. Was schlägt der Antrag der regierungstragenden Fraktionen vor? Er verliert sich in Symbolpolitik: Saatgut als „Gemeingut", „Open-Source-Saatgut", „Ausnahmen ... für nicht kommerzielle" Weitergabe. - Das klingt schön, geht aber an der Realität vieler Betriebe vorbei, denn unsere Betriebe brauchen keine moralischen Appelle, sie brauchen ertragreiche Sorten, die dem Klimawandel standhalten. Sie brauchen Züchtungssicherheit. Wenn wir über Zukunft sprechen, dann dürfen wir moderne Züchtungstechnologien nicht verschweigen. CRISPR/Cas als gezielte Genomeditierung bietet enorme Chancen, etwa für Trockenresistenzen oder reduzierten Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Die EU berät derzeit über eine Neuregulierung sogenannter GVO-Pflanzen. Pflanzen, die durch Genomeditierung entstehen, könnten bald von den strengen Gentechnikregeln ausgenommen werden - ein Schritt, den wir als CDU begrüßen würden. Was wir brauchen, ist Mut zur Innovation. Wir müssen die Chancen neuer Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas nutzen, gerade in einer Welt, die unter extremem Wetter und wachsendem Proteinhunger leidet. Die Genomeditierung ist keine Bedrohung, sie ist eine Chance. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass diese Chance auch genutzt werden darf im Sinne von Versorgung, Nachhaltigkeit und wissenschaftlicher Verantwortung. Wir dürfen dabei nicht vergessen: Niedersachsen ist nicht irgendein Ort auf der Karte. Mit Einbeck haben wir einen der bedeutendsten Saatgutstandorte Europas bei uns im Land. Hier entstehen Innovationen, die weltweit gefragt sind. Das sichert nicht nur Arbeitsplätze, das ist auch eine Innovation in die Zukunftsfähigkeit unseres ländlichen Raumes. Pflanzenzüchtung ist kein romantisches Ideal, wie es Ihr Antrag an mancher Stelle suggeriert, sie ist ein Wirtschaftsfaktor, denn stabile Erträge und pflanzenbauliche Widerstandsfähigkeit durch gute Züchtung sind kein Selbstzweck. Sie sind das Fundament für bezahlbare, sichere Lebensmittel, auf die sich unsere Bevölkerung verlassen kann. Lassen Sie uns also nicht über Symbolbegriffe wie „Gemeingut" philosophieren, während unsere landwirtschaftliche Wertschöpfung real unter Druck steht. Niedersachsen steht für moderne Landwirtschaft. Niedersachsen steht für leistungsfähige Züchtung. Niedersachsen steht für Verantwortung. An dieser Stelle das nehme ich mir jetzt raus müssten Sie nur unseren Antrag zu neuen Züchtungsmethoden unterstützen. Er liegt nämlich derzeit im Ausschuss und wäre nach den Beratungen zur Abstimmung bereit. Danke schön.

Alle Reden von Katharina Jensen Rede ansehen ↗