Alfred Dannenberg
Lebensmittel-Herkunftskennzeichnung verbessern - regionale Wertschöpfung stärken
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn das hier nicht der Plenarsaal wäre, sondern eine Schulklasse, und wir hätten gerade Erdkunde, Thema Landwirtschaft ‑ meist in der 8. Klasse ‑, da geht es dann an irgendeiner Stelle auch um die Biolandwirtschaft. Und ich würde als Lehrer einfach mal in den Raum hineinfragen: „Liebe Leute, woran erkennt ihr im Laden ein Lebensmittel vom Biohof?“ - Antwort der Schüler: „Joa, da ist so’n Ökosiegel drauf.“ - Ich so: „Welches denn?“ - Antwort Schüler: „Joa, halt so’n Symbol und das Wort ‚Bio‘.“ - „Und es ist teurer als andere Sachen ohne ‚Bio‘“, schmettert Klein-Andi hinterher. Die Hälfte der Klasse nickt, und der schlaue Kevin meint noch: „Aber dafür schmeckt es auch besser.“ - „Stimmt doch gar nicht“, entgegnet die Fast-Food-Fraktion. - Schnitt. Meine Damen und Herren, damit ist eigentlich schon alles Wesentliche gesagt. Nur wenige der Konsumenten überblicken die ganzen Siegel, die es jetzt schon gibt. Trotzdem träumen die Regierungsfraktionen noch von zwei weiteren Siegeln: einem niedersächsischen Biosiegel und einem umfassenden staatlichen Klimalabel. Unmissverständlicher Kommentar mehrerer Experten in der Anhörung im Ausschuss dazu: Bitte nicht noch ein Siegel! Eindrücklich ist mir der Hinweis der Landwirtschaftskammer in Erinnerung geblieben, man habe jetzt schon oft das technische Problem, dass die Etiketten zu klein sind für die ganzen Infos, was zur Folge hat, dass es mitunter schon einer Drumherumverpackung zum Bedrucken bedarf. - Das kann’s doch wohl nicht sein! Oder der Einwand des Landvolks, mit einem rein niedersächsischen Biosiegel verzettelt man sich, weil unsere Produkte in einem anderen Bundesland dann weniger nachgefragt sein könnten, vor allem wenn es da dann auch ein regionales Siegel gibt. Übrigens: Die Direktvermarkter brauchen eh kein niedersächsisches Siegel, weil ihr Produkt per se regional ist. Was, wenn der nächstgelegene Schlachthof gleich hinter der niedersächsischen Landesgrenze in NRW liegt? Darf der dann nicht angesteuert werden, wenn die Wurst nachher das rein niedersächsische Biosiegel erhalten soll? Aber fürs Klimalabel wär’s ja besser wegen kürzerer Strecke, Abgas usw. Sie verzetteln sich! Mehr Kosten, noch mehr Bürokratie ‑ aber genau das wolle man sich doch ersparen, meinte auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Hinzu kommt: Bioprodukte sind teurer, aber immer mehr Menschen haben gar nicht mehr das Geld dafür. Der Experte von Neuland e. V. Meinte dazu: Entscheidend ist, dass die Verbraucher das auch kaufen. Man möge das vorher lieber erst einmal evaluieren. - Das sehe ich genauso. Und bis dahin: Bitte nicht noch ein Siegel, die eh keiner mehr überblickt! Daher stimmen wir dem Antrag nicht zu. Danke schön.
