Lena Nzume
Mehrsprachig aufzuwachsen ist ein Schatz - Potenzial der Sprachvielfalt in Schulen nutzen!
Bitteschön! Danke schön. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich freue mich, dass wir nach dieser intensiven Debatte jetzt zu einem schönen Thema kommen, nämlich zum Thema Mehrsprachigkeit. Mehrsprachigkeit ist gelebte Realität in unseren Schulen, denn die Kinder in Niedersachsen sind vielfältig. Aber Mehrsprachigkeit findet mehr auf dem Pausenhof statt im Unterricht statt. Diesen Umstand wollen wir jetzt ändern. Für viele Kinder und Jugendliche ist es normal, zwischen verschiedenen Sprachen hin und her zu wechseln. Diese Fähigkeit, nach Bedarf und Anlass, nach Gefühlen oder, wie Meta Janssen-Kucz gestern sagte, im Traum zwischen verschiedenen Sprachen zu wechseln, ist ein unschätzbarer Gewinn. Einen Moment bitte, Frau Nzume. - Der Arbeitskreis der CDU möge sich draußen treffen. - Herr Bajus! Herr Vizepräsident Nacke! Fahren Sie fort, Frau Nzume! Danke schön. Wie gestern Meta Janssen-Kucz sagte: Es ist ein Geschenk, im Traum mehrsprachig zu denken. Es ist ein Traum und es ist ein Geschenk, wenn Sie mich fragen, für alle Personen und nicht nur für die Person selber, sondern für unsere ganze Gesellschaft. Doch einige Menschen werden beglückwünscht, andere erleben aber eine Abwertung ihrer Sprache oder Diskriminierung aufgrund ihres Akzents. Global gesehen ist Mehrsprachigkeit der Standard. Aber in unseren Schulen wird dieses Potenzial oft nicht ausreichend gefördert, gewürdigt oder genutzt. Bestimmte Sprachen werden leider nicht als Bereicherung gesehen, sondern als Herausforderung oder Störfaktor. Meist wird nordeuropäischen Sprachen höheres Prestige und damit eine größere Bedeutung zugesprochen. Andere Sprachen werden als weniger wertvoll angesehen, weniger brauchbar oder weniger bedeutsam. Zugleich erfahren die Menschen, die diese Sprache sprechen, eine Abwertung. Es gibt sogar einen Begriff dafür: Linguizismus. Eine Didaktik der Mehrsprachigkeit trägt im Gegensatz dazu bei, ein Verständnis davon zu entwickeln, dass alle Menschen wertvoll sind und alle Sprachen gleich gut sind. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Aber bislang steht nur einem geringen Teil der Kinder und Jugendlichen ein öffentlich gefördertes Angebot zum erst- oder herkunftssprachlichen Unterricht offen. Und dieser Zustand arbeitet gegen den Erfolg derjenigen, die das Geschenk haben, mehrsprachig aufzuwachsen. Gleichzeitig führt es dazu, dass nichtstaatliche und nichtreglementierte Angebote zunehmen. Das ist nicht in unserem Sinn. Mit dem neuen Erlass zur Förderung der Mehrsprachigkeit leiten wir einen Paradigmenwechsel ein. Wir sehen alle Sprachen als wertvollen Bestandteil der Identität und der Bildung unserer SchülerInnen an. Mit dem Erlass schaffen wir eine Grundlage, Mehrsprachigkeit als Bildungsvoraussetzung und als Bildungsziel in unseren Schulen zu verankern. Das Ziel ist klar: Bildungserfolg für alle mit ihrer Herkunft und mit ihren mitgebrachten Sprachen. Gern möchte ich einige Punkte hervorheben, erstens die Informationsweitergabe der Eltern. Schulen sind künftig verpflichtet, Eltern aktiv über die Möglichkeiten zu informieren. Das erleichtert den Zugang, und das fördert auch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. Zweitens wird es künftig Erstsprachenbeauftragte geben. Das heißt, es gibt feste Ansprechpersonen, an die man sich wenden kann. Diese Stelle schafft eine Schnittstelle zwischen Schule und Gesellschaft. Drittens die Anerkennung von Sprachkompetenzen. SchülerInnen, die neu nach Deutschland kommen, können ihre Kenntnisse in der Erstsprache durch Zeugnisse aus dem Herkunftsland oder durch Sprachprüfungen anerkennen lassen. Das ist ein bedeutender Schritt, um Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen und auch den Weg zu höheren Bildungsabschlüssen zu erleichtern. Der letzte Punkt, den ich hervorheben möchte, ist die Qualifizierung von Lehrkräften. Der Erlass legt einen hohen Wert auf qualifizierte Lehrkräfte im erstsprachlichen Unterricht. Um das zu gewährleisten, werden berufsbegleitende Weiterqualifizierungen angeboten und weiterentwickelt. Diese Maßnahme stärkt neue Perspektiven für unser Bildungssystem. Damit der Erlass erfolgreich umgesetzt werden kann, sind viele Schritte erforderlich. Das gehen wir aktiv an. Mit dem Erlass senden wir ein starkes Signal. Wir erkennen die sprachliche Vielfalt unserer SchülerInnen als Bereicherung an, und wir machen sie zu einem zentralen Bestandteil unserer Bildungsarbeit. Vielen Dank.
