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Sophie Ramdor

CDU 26.06.2025 6:08 min Tagungsabschnitte 19/26

Die Zukunft der Medizin: geschlechtsspezifische Forschung und Versorgung stärken!

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir wollen eine Medizin, die für alle Menschen in diesem Land da ist - eine Medizin, die nicht den männlichen Körper als Norm betrachtet, sondern weiß, dass weibliche Organe anders funktionieren und auch die Reaktionen auf Medikamente unterschiedlich sind. Gleichberechtigung ist für uns mehr als Statistik und Quoten. Gleichberechtigung bedeutet für uns, dass nicht die eine Hälfte der Gesellschaft fehlerhafte Behandlungen und falsche Diagnosen erhält und ihre tagtäglichen Schmerzen nicht ernst genommen werden, weil kein Interesse oder Geld für die Forschung und die richtige Behandlung da ist. Mit diesem Antrag helfen wir Frauen in ihrem Alltag. Wir helfen ihnen dabei, dass sie nicht von Arzt zu Arzt ziehen und sich krankmelden müssen, weil sie keine Hilfe erhalten. Mit diesem Antrag gehen wir zwei Bereiche an. Wir müssen uns als Land auf der einen Seite generell mit den unterschiedlichen Symptomen und Behandlungen beschäftigen, um möglichst vielen Frauen, aber auch Männern in diesem Land zu helfen und ihnen die bestmögliche Medizin zu gewährleisten. Wir müssen das Thema in die Öffentlichkeit, aber vor allem verstärkt in den Alltag der medizinischen Berufe und der Wissenschaft bringen, damit die Problematik bekannter wird und sich mehr Menschen damit beschäftigen. Auf der anderen Seite müssen wir noch gezielter mit Erkrankungen umgehen, die noch zu wenig erforscht sind, aber Millionen von Frauen in diesem Land betreffen. Wir fordern deshalb, dass Niedersachsen mehr Verantwortung übernimmt und sich dafür einsetzt, dass geschlechtersensible Medizin in der Aus-, Fort- und Weiterbildung verbindlich verankert wird. Wer morgen diagnostiziert und behandelt, muss heute lernen, zu verstehen, wie unterschiedlich Krankheiten verlaufen können. Wir fordern, dass Hochschulen und Universitätskliniken gezielt bei der Beantragung von Fördermitteln im Bereich der Frauengesundheit unterstützt werden. Ein gutes Beispiel für diese Arbeit ist das Kompetenzzentrum für geschlechtersensible Medizin an der MHH. Dieses Zentrum hat das Potenzial, über Niedersachsen hinaus zu wirken. Aber dafür braucht es auch den politischen Willen, es weiter auszubauen - und diesen Willen bringen wir heute mit. Und wir gehen noch weiter: Weil wir wissen, dass Forschung der Anfang von Versorgung ist, sagen wir auch: Niedersachsen muss in der geschlechterspezifischen Ursachenforschung stärker werden sowie einen Lehrstuhl für Reproduktionsmedizin aufbauen diese Forderungen von der Basis wurden letzte Woche an der Frauenklinik der MHH unserem Fraktionsvorsitzenden Herrn Lechner erneut mitgegeben, insbesondere bei Krankheitsbildern wie Lipödem und Endometriose, die noch immer ein medizinisches Schattendasein führen, obwohl Millionen von Frauen davon betroffen sind. Allein Endometriose betrifft ca. 2 Millionen Frauen in diesem Land. Dabei sind die Zahlen sehr ungenau. Fachpersonen gehen davon aus, dass viel mehr junge Mädchen und auch Frauen davon betroffen sind, aber leider haben wir durch die fehlenden Diagnosen keine genauen Zahlen. Es ist eine Erkrankung, die durch die jahrzehntelange fehlende Forschung Schmerzen für Frauen bedeutet, die dabei oftmals nicht ernst genommen werden. Bis heute gilt Endometriose als einer der häufigsten Gründe für die Nichterfüllung des Kinderwunsches. Es darf und kann uns als Politik und Gesellschaft nicht egal sein, ob Frauen unter physischen und psychischen Schmerzen leiden und ob ihnen der Kinderwunsch durch fehlende Forschung verwehrt bleibt. Auch bei der chronischen Erkrankung Lipödem, von der fast jede zehnte Frau betroffen ist, sieht es nicht besser aus. Die Krankheit ist wenig bekannt und wird oftmals mit Adipositas verwechselt. Es ist eine Erkrankung, deren tägliche Schmerzen großen Einfluss auf den Alltag und die Berufsfähigkeit haben. Viele Frauen verschulden sich in ihrer Verzweiflung und gehen Behandlungen bei fragwürdigen Fachexperten ein. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung könnten das Fortschreiten des Lipödems aber aufhalten. Wir wollen, dass Betroffene nicht jahrelang im Ungewissen leben und von Arzt zu Arzt geschickt werden, ohne ernst genommen zu werden. Wir wollen, dass Selbsthilfegruppen, die oft die einzigen wirklichen Ansprechpartner vor Ort sind, die Anerkennung und Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Deshalb fordern wir, die Strukturen der Selbsthilfe zu stärken. Denn wer an Lipödem oder Endometriose leidet, findet oft zuerst in diesen Gruppen Unterstützung. Diese Gruppen sind Informationsquelle, Austauschplattform und Stütze im Alltag. Doch mit Selbsthilfe allein ist es nicht getan. Wir fordern, dass die medizinische Begutachtung bei Lipödem auf einem einheitlichen und qualifizierten Niveau durch fachkundiges Personal erfolgen muss. Auch im Bereich der Endometriose-Versorgung fordern wir, dass Beratungsleistungen angemessen vergütet werden. Eine gute Beratung darf nicht vom Idealismus des Behandelnden abhängig sein. Sie muss wirtschaftlich tragfähig und abrechnungsfähig sein - für die Kliniken, für die niedergelassenen Gynäkologen und für den Hausarzt. Denn beide Erkrankungen betreffen nicht den Körper, sie betreffen das ganze Leben. Meine Damen und Herren, schauen wir auf Schweden oder Kanada - Länder, die längst vorgemacht haben, wie geschlechtergerechte Medizin Leben rettet. Wir als Land Niedersachsen müssen hier vorangehen und wichtige Themen auch auf Bundesebene anschieben und vor allem öffentlich machen, denn es geht hier um die Gesundheit unserer Bevölkerung. Nur dann, wenn wir die mediale Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken, wenn wir es aus dem Schattendasein herausholen, haben wir eine Chance, dass sich der Alltag der Menschen verbessert und wir langfristig etwas ändern können. Um dies zu erreichen, brauchen wir ein Umdenken in Forschung, Lehre und Praxis, und wir brauchen es jetzt. Denn mit jeder Verzögerung, mit jeder unterlassenen Behandlung und mit jeder nicht gestellten Diagnose verlieren wir Vertrauen - Vertrauen in eine Medizin, die gerecht sein will, aber es doch nicht ist. Es geht um ein zentrales Prinzip guter Gesundheitsversorgung. Jeder Mensch soll nach seinem individuellen Bedarf behandelt werden. Deshalb hoffe ich im Ausschuss auf eine konstruktive und ehrliche Beratung. Vielen Dank.

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