Lena Nzume
Integration von zugewanderten Fach- und Arbeitskräften in den Arbeitsmarkt nachhaltig und regional fokussiert stärken
Bitte schön! Danke schön. - Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Menschen! Am 23. Juni hat der Deutsche Bundestag das sogenannte Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen und damit einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Die wirtschaftlichen Herausforderungen werden wir nämlich nur mit ausländischen Fachkräften meistern. Nicht nur in der SPD, sondern auch in der breiten Fachöffentlichkeit besteht ein Konsens darüber, dass jährlich 400 000 Menschen ‑ Fachkräfte, Arbeitskräfte ‑ zuwandern müssen, um unseren Wohlstand und unsere Sozialsysteme zu sichern und natürlich auch die nötige Transformation zu gestalten. Auch in Niedersachsen ‑ meine Kollegin hat es gesagt ‑ fehlen zahlreiche Fach- und Arbeitskräfte. Internationale Fachkräfte werden von den meisten Unternehmen als eine Bereicherung gesehen. Einen Moment mal eben, Frau Nzume! - Ich bitte um Ruhe im Saal. Meine Kollegin wies auch darauf hin, dass die Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland für viele Unternehmen neu und zeitintensiv ist. Auch bestehen viele organisatorische und rechtliche Unkenntnisse. Hier helfen Informationen, zentrale Anlaufstrukturen und natürlich gute Beratung und Unterstützung, nicht nur für die eingewanderten Menschen, sondern auch für die Unternehmen. Genau deshalb ist die Sicherung und die qualitative Weiterentwicklung der Welcome-Centers und Start Guides von großer Relevanz für unser Bundesland. Einen Moment, bitte, Frau Nzume! Lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Moriße zu? Nein, ich würde gerne ausführen. Die Projekte tragen zur Fachkräftegewinnung und ‑sicherung bei. Sie erhöhen die Teilhabe von Einwander*innen an unserem Arbeitsplatz und tragen dazu bei, eine diversitätsorientierte Unternehmenskultur auf- und auszubauen. Damit sind sie ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Fachkräftegewinnungs- und Personalbindungsstrategie, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Liebe Kolleg*innen, Start Guides und Welcome-Center sind wichtige Anlaufpunkte für Menschen, die neu nach Niedersachsen kommen. Sie bieten Informationen über das Bundesland, helfen bei der Bewältigung bürokratischer Hürden und beraten ganz individuell zum Bildungssystem, zum Arbeitsmarkt und zu vielem mehr. Sie ebnen damit den Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe und erleichtern Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Start Guides ‑ auch das sagte meine Kollegin ‑ unterstützen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe. Genau diese sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Aber für genau diese kleinen und mittleren Unternehmen ist es schwierig. Denn oftmals haben sie keine eigenen Personalrekrutierungsstrategien und sind deshalb auf Unterstützung angewiesen, wenn sie Menschen aus dem Ausland anwerben und hier integrieren wollen. Aber die Start Guides und Welcome-Center haben zwei Zielgruppen: einerseits die eingewanderten Menschen und andererseits die Unternehmen. Die Vorteile sind vielfältig. Auch sie wurden schon genannt: Sie fördern die Teilhabe, sie stärken die Wirtschaft, und sie sind ein Symbol für einen weltoffenen Arbeitsmarkt und natürlich für Toleranz. Ich möchte noch auf einen wichtigen Aspekt eingehen, und zwar eine diversitätsorientierte Unternehmenskultur. Was bringt das genau? Hier nur einige Gesichtspunkte: Sie bringt Talentgewinnung und ‑bindung. Denn ein breites Spektrum von Talenten wird angeworben. Sie bringt Innovation und Kreativität. Denn unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Ideen mit. Deshalb können sie viel bessere und nachhaltigere Lösungen entwickeln. Damit komme ich zum nächsten Punkt, und zwar zur Entscheidungsfindung. Vielfältige Teams sind besser in der Lage, Entscheidungen zu treffen, weil sie unterschiedliche Perspektiven abwägen und deshalb andere und bessere Lösungsstrategien haben. Auch sehr wichtig ist ‑ es kam immer wieder ein bisschen hervor; ich möchte gern noch einmal darauf eingehen ‑ die globale Wettbewerbsfähigkeit. In einer globalisierten Welt, in der Unternehmen international agieren, ist es wichtig, dass auch die Belegschaft international ist, dass sie die kulturellen Unterschiede der unterschiedlichen Märkte kennt. Dazu tragen die Start Guides nämlich auch bei. Liebe Kolleg*innen, mit unserem Antrag wollen wir die Start Guides und die Welcome-Center strukturell und qualitativ weiterentwickeln, und zwar ‑ da folgen wir unserer Linie ‑ gemeinsam mit den regionalen Akteur*innen in den Fachbündnissen vor Ort. Wir wollen gemeinsam mit ihnen Qualitätsstandards entwickeln und gestalten. Methodisch soll es auch darum gehen, die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll zu nutzen, für onlinegestützte Workshops oder passgenaue Beratung von Betrieben. Vor diesem Hintergrund bietet unser Antrag nicht nur die Möglichkeit zur Etablierung einer strategischen Personalpolitik, sondern trägt er auch dazu bei, die Digitalisierung voranzubringen. Vielen Dank.
