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Sophie Ramdor

CDU 07.11.2024 6:27 min Tagungsabschnitte 19/20

Leben retten macht Schule - Wiederbelebungsunterricht als fester Bestandteil im Lehrplan

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Heute sprechen wir über einen Antrag, der eine klare Botschaft trägt: Leben retten sollte Selbstverständlichkeit werden, und das bereits in jungen Jahren. Deshalb haben wir als CDU-Fraktion vor über einem Jahr einen entsprechenden Antrag in den Kultusausschuss eingebracht. Wir begrüßen es sehr, dass SPD und Grüne und die Landesregierung uns bei diesem wichtigen Thema nun folgen. Die Kenntnisse zur Wiederbelebung sind ein wichtiger Bestandteil des Allgemeinwissens. Die Verankerung in der Schule wird seit Langem von Hilfsorganisationen wie den Johannitern und den Maltestern, aber auch von der Ärzteschaft, etwa in Form des Marburger Bundes, gefordert. Unser Ziel als CDU-Fraktion war und ist es, Wiederbelebung im Lehrplan unserer Schulen zu verankern und dass sie spätestens ab der 7. Klasse in den Fächern Biologie und Naturwissenschaften unterrichtet wird. Die Schülerinnen und Schüler sollen zukünftig nicht nur die bereits festgeschriebenen Inhalte wie die Atmung oder den Blutkreislauf abstrakt kennenlernen, sondern das Wissen über die Wiederbelebung aktiv zum Beispiel in einer Doppelstunde anwenden können. Mit der Verknüpfung des aktiven Inhalts lernen sie, dass die Schule nicht nur abstraktes Wissen vermittelt, das im nächsten Test abgefragt wird, sondern dass sie das Schulwissen aktiv in ihrem Alltag nutzen und damit sogar Leben retten können. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass 65 % aller Herz-Kreislauf-Stillstände im häuslichen Umfeld passieren. Das Wissen aus der Schule über das richtige Eingreifen rettet im Notfall das Leben der Liebsten. Bei der Einführung ist uns als CDU-Fraktion wichtig, dies auf eine Art und Weise zu tun, die die Belastung der Lehrkräfte gering hält und die Vermittlung so unkompliziert wie möglich macht. Wir wollen nicht, dass die Lehrkräfte Zertifikate zur Reinigung von Beatmungsmasken erwerben oder dass sie Fortbildungen besuchen müssen, obwohl sie bereits alle drei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Deshalb fordern wir die Vermittlung von Wiederbelebung nur mit Drücken - eine Forderung, welche der Deutsche Rat für Wiederbelebung bereits 2015 in seine Leitlinien aufgenommen hat. Dies tun wir zudem vor dem Hintergrund, dass jedes Jahr weltweit Millionen Menschen an einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand sterben. Auch wenn die Ursache oft unerwartet und plötzlich ist, wissen wir: Bei einer rechtzeitigen und gut durchgeführten Wiederbelebung steigen die Überlebenschancen erheblich. Die Umsetzung in Schweden hat gezeigt, dass Grundkenntnisse der Wiederbelebung bei Laien die Überlebensrate bei Herzstillständen fast verdoppelt haben. Im Notfall ist es entscheidend, dass gedrückt wird und man als Laie handeln kann. Aber warum sollten wir ausgerechnet Schülerinnen und Schüler in diesen lebensrettenden Maßnahmen schulen? Ganz einfach: Je früher diese Kenntnisse vermittelt werden, desto sicherer werden sie verankert und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Ernstfall schnell und kompetent zu handeln. Internationale Organisationen wie beispielsweise die WHO empfehlen dringend, Wiederbelebungskompetenzen bereits in der Schule zu verankern. Diesem Ruf folgen wir. Auch bei der Altersklasse folgen wir den Experten. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin hat über fünf Jahre untersucht, ab welchem Alter Wiederbelebung erfolgreich und nachhaltig vermittelt werden kann, und kam zu dem Ergebnis: ab dem Jahrgang 7, also dem Sekundarbereich I. Bei der Wissensvermittlung können wir auf bestehende Programme und Kooperationen aufbauen. In Niedersachsen gibt es bereits Schulsanitätsdienste. Das sind gute Ansätze, aber sie sind nur ein Anfang, und sie erreichen nicht flächendeckend alle jungen Menschen. Damit die neuen Inhalte flächendeckend und qualifiziert vermittelt werden können, müssen den Schulen zudem geeignete Materialien und Lernhilfen zur Verfügung gestellt werden. Die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit erfahrenen externen Organisationen, die bereits Schulungsprogramme und ‑material entwickelt haben, muss genutzt werden. Erste Angebote dazu gibt es bereits. So hat der Marburger Bund der Landesregierung seine Expertise erst im September wieder öffentlich angeboten. Für die Hilfsorganisationen, das weiß ich, gilt dasselbe. Durch die Einbindung erhalten die Schulen nicht nur fundierte, sondern auch praxisorientierte Materialien, die Lehrkräfte im Unterricht ohne weitere Schulung verwenden können. Wir müssen das Rad hier nicht neu erfinden, wir müssen nur aktiv werden. In diesem Jahr wurden zudem die Wochen der Wiederbelebung an den Schulen ausgerufen. Darüber, wie erfolgreich der erste Durchlauf am Ende insgesamt war und was man im nächsten Jahr vielleicht anders machen muss, können wir im Kultusausschuss noch diskutieren. Aber der generelle Ansatz, das Thema jährlich erneut ins Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu rufen, ist positiv und stärkt die Kooperation mit den Hilfsorganisationen. Auch die Kleinsten im Schulsystem nehmen wir in den Blick. Das erfolgreiche EU-Projekt Lifeforce zeigt, dass bereits Grundschulkinder mit Wiederbelebungstechniken vertraut gemacht werden können. Diese Erfahrungen können auch in Niedersachsen gute Impulse liefern, indem wir solche Konzepte im Ganztagsbereich unserer Grundschulen einführen und dort aufbereiten. Wir wecken damit bei den Jüngsten ein Bewusstsein für die Bedeutung der Ersten Hilfe und legen den Grundstein für eine Kultur des Helfens. Es geht in diesem Antrag nicht nur um die Wissensvermittlung, sondern auch darum, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Wir stärken das Bewusstsein und die Fähigkeit, im Ernstfall wirksam und souverän handeln zu können, und bringen junge Menschen in Kontakt mit dem Ehrenamt. Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass sich die regierungstragenden Fraktionen uns bei diesem wichtigen Thema nicht nur angeschlossen haben, sondern alle unsere Punkte aus dem vor einem Jahr eingereichten Antrag übernommen haben. Wir als CDU-Fraktion stehen Ihnen auch zukünftig mit unserer fachlichen Expertise gerne zur Verfügung und schlagen Themen vor, die wir gemeinsam mit der Regierung umsetzen können. Mit diesem Antrag legen wir gemeinsam den Grundstein für ein Niedersachsen, in dem die Fähigkeit zur Wiederbelebung zur Selbstverständlichkeit wird - ein Niedersachsen, in dem Leben retten Teil der Allgemeinbildung ist. Denn ein besseres Niedersachsen ist machbar. Vielen Dank.

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