Christoph Willeke
Eichenprozessionsspinner umweltfreundlich bekämpfen - Meisenbestand durch Nistkästen fördern!
Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe mit viel gerechnet in dieser Legislaturperiode, damit aber, dass ich Ihnen, Herr Dorendorf, einmal für eine sachlich-fachlich gute und differenzierte Darstellung gratulieren darf, habe ich nicht gerechnet. Ich kann mich Ihnen nur anschließen. Vielen lieben Dank. Grob gesagt, steht im Antrag Folgendes: Eichenprozessionsspinner sind Schädlinge für den Wald, besonders natürlich für unseren Eichenbestand. Zusätzlich ist der Eichenprozessionsspinner für einige Menschen besonders gefährlich. Daher wird vorgeschlagen, die Population der Meisen, die, wie richtigerweise schon erwähnt wurde, unter anderem Eichenprozessionsspinner fressen, durch Nistkästen zu unterstützen. Beschäftigt man sich allerdings mit der Meise, insbesondere mit der Blau- und mit der Kohlmeise, stellt man schnell fest: Die Meisen in diesem Land haben ein anderes Problem: das Bakterium Suttonella ornithocola, welches ein Meisensterben in ganz erheblichem Umfang bedingt. Ich bin großer Freund davon, die Mechanismen der Natur intelligent zu nutzen und zu steuern. Ich bin schließlich Landwirt. Und ja: Zur intelligenten Steuerung gehört auch oft, die natürlichen Prädatoren von Schädlingen zu fördern. Allerdings wurde uns im Ausschuss dargelegt, dass keine Erkenntnisse darüber vorliegen, dass das Aufstellen von Nistkästen eine zielführende Maßnahme gegen den Eichenprozessionsspinner ist. Sie haben gestern gesagt, Herr Dannenberg: An der Fachlichkeit orientieren! - Das tun wir. Wir sind verpflichtet, sparsam und vor allem wirksam mit Steuergeldern umzugehen. Ihre Forderung klingt ganz gut, einfach und auch eingängig. Aber sie bedeutet, dass wir Tausende von Meisenkästen finanzieren, von Personal aufhängen und auch reinigen lassen sollen, auch wenn das am Ende eventuell gar nicht gegen den Eichenprozessionsspinner hilft. Erklären Sie einmal den Bürgerinnen und Bürgern, warum wir ihr Geld für etwas verwenden, von dem nicht erwiesen ist, dass es hilft. Sie fordern ein staatliches freiwilliges Meldeportal für den Eichenprozessionsspinner, und im nächsten Atemzug fordern Sie hier im Landtag, dass Personal abgebaut wird und dass Kosten reduziert werden. Ich hoffe, Sie erkennen den Widerspruch. Sie sagen ja nicht einmal, was mit diesen Daten gemacht werden soll. Sie wollen einfach nur Daten sammeln. Aber ein solches Meldeportal kann doch kein Selbstzweck sein. Einen ganzheitlichen Ansatz kann ich Ihrem Antrag nicht entnehmen. Einen Praxisbezug und ein wissenschaftliches Fundament in einer Sachfrage kann ich Ihrem Antrag ebenfalls nicht entnehmen. Zur Wahrheit gehört: Der Eichenprozessionsspinner ist kein originäres Landesthema, sondern vor allem eine regionale Herausforderung, und es bedarf regional angepasster Aktionen. Dafür braucht es handlungsstarke Kommunen, verantwortungsvolle Försterinnen und Förster und gern auch Unterstützung durch das Ehrenamt, aber eben keine landesweiten Meldeportale. Wir lehnen Ihren Antrag ab. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
