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Katharina Jensen

CDU 22.02.2023 6:31 min Tagungsabschnitte 19/5

Keine Exoten in Zirkussen - Tierhaltung und -transportbedingungen weiter verbessern

Katharina Jensen (CDU): Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Hereinspaziert, hereinspaziert! Der Zirkus ist auch heute noch, lange nach seiner Entstehung in der Antike und seiner Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts, nicht abgemeldet. Das zeigen die gut 300 Zirkusunternehmen in Deutschland, die sich trotz etlicher Konkurrenz durch ein wachsendes Kultur- und Freizeitangebot behaupten müssen. Manche von ihnen haben eine sehr lange Geschichte - wie der Circus Krone, dessen Ursprünge auf das Jahr 1870 zurückgehen. Sogar die Weltwirtschaftskrise, die Verfolgung von Juden und Reisenden sowie Beschlagnahmungen im Zweiten Weltkrieg konnten den Zirkus nicht dauerhaft zum Erliegen bringen. Heute sind steigende Kosten, diverse Auflagen sowie oftmals das Nichtvorhandensein von Rast- und Stellmöglichkeiten Herausforderungen, denen sich diese Unternehmen stellen müssen. Die Zirkusunternehmen unterschiedlicher Größe reisen mit viel Personal, Material und Tieren. Zirkus ist Teil der europäischen Kulturgeschichte. Das steht außer Frage und wurde mit einer Entschließung des Europäischen Parlaments in Brüssel 2005 bekräftigt. Die EU-Kommission sollte Schritte einleiten, die darauf abzielen, Zirkus als Teil der Kultur Europas anzuerkennen. Zirkus gehört zu unserer Kultur, Zirkus gehört auch zu unserer Geschichte, und Zirkus entwickelt sich fortlaufend, genauso wie jede unternehmerische Branche. Dies habe ich soeben geschildert. Die Haltung von Tieren exotische oder heimische ist an Haltungsstandards gebunden, geregelt im Tierschutzgesetz. Um die besonderen Anforderungen an Zirkusbetriebe zu berücksichtigen, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium dazu im Jahr 2000 Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben entwickelt. Wer gewerbsmäßig Wirbeltiere zur Schau stellen oder für solche Zwecke zur Verfügung stellen will, bedarf einer Erlaubnis. Hierfür muss die Sachkunde ebenso nachgewiesen werden wie geeignete Räume und Einrichtungen. In der Praxis sieht das so aus, dass jeder Zirkus, sobald er eine neue Stadt oder Gemeinde besucht, vom zuständigen Kreisveterinär kontrolliert wird. Kontrolle ist richtig, Kontrolle muss sein, aber bitte mit Verstand. Zudem ist gesetzlich vorgeschrieben, dass mindestens einmal im Jahr der Amtsveterinär zur Kontrolle in den Zirkusbetrieb kommt. Da die Zirkuswelt ebenso wie die anderen tierhaltenden Betriebe stets stark unter Beobachtung steht von den Behörden, - aber auch von der Gesellschaft und den Medien -, werden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz mit Sicherheit bekannt. Deswegen frage ich mich, wieso das Zirkusgewerbe, wie in diesem Antrag formuliert, wieder unter Generalverdacht gestellt wird. (Beifall bei der CDU und bei der AfD) Wieso ist man sich sicher, dass die in Deutschland nicht heimischen Tiere im Zirkus Leid ausgesetzt sind? Wieso unterstellt man Verhaltensstörungen und physische Erkrankungen? Wieso geht man davon aus, dass viele der gehaltenen Tiere alleine durch den Kontakt mit den Menschen bereits gestresst sind? - Ja, ich gebe zu: All das kann passieren und ist möglich. Trotzdem sollte man sich doch auf Daten und Belege beziehen wie die Forschungsarbeiten der Wildtierärztin Frau Dr. Alexandra Dörnath. Denn Zirkustiere in Deutschland sind nicht schutzlos. Genau aus diesem Grund haben wir ja das Tierschutzgesetz, Leitlinien für Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben sowie das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. In diesem Punkt stimme ich dem Antrag übrigens zu. Die im Säugetier-Gutachten beschriebenen Haltungsbedingungen für Tiere in Zirkussen sollten gesetzlich vorgeschrieben werden, so wie es in den Nutztierhaltungsverordnungen auch der Fall ist. Hier sollten für alle tierhaltenden Unternehmen ähnliche Vorgaben gelten. Einer Tierschutz-Zirkusverordnung ist also erst mal nicht zu widersprechen. In einem Punkt jedoch widerspreche ich dem Ansinnen von Rot-Grün: Ich bin gegen ein Haltungsverbot. Ich bitte Sie, es gibt große Zirkusse wie den eingangs von mir erwähnten Circus Krone. Diese halten exotische Tiere, u. a. Tiger und Löwen. Genannter Zirkus ist der größte Zirkus der Welt und steht damit unter dem Brennglas der Öffentlichkeit. Heißt: Einen Tierschutzskandal kann sich solch ein Unternehmen nicht leisten. Auf der anderen Seite haben wir die kleinen Wanderzirkusse, deren Programm in der Regel aus Akrobatik, Clownerie, Hunde- und Pferdedressur besteht - weit und breit keine Exotik. Bevor hier also blind gegen die Institution Zirkus geschossen wird, wäre es angebracht, funktionierende Beispiele zu nutzen, um anderen Zirkussen entsprechende Vorgaben zu machen, aber ebenso dafür zu sorgen, dass sie diese auch erfüllen können. Helfen Sie also dem europäischen Kulturgut Zirkus, weiterhin ein Leuchten in Familienaugen zu entfachen! Nutzen Sie die Kontrollkompetenzen des LAVES und der Veterinärämter, anstatt immer nur zu verbieten! Liebe Kolleginnen und Kollegen von SPD und Grüne, Sie bitten die Landesregierung darüber hinaus, sich auf Bundesebene für ein Verbot zur Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben und Tierschauen einzusetzen. Aha, also kommt nach dem Zirkus der Zoo! Darf ich mir mit meinen Kindern künftig keine Erdmännchen mehr im Zoo ansehen? Das sind ja schließlich auch Wildtiere. Kommt es aber hier zu keinem Verbot, hätte ich noch einen Vorschlag: Vielleicht könnten dann verstärkt Wölfe im Zoo gehalten werden - eindeutig heimisch in Deutschland mit mindestens 39 Rudeln allein in Niedersachsen. Das hätte auch den Vorteil, dass unser Weidevieh dann durch wirklich wolfssichere Zäune geschützt wäre. (Beifall bei der CDU und bei der AfD) Reden wir aber von Zirkussen, so reden wir von Unternehmen, die nun mal Gewinne erzielen müssen. Die Nachfrage bedingt das Angebot, und damit gilt: Solange die Besucher Tiger und Co. sehen wollen, werden die Zirkusse sie auch zeigen ganz nach dem Motto „Eure Gunst unser Streben“. Am Ende entscheidet wie so oft der Bürger. Nach einer Umfrage der Nordwest-Zeitung aus der vergangenen Woche mit dem Titel „Sollten Tiere im Zirkus auftreten?“ haben 62 % der Befragten gesagt: Ja, warum nicht? - Liebe Landesregierung, schenkt den Bürgern und den Tierhaltern doch etwas Vertrauen! Danke schön. (Beifall bei der CDU und Zustimmung bei der AfD)

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