Dr. med. vet. Ingo Kerzel
Wale retten - unsere Meere besser vor Bedrohungen schützen
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ja, der Wal, der spuckte den Menschen Jonas aus. Ich glaube, er würde es heute noch mehr tun als damals. Doch damals war die Intention eine ganz andere, denn der Jonas hatte einen Auftrag zu erfüllen. Welchen Auftrag Herr Meyer zu erfüllen hat, das weiß ich bis heute nicht. Auch mit seinen ganzen Antworten, die er so gibt, ist es ziemlich weit hergeholt. Das geht dann auch noch in die persönliche Ebene hinein. Das muss man mal ganz doll hinterfragen, ob das so in Ordnung ist. Als ich das erste Mal diese Anfrage gelesen habe, fand ich das sehr grotesk und dachte als Erstes: Na ja, das ist wieder so eine typische Alibi-Anfrage: Wir bauen die Offshore-Windkraftanlagen in die Nordsee, und jetzt denken wir auch mal daran: Was macht denn der Schweinswal oder die ganzen anderen Wale so? - Aber das passt irgendwie nicht zueinander. Ich werde Ihnen das mal sagen. Momentan haben wir 500 m² Fläche an Windparks in der Nordsee. Das soll zukünftig in der AWZ bzw. EEZ, also in unserer Nähe, auf 3 500 km² Meeresfläche gesteigert werden. Man sollte sich mal wirklich fragen, ob man sich da noch hinstellen und behaupten kann: Ich schütze die Umwelt. - Nein, das kann man gar nicht mehr! Der Schutz der Meere und der Schutz der Wale an unserer Nordseeküste sind sehr wichtig. Die Nord- und auch die Ostsee stehen durch menschliche Aktivitäten unter erheblichem Druck. Der Zustand der Meere muss dringend verbessert werden. Das ist keine abstrakte Debatte, obwohl das hier zu einer abstrakten Debatte gemacht wird, sondern es betrifft ganz konkrete Lebensräume, die Artenvielfalt und auch die ökologische Stabilität unserer Küstenregion. Das Wattenmeer ist nicht nur Nationalpark, sondern auch UNESCO-Weltnaturerbe. Wir alle wissen, dass das mittlerweile sehr infrage gestellt wird und die Aberkennung droht. Unsere Heimat endet auch nicht direkt an der Waterkant. Das einzige Ökosystem ist zugleich zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Wer den Schutz von Walen und Meeren ernst meint, darf diese Gefährdung nicht relativieren, sondern muss wirksame Maßnahmen benennen und umsetzen. Dazu gehört natürlich auch, dass man mal sein Gewissen befragt: Wie weit nach draußen wollen wir noch mit den ganzen Offshore-Anlagen? Man hat jetzt schon festgestellt: Je weiter draußen diese Anlagen gebaut werden, desto schwieriger wird auch noch die Rettung. Deshalb muss eine Taskforce zum Beispiel für Hubschrauber eingesetzt werden. Industrieanlagen haben wir dann nicht nur auf dem Acker, wo wir sie in Niedersachsen schon jetzt sehen, sondern auch noch im Wasser, im Schelfmeer Nordsee. Wohin soll das noch führen? Das ist unfassbar! Es geht dabei nicht nur um einzelne Arten, sondern um zusammenhängende Lebensräume. Ich frage mich: Wie lange soll deren Wiederherstellung dauern, wenn sie erst einmal kaputtgemacht worden sind? Werden wir das noch erleben, oder soll die nächste Generation auch das noch ausbaden? Notwendig ist auch eine konsequente Bekämpfung von Müll und Geisternetzen. Da sind wir uns vollkommen einig. Aber die Maßnahmen dazu sind immer noch zu schwach. Leider haben Sie kaum Gesetze angegeben. Es gibt zum Beispiel das Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden Tierarten, die sogenannte CMS. Dazu gehören tatsächlich nicht nur Zugvögel, sondern auch die Wale. Dieses Übereinkommen wurde durch das ASCOBANS ergänzt, ein spezielles Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee. Diese bestehenden Strukturen zeigen: Meeresschutz kann gar nicht an der Landes- oder Staatsgrenze enden. Das funktioniert nur in einer koordinierten Zusammenarbeit. Deshalb ist die Kooperation mit den Anrainern, auch auf trilateralen Ministerkonferenzen, von besonderer Bedeutung. Sie muss abgestimmt, überprüfbar und verbindlich sein. Bezüglich der Offshore-Anlagen frage ich mich wirklich: Wird das Bundes-Immissionsschutzgesetz in der Praxis eingehalten, wenn da etwas mit irgendwelchen Rammen in den Meeresboden gerammt wird? Jeder fragt sich: Warum ist denn der Timmy so weit von seinem Weg abgekommen? Wie ist das möglich? ‑ Fragen können Sie später stellen. Solch eine Ramme ist 200 dB laut. Sie können sich ja einmal das Gehör eines Wals angucken. Es hat eine ganz feine Anatomie. Wale hören auch Geräusche unter 20 Hz und nutzen sie zur Kommunikation. Der Infraschall solcher Rammen beeinflusst Wale massiv. Wenn Sie sagen, dass die Offshore-Anlagen keinerlei Einfluss auf Wale haben, dann finde ich das mehr als stümperhaft. Sie können gerne einmal Tiermedizin studieren. Das kann ich nur empfehlen. Herr Dr. Kerzel, lassen Sie eine Zwischenfrage der Abgeordneten Hanisch zu? Von mir aus. Bitteschön, Frau Hanisch! Herr Dr. Kerzel,
