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Nicolas Breer

GRÜNE 17.04.2024 4:29 min Tagungsabschnitte 19/15

Ein Arbeitsmarkt für alle: Ausgleichsabgabe für mehr Inklusion in Betrieben nutzen

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Kollege Uhlen, sehen Sie es mir bitte nach, dass ich jetzt nicht über die Werkstätten reden werde, sondern den Schwerpunkt auf etwas anderes lege. Als Mitglieder des Landtages werden Sie bekanntlich zu Veranstaltungen wie Bürgerempfängen, Parlamentarischen Abenden oder auch einmal zu einer Familienfeier eingeladen. Vermutlich gibt es da auch hin und wieder Berührungspunkte zu Themenfeldern, mit denen Sie sich nicht ganz so gut auskennen. Da dies nicht auf den Bereich der Menschen mit Behinderungen zutreffen soll, möchte ich Ihnen heute exklusives Wissen mit auf den Weg geben. Wussten Sie beispielsweise, dass in Deutschland 7,8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung leben, von denen die Hälfte in der Altersgruppe zwischen 55 und 74 Jahren vorzufinden ist? Um das kurz ins Verhältnis zu setzen: In Niedersachsen leben aktuell ca. 8,1 Millionen Menschen. Damit hätten wir auch die Einwohnerzahl Niedersachsens einmal aufgefrischt. Klingt das interessant? Da geht noch ein bisschen mehr. Wussten Sie, dass die meisten Behinderungen im Laufe des Lebens entstehen? Nur etwa 3 % der Behinderungen sind angeboren oder treten im ersten Lebensjahr auf. Über 90 % der schweren Behinderungen werden durch eine Krankheit verursacht. Oder wussten Sie, dass die Gruppe der arbeitslosen Schwerbehinderten deutlich besser qualifiziert ist als die Gruppe der arbeitslosen nicht behinderten Menschen und dass die Arbeitslosenquote bei Menschen mit schweren Behinderungen bei 10,8 % liegt und damit noch deutlich höher ist als bei den Menschen ohne Behinderungen? Daraus ließe sich doch ein Entschließungsantrag machen! Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben in Deutschland einen Fachkräftemangel, welchen wir selbstverständlich durch diesen Entschließungsantrag alleine nicht beheben werden. Dennoch ist es wichtig, alle vorhandenen Potenziale zu nutzen, um dem entgegenzuwirken. Vor einigen Wochen war ich bei dem Unternehmen GDA GmbH in Haren an der Ems zu Besuch. Im Emsland gibt es viele schöne Unternehmen. Schön, dass auch Sie im Emsland waren, Herr Uhlen. Die GDA ist ein Dienstleister im Handwerk rund um Immobilien, Innenräume und Außenanlagen. Der Geschäftsführer des Inklusionsunternehmens, Herr Rolfes, stellte mir dort Teile seines Teams vor. Zu diesem Team gehört unter anderem Brigitte. Brigitte ist 61 Jahre jung und seit elf Jahren in dem Unternehmen tätig. Aufgrund ihrer Schwerhörigkeit ist sie in der Kommunikation mit Kunden und Kollegen stark eingeschränkt. Sie fällt somit in den Personenkreis der Menschen mit Behinderungen. Brigitte arbeitet im Bereich Raum und Gestaltung und führt dort sämtliche Maler- und Fußbodenarbeiten durch. Gerade aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Umgangs mit anderen Kollegen wird Brigitte als wertvolle Mitarbeiterin geschätzt. Es gibt gute Beispiele wie dieses, dass Unternehmen Fachkräfte auf sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen beschäftigen. Gerade deshalb möchten wir den Zugang zum Arbeitsmarkt für qualifizierte Menschen mit schweren Behinderungen weiter vereinfachen. Denn nur, weil jemand in irgendeiner Weise eingeschränkt ist, heißt es noch lange nicht, dass das Ergebnis der Arbeit darunter leidet. Besonders hervorheben möchte ich deshalb den zweiten Punkt unseres Entschließungsantrags: die Förderung des Ausbaus von Inklusionsbetrieben durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkbildung in Kooperation mit der NBank. Denn um Vorurteile abzubauen, müssen wir mögliche Berührungspunkte reduzieren und Begegnungen schaffen. Lassen Sie uns für Menschen wie Brigitte den Zugang zum Arbeitsmarkt weiter vereinfachen! Ich freue mich auf die konstruktive Beratung im Ausschuss und bin mir sicher, dass Sie mit dem heutigen Wissen beim nächsten Parlamentarischen Abend glänzen werden. Herzlichen Dank.

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