Katharina Jensen
Dem Auftreten von klimabedingten Pflanzenkrankheiten angemessen begegnen - Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade entwickeln
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute beraten wir abschließend über die Schilf-Glasflügelzikade. Nach dieser Beratung kann hoffentlich fast jeder dieses Wort aussprechen. Viele werden sich aber vielleicht fragen, was das ist. Unter Agrariern ist die Schilf-Glasflügelzikade als Überträger von Bakterien, die Stolbur oder auch das sogenannte SBR-Syndrom auslösen, bekannt. Man kennt sie auch als Verursacher der sogenannten Gummirübe im Zuckerrübenanbau. Ist die Rübe infiziert, drohen Ertragseinbußen von bis zu 50 %, geringere Zuckergehalte und erhebliche Probleme in der Verarbeitung. Auch Kartoffeln und weitere Gemüsearten sind betroffen - Ergebnis sind massive Qualitäts- und Ertragseinbußen. Wir haben es gerade schon gehört: Die Zikade ist auf dem Vormarsch. Deshalb: Wir reden nicht nur über ein theoretisches Problem, sondern über eine ganz konkrete Gefahr für einen zentralen Teil der niedersächsischen Landwirtschaft, für Kartoffeln, Zuckerrüben und auch Gemüse. Genau deshalb hätte ich nach den intensiven Beratungen, die wir im Ausschuss dazu durchgeführt haben, mehr erwartet. Ich hätte mir gewünscht, dass in den Antrag einfach noch mehr einfließt. Dieser Antrag bleibt aus meiner Sicht hinter den Erwartungen und hinter dem, was die Praxis derzeit braucht, zurück. Wir hatten eine Anhörung und eine Unterrichtung, wir hatten Hinweise aus Wissenschaft und Praxis. Wie gesagt: Vieles ist nicht eingeflossen. Dies ist ein Antrag ohne kurzfristig wirksame Maßnahmen, ein Antrag, der wie es oft bei Ihnen der Fall ist eher im Prüfauftragsmodus bleibt. Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben hier kein Erkenntnisproblem, und wir müssen den betroffenen Landwirten kurzfristig ein Werkzeug an die Hand geben. Ja, und da spreche ich dann auch vom chemischen Pflanzenschutz. Im Antrag wird auf die Zulassung von neonicotinoidfreien Pflanzenschutzmitteln gesetzt, obwohl derzeit nahezu keine praxistauglichen und gut wirksamen Mittel zur Verfügung stehen. Ziel muss also sein, dass wir aus den Notfallzulassungen herauskommen und zu regulären Zulassungen kommen, um so die Neonics wieder in Einsatz bringen können. Da dies aber Jahre in Anspruch nehmen würde, rennt uns schlicht und einfach die Zeit weg. Die Expertenanhörungen haben deutlich gemacht: Wir brauchen einen breiten Werkzeugkasten. Dazu gehören, wie gerade genannt, die Insektizide im Bestand, aber auch der Einsatz von Beizen, um die Nymphen im Boden zu bekämpfen. Praxisversuche zeigen, dass die Saatgutbeize bei der Bekämpfung der Nymphen erhebliche Wirkung erzielen kann - wir sprechen von bis zu 80 %. Das heißt natürlich nicht, dass das die alleinige Lösung ist. Aber es heißt: Wer heute jede wirksame Maßnahme aus ideologischen Gründen ausschließt, lässt die Betriebe mit dem Problem allein, riskiert massive Einbußen entlang der Wertschöpfungskette vom Feld bis in die Industrie. Und genau das passiert hier. Stattdessen verweist die Landesregierung auf Fruchtfolgen, auf Schwarzbrache. Aber wer Schwarzbrache empfiehlt, muss auch ehrlich sagen, wie das mit GLÖZ 6 zusammenpassen soll, wenn die Fläche nicht mit mindestens 80% Grün im Bestand in den Winter geht. Die Betriebe bekommen zusätzliche Zielkonflikte, mehr Bürokratie und neue Unsicherheiten. Und ausgerechnet dieselbe Landesregierung, die angekündigt hatte, sich für Änderungen bei GLÖZ 6 starkzumachen, bleibt an dieser Stelle bemerkenswert still. Langfristig brauchen wir natürlich auch neue Züchtungsmethoden und resistentere Sorten. Dafür hat sich die CDU immer schon stark gemacht, und auch in dieser Legislatur haben wir uns dafür besonders eingesetzt. Dies braucht aber da muss man ehrlich sein 10 bis 20 Jahre. Natürlich müssen wir Forschung stärken - auch das ist selbstredend. Wir müssen aber auch bereit sein, die Erkenntnisse, die in Süddeutschland schon vorhanden sind, zu nutzen. Deshalb braucht es jetzt einen realistischen Ansatz: Pflanzenschutz, Beize, Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Standortwahl und Innovation. Dabei gilt: Nicht Entweder-oder, sondern: alles, was wirkt. Denn eines muss jedem klar sein: Wenn sich die Schilf-Glasflügelzikade in Niedersachsen flächendeckend etabliert, dann reden wir das, lieber Kollege, haben Sie gerade auch gesagt nicht von einem regionalen Problem, dann reden wir über einen wirtschaftlichen Schaden für ein Agrarland, das von Kartoffeln, Zuckerrüben und Sonderkulturen geprägt ist. Die Praxis braucht keine Aufklärungskampagnen, wie im Antrag gefordert, sondern eine Landesregierung, die sich zur niedersächsischen Landwirtschaft bekennt. Verehrte Kollegen von SPD und Grünen, genau dieses Signal bleibt aus meiner Sicht dieser Antrag schuldig. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Vielen Dank, Frau Kollegin Jensen. - Als Nächstes hat
