Pascal Mennen
Gesunde Zähne von Anfang an - zahnärztliche Vorsorge für alle Kinder in Kitas stärken
Bitteschön! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Es freut mich, dass wir hier über einen schönen Antrag sprechen können. Ich möchte Sie als Erstes fragen: Wissen Sie, was ein Rumpel-Besen, ein Schlürfi oder auch ein Gummikelch ist? Vielleicht wüssten Sie es, wenn es Ihnen in früher Kindheit ein Zahnarzt oder, noch besser, der Plüschdrache Gregor auf kindgerechte und freundliche Weise erklärt hätte. Gregor ist übrigens eine kleine Handpuppe, die auch bei uns im Kultusausschuss schon einen Auftritt hatte ‑ dazu später mehr. Beim Thema Zahnarzt verspüren 30 % der Deutschen erst einmal Angst. Etwa 10 % die Zahl finde ich wirklich erschreckend bemühen sich, einen Zahnarztbesuch in ihrem Leben komplett zu vermeiden. Das sind beunruhigende Zahlen, denn die individuellen Folgen sind vielfältige Gesundheitsschäden. Es gibt eine ganze Reihe höchst problematischer Folgeerkrankungen, die auf Probleme mit den Zähnen zurückzuführen sind, etwa sichtbare Klassiker wie Karies logisch, aber auch für Laien kaum erkennbare Zahnfehlstellungen, die oft fatale Auswirkungen speziell im orthopädischen Bereich haben. Das ist gerade bei Kindern im Wachstum besonders zu beachten. Wenn wir diese Fehlentwicklungen also durch eine speziell für die Arbeit in Kitas qualifizierte Zahnärztin stoppen, dann tun wir explizit etwas Gutes für das Kindeswohl, heute und auch in Zukunft. Jeder von uns kennt das grelle Licht, die Bohrerbatterie und auch den Behandlungsstuhl, der einen in dieser Position ein bisschen hilflos erscheinen lässt. Wir nehmen den Bammel vor dem Zahnarzt, indem er, der Zahnarzt, ganz niedrigschwellig in einem sicheren Umfeld auftritt. Das erspart zunächst genau diesen klassischen Zahnarztbesuch in einer sterilen Praxis mit ihrem ja doch ganz eigenen Charme, sage ich mal. Die Grundlage für Angst und Folgen liegen oft in der frühen Kindheit. Denn wie sagt der Volksmund? Was Hänschen nicht mag, mag Hans nimmermehr. Das stimmt auch in diesem Fall. Und man muss auch festhalten: Die Angst vor dem Zahnarzt übertragen oft Eltern auf ihre Kinder. Deshalb ist eine niedrigschwellige Prophylaxe, zum Beispiel mit Gregor, wichtig - kommt aber oft nicht zustande, weil Eltern nicht einwilligen. Und da setzen wir zu Recht mit unserem Entschließungsantrag an. Sehr geehrte Abgeordnete, wir hatten im rot-grünen Arbeitskreis die Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens e.V. zu Besuch, die uns erklärten, dass erstens die Gruppenprophylaxe in den Kitas in Niedersachsen schon gut ausgebaut ist, zweitens leider häufig Kinder die Einverständniserklärung nicht rechtzeitig abgegeben haben und dann in der Konsequenz nicht teilnehmen durften, und drittens das häufig diejenigen Kinder betrifft, die sozioökonomisch ohnehin schon benachteiligt sind und das größere Kariesrisiko tragen. Natürlich haben die ZahnärztInnen versucht, etwas dagegen zu unternehmen. Einverständniserklärungen und Datenschutzblätter wurden erklärender und in verschiedenen Sprachen formuliert. Die Rückläufe stiegen aber nur gering. Angesprochene Eltern hatten oft nicht verstanden, was bei der Prophylaxe passiert und was sie tun sollten. Sie waren fast immer nicht gegen die Teilnahme ihres Kindes. Bei der Gruppenprophylaxe wird den Kindern erklärt, wie sie ihre Zähne gesund erhalten, die richtig putzen Stichwort KAI-Methode und was beim Zahnarzt oder der Zahnärztin passiert. Gut aufgeklärt wird den Kindern dann einmal kurz in den Mund geschaut, sofern sie dazu bereit sind - und das war es schon. Die Eltern bekommen dann einen kleinen Zettel, auf dem steht, ob das Kind Karies hat und ob ein Zahnarztbesuch angezeigt ist. Um mehr geht es nicht. Das Motto „Früh erkannt, Problem gebannt" leuchtet allen ein. Auch im Ausschuss waren wir uns da recht einig. Und so ist der vorliegende Entschließungsantrag entstanden, der vor allem zum Ziel hat, dass alle Kinder an der Prophylaxe teilnehmen, Eltern aber, wenn sie das nicht möchten, widersprechen können. Wir kehren also das Prozedere, das bisher existiert, um. Wir entbürokratisieren diesen Vorgang. Wir entlasten somit die Kita-Verantwortlichen bei der Organisation der Gruppenprophylaxe. Von daher ist dieser Antrag verantwortungsbewusst. Er ist auch medizinisch klug. Er ist organisatorisch vernünftig. Und vor allem das muss man festhalten ist er für die Kinder das Beste. Wir bringen hier heute wirklich etwas Gutes auf den Weg. Und jetzt noch damit möchte ich abschließen die Aufklärung vom Anfang: Ein Rumpelbesen oder auch ein Gummikelch werden zur Zahnpolitur genutzt. Und Schlürfi heißt der kleine nervige Speichelsauger, den wir, glaube ich, alle kennen. Das kann Gregor den Kindern wirklich mit Abstand am besten erklären. Von daher bitte ich um gute Ausschussberatungen und freue mich darauf. Danke. Vielen Dank. - Für die Fraktion der CDU hat nun das Wort: die Kollegin Bauseneick.
