Marie Kollenrott
Das deutsche Wasserstoffkernnetz entsteht: WAL I und SEAL-Trasse jetzt möglich machen!
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleg♪innen! Sehr geehrte Damen und Herren! Auf Kommando springen, liebe Frau Kollegin, werden wir wohl eher nicht. Das müssen wir aber auch nicht. Wir sind ja schon längst im Spiel. Wasserstoff ist ein unverzichtbarer Teil einer erneuerbaren Zukunft, ganz ohne Frage. Das Vorantreiben eines Wasserstoffkernnetzes, das die wichtigen Bausteine Wasserstoffimport und Wasserstoffspeicherung beinhaltet, ist wichtig und richtig. Selbstverständlich gehören auch die Anbindung des Importterminals Wilhelmshaven und des Speichers Etzel dazu. Die in Ihrem Antrag benannte Leitung WAL I ist zwar grundsätzlich für den Wasserstofftransport geeignet, jedoch wird die Leitung ‑ das wissen Sie, glaube ich, auch ‑ derzeit noch für den Transport von Erdgas benötigt. In Zeiten der Gaskrise kann eine wichtige Gasleitung nicht leichtfertig zwecks Umstellung auf Wasserstoff aus dem Betrieb genommen werden. Gleichzeitig tun Sie recht daran, die Frage der Anbindungsleitung der in Planung befindlichen großen Wasserstoffprojekte auf die Tagesordnung zu setzen. Wir können es uns nicht leisten, die Planung der Wasserstoffimportstruktur auf die lange Bank zu schieben. Doch wir müssen die Menschen mitnehmen und auch mit Akteuren vor Ort debattieren, wie der Übergang von Erdgas auf Wasserstoff möglichst reibungslos gelingen kann. Ihr Antrag greift also dieser wichtigen Debatte vor. Außerdem greift es meiner Ansicht nach zu kurz, sich allein auf wenige Leitungen und Projekte zu fokussieren. Ich halte es geradezu für notwendig, den Blick zu erweitern und auf die Planung eines Gesamtnetzes zu schauen. Wir müssen dabei nämlich vom Ende her denken. Welche Unternehmen werden zukünftig Wasserstoff benötigen? Welche Orte sind als Produktionsstandorte für erneuerbaren Wasserstoff geeignet? Wir müssen Energietransport integriert denken, die Planung eines erneuerbaren Stromnetzes mit dem eines Wasserstoffnetzes verknüpfen. Zukünftig gilt: Die primäre Energieform ist die direkte Stromnutzung, da sie viel effizienter ist und wir den Strom selbst und ohne Abhängigkeit vom Ausland klimafreundlich herstellen können. Wasserstoff wird jedoch überall dort benötigt, wo Strom nicht eingesetzt werden kann, bei Hochtemperaturprozessen in der Industrie, stofflichen Anwendungen in der Chemiebranche und nicht zuletzt als Langzeitspeicher für den überschüssigen Strom eines volatilen erneuerbaren Netzes. Wo sind Potenziale, wo sind Bedarfe? Das Land ist in der Verantwortung, bei der Planung voranzugehen. Es darf nicht passieren, dass Unternehmen Standorte schließen müssen, weil keine geeignete Strom- oder Wasserstoffanbindung vorhanden ist. Das gilt für ganz Niedersachsen. Ganze Regionen als Wasserstoffdiaspora zu denken, würgt meines Erachtens wirtschaftliche Entwicklung in einem Ausmaß ab, das wir jetzt noch gar nicht absehen können. Der Blick auf das Gesamtnetz ist auch deshalb wichtig, weil es bei der ökologischen Transformation der Energienetze eine akute Gefahr gibt, abgehängte Räume zu schaffen. Wir erleben in den neuen Bundesländern, was geschieht, wenn sich ganze Regionen abgehängt fühlen. Das erschreckende Erstarken einer Partei, deren faschistische Züge immer offener zur Schau getragen werden, und wie dieser mit unhaltbaren Argumenten die Tür geöffnet wird, ist Mahnung genug. Man denke an gestern. In der ökologischen Transformation müssen wir daher Sorge tragen, dass die Menschen in allen Regionen teilhaben und profitieren. Eine gute Planung einer erneuerbaren Energieversorgung ist hierbei eine der wichtigsten Grundlagen. In diesem Kontext freue ich mich über die Stellungnahme, die unser Umweltministerium gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium schon Ende Juli an das BMWK geschickt hat. Darin wurde eine weitere Verstärkung des geplanten Netzes angemahnt, beispielsweise durch Erschließungsleitungen in Nordwest-Südost-Richtung oder auf der Achse Bremen–Berlin. Außerdem wurde um eine Überprüfung und Aktualisierung des Wasserstoffszenarios für eine ganze Reihe niedersächsischer Landkreise und Städte gebeten, für Cuxhaven, Schaumburg, Celle, den Heidekreis, Goslar, Göttingen, Peine, Osterholz, Helmstedt, Holzminden, Braunschweig, Nienburg, Uelzen und meine liebe Stadt Göttingen. Sie sehen, wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, bis wir eine für alle Regionen zufriedenstellende Planung haben, und wir sind auf den Bund angewiesen. Liebe Kolleg♪innen der CDU, ich begrüße ausdrücklich Ihre Initiative. Lassen Sie uns gemeinsam an ihr weiterarbeiten, im Sinne der Nachhaltigkeit, im Sinne des Klimaschutzes, im Sinne der Prosperität unserer Wirtschaft. Vielen Dank.
