Jonas Pohlmann
Wie treibt die Landesregierung die Transformation zu grünem Wasserstoff, Speicherung und Transport voran?
Jonas Pohlmann (CDU): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als „Frischling“ in diesem Hause habe ich mir sagen lassen, dass man von dieser Fragestunde nicht allzu viel erwarten sollte, (Beifall bei der CDU) dass es vor allem um ein gutes Marketing für den Minister oder auch darum geht, den Minister ein bisschen ins Schwitzen zu bringen. Herr Meyer, ich werde, auch wenn ich wieder viel Marketing gehört habe, jetzt nicht anfangen, Sie pauschal in die Enge zu treiben (Beifall bei der CDU - Lachen bei der SPD - Wiard Siebels [SPD]: Das wird Ihnen wahrscheinlich auch spielend gelingen! - Weiterer Zuruf: Er bibbert schon vor Angst!) - mal gucken! -, weil dafür die Debatte, wie grüner Wasserstoff seinen Beitrag zu einem klimaneutralen, sicheren und bezahlbaren Energiemix in Niedersachsen leisten kann, zu wichtig ist. Unsere Unternehmen scharren mit den Hufen. Die Treiber für grünen Wasserstoff sitzen eben nicht hier im Landtag, sondern vor Ort in den Betrieben und auch in den Hochschulen und Forschungszentren. Für sie müssen wir Anreize setzen, für sie müssen wir gezielte Förderungen unterstützen. Das hat in Emden, in Salzgitter, in Wilhelmshaven ganz gut geklappt und muss in ganz Niedersachsen klappen - wo sich auch in meiner Heimat, im Osnabrücker Land, Industrieunternehmen wie die GMH-Gruppe auf den Weg zu Green Steel gemacht haben, Verkehrsunternehmen im Güter- und Personenverkehr genau jetzt über ihre Antriebstechnologien der Zukunft entscheiden und sogar die Leute an den Bürgerstammtischen man glaubt es kaum sagen: Ey, Pohlmann, wann können wir loslegen? Wann werden wir Wasserstoffmodellregion? – Sie brauchen Unterstützung, sie brauchen Planungssicherheit, und sie brauchen vor allem Geschwindigkeit. Herr Meyer, Sie haben über flächendeckende Wasserstoffinfrastrukturen gesprochen: erneuerbare Energien, Elektrolysesysteme, Tankstellen. - Was fehlt noch? Transport/Transportinfrastrukturen. Denn irgendwie müssen die Moleküle ja von A nach B kommen. Und irgendwie müssen unsere Unternehmen auch in Zukunft mit Wasserstofffahrzeugen schnell und zuverlässig liefern können. Herr Meyer, Sie sagen, Wasserstoff sei eine der Lösungen im Schwerlastverkehr, die wir unbedingt für eine erfolgreiche Energiewende brauchen. - Haken dran, das finde ich gut. Die Grüne Jugend aber sagt in dieser Woche: Stoppt die Planung der neuen Autobahnen. Und - Zitat -: Wir werden das Projekt A 20 notfalls auch mit unserem körperlichen Einsatz zu verhindern versuchen. (Jörn Schepelmann [CDU]: Ja, so sind sie!) Puh, mein lieber Schwan, das tat weh! - Der Wirtschaftsminister wird sich über solche Aussagen gefreut haben; denn das ist genau das Gegenteil von Sektorkopplung, die Sie hier gerne betonen, das ist das Gegenteil von nachhaltiger Wirtschaftsförderung, das ist Inseldenken, das uns bei der Energiewende gerade nicht weiterbringt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU) Wenn wir den Turbo, den Markthochlauf für eine grüne Wasserstoffwirtschaft, jetzt gemeinsam zünden wollen, dann haben wir dafür gute Grundlagen. Die Norddeutsche Wasserstoffstrategie ist unter Bernd Althusmann in den letzten Jahren schon sehr konkret und greifbar geworden - mit Wasserstoffzügen im Nahverkehr, mit den gerade erwähnten Initiativen für grünen Stahl oder auch grünen Zement und einer LNG-Infrastruktur, die wir künftig auch für Wasserstoff nutzen wollen. Es sind schon 18 Wasserstoff-Hub-Standorte ermittelt und einfachere Genehmigungsverfahren auf EU-Ebene zumindest angemeldet. Wenn wir es jetzt noch schaffen, auch regionale Netzwerke für Wettbewerb und Innovation um effizienten grünen Wasserstoff anzuleiern, dann können wir wirkliche Wertschöpfung vor Ort organisieren. Klar ist auch: Grüner Wasserstoff als Speichertechnologie ist nur ein Bestandteil einer größeren Energieversorgungsstrategie und stellt uns nicht von der Pflicht frei, Investitionen in Netze, in Technologien und Infrastrukturen anzuregen. Im Übrigen, Herr Meyer, so, wie Sie gerade über die Wichtigkeit von Speichertechnologien, CO2-Einsparung und Technologieoffenheit gesprochen haben, habe ich Sie jetzt auch als Kämpfer für E-Fuels auf dem Zettel. (Beifall bei der CDU) Das heißt, es geht weiter ans Eingemachte, von mir aus auch gerne mit Turbo. Es wäre aber fatal, wenn der Turbo weiterhin nur ein Marketingbegriff bleiben würde, wenn wir Entscheidungen nur in Taskforces, in neue Parallelstrukturen verlagern, anstatt sie mutig zu treffen und stattdessen immer wieder Infrastrukturen infrage zu stellen. Wie war das im Wahlkampf? „Endlich machen“. Sehr gerne. Da sind wir dabei. Das ist prima. Aber bitte nicht „Infrastruktur endlich machen“. Schönen Dank. (Beifall bei der CDU)
