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Alfred Dannenberg

AfD 09.11.2023 5:20 min Tagungsabschnitte 19/11

Direktvermarktung und regionale Wertschöpfung stärken - zukunftsfähige Landwirtschaft für Niedersachsen

der AfD kommt vom Abgeordneten Dannenberg. Bitte schön! Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Hier liegt ein wohlfeiler Antrag auf dem Tisch. Regionalität und Transparenz, weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, mehr Wertschöpfung vor Ort und hofnahe Schlachtungen - klingt alles super. Doch bitte eine Verortung im Gesamtbild! Extra dafür habe ich mir auch eine Minute mehr genommen. Ich habe diesen Antrag mal mehreren Direktvermarktern aus der Landwirtschaft gezeigt. „Alfred, die Leute haben schlicht und einfach kein Geld mehr!“ Das war die häufigste Aussage. Leider. Denn die Erzeugnisse in einem Hofladen sind ganz überwiegend teurer als im Supermarkt. Grob über den Daumen gerechnet: 60 % der Konsumenten sind durch die allgemeine Teuerung ‑ ich nenne das auch „Grünflation“ ‑ finanziell so angespannt, dass sie gar nicht anders können, als beim Discounter zu kaufen. Bleiben 40 %. Von denen ist aber nur circa die Hälfte bereit, mehr für das Essen zu bezahlen als unbedingt nötig. Die Hälfte von 40 % sind 20 %. 20 % - das ist die potenzielle Größe der Nische, über die wir hier reden. Das Verbraucherverhalten gibt das so vor. Aber Sie wollen diese Nische ‑ Zitat aus Ihrem Antrag ‑ „in Zukunft zu einer tragfähigen Einkommensquelle der bäuerlichen Betriebe“ ausbauen. - Na super! Werte Kollegen, das lässt sich doch gar nicht beliebig ausdehnen. Seit einem Jahr bin ich jetzt hier im Landtag und erlebe die rot-grünen Ideen zur Landwirtschaft. Wissen Sie, was ich so irre finde? - SPD und Grüne scheinen tatsächlich an all das zu glauben, was sie hier auf den Tisch legen. Sie glauben an vermeintlich zahlreiche exotische Tiere in niedersächsischen Zirkussen, die es aber gar nicht gibt. Sie glauben an den florierenden Hanfanbau im ehemaligen Schweinestall - wenn die Spaltenböden oder Ferkel-Flatdecks nicht schon zum Kindergarten umgebaut sind. Sie glauben, dass die paar Euro Gebührensenkung für die Fleischbeschau in der kleinen Landschlachterei der Rettungsanker wären - als wenn es die überbordende Bürokratie, den schwindenden Kaufkraftverlust der Kunden und die gestiegenen Material- und Energiepreise nicht gäbe. SPD und Grüne glauben an die vermeintlich miese Erntebilanz in diesem Jahr, wo es, insgesamt betrachtet, aber doch eine gute Ernte war. Sie glauben an Weidezäune, die man nur noch ein bisschen höher bauen muss, dann halten sie aber auch wirklich die Wölfe ab - wenn Herdenschutzhunde dabei sind und nicht irgendwo ein Grashalm drankommt und den Strom ableitet. Ach ja, und ein Untergrabeschutz muss auch noch da sein, aber dann funktioniert das ganz bestimmt! Genug der Beispiele, an was Sie alles glauben! Die andere Möglichkeit ‑ jetzt kommt die andere Möglichkeit ‑ wäre ja, dass Sie nämlich nicht an all das glauben. Das wäre ja, dass Sie hier wissentlich Nischenprodukte auf den Tisch legen, um das Parlament mit Nebensächlichkeiten und Schattenboxen zu beschäftigen, während über die großen Linien, die geschehen in diesem Hohen Hause, gar nicht debattiert wird. „Alfred, die sollen nicht noch mehr in die Marktprozesse eingreifen!“ Das war die zweithäufigste Aussage, die ich zu hören bekam. Den Markt herzustellen, ist aber das Einzige, was funktioniert. Künstliche Eingriffe erzeugen sofort mehr Bürokratie und bergen großes Risiko von Verwerfungen. Dauerhaft gegen den Markt anzuproduzieren, endet in einer Subventionsorgie und kann skurrile Folgen haben wie E‑Autos, deren Nachfrage aber stottert, oder Windkraftanlagen, die bei Dunkelflaute stillstehen, oder eben die 110 t Biodinkel aus der letztjährigen Ernte, die ein Kumpel von mir noch liegen hatte. Davon habe ich im Frühjahr schon mal erzählt. Er wurde das nicht los, weil der viel gehypte Biomarkt wegen der gesunkenen Kaufkraft ‑ Stichwort „Grünflation“ ‑ zusammengebrochen ist. Wissen Sie, was der mit seinem Biodinkel vor ein paar Tagen gemacht hat? - Mit dem Miststreuer auf dem Acker verteilt! Ich lasse das mal so wirken. Herr Kollege Dannenberg, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage. Nein, keine Zwischenfrage. Ich möchte gerne fortfahren. „Alfred, die sollen mir jetzt nicht auch noch meine Nische kaputtmachen!“ Ja, auch das bekam ich zu hören von einem Landwirt und Direktvermarkter, dem ich diesen Antrag zeigte. Sein Credo: Der Markt in der Nische ist begrenzt. Die Betriebe, die da jetzt drin sind, haben sich das erarbeitet. Werden jetzt aber mit künstlichem Geld weitere Erzeuger in diese Nische gedrängt, steigt der Konkurrenzdruck. Und das macht am Ende alle in der Nische kaputt. Nur, dass wir uns richtig verstehen: Ich möchte nicht dem Lebensmitteleinzelhandel und seinem fragwürdigen Verhalten gegenüber den Urproduzenten das Wort reden, keinesfalls. Aber wenn Sie wirklich etwas für unsere Landwirte tun wollen, insbesondere auch für diejenigen, die das Essen für die übrigen 80 % der Konsumenten produzieren, die nicht beim Direktvermarkter einkaufen werden, dann kümmern Sie sich endlich mal um die großen Linien! Jetzt gucke ich Herrn Güldner an, der eben sagte: Das sagen Sie bei jedem Thema. - Daran, Herr Güldner, erkennt man übrigens eine themenferne Person. Oder Herrn Domeier, der fragte: Was soll man denn machen? - Ich sage es Ihnen: Energiekosten runter, Inflation eindämmen, „rote Gebiete“ und Moorvernässungen auf den Prüfstand, keine 4 % Zwangsstilllegung. Das können Sie alles sofort machen. Weniger Bürokratie, Schluss mit Bauernbashing, kein Pflanzenschutzmittelverbot in Schutzgebieten, aktives Wolfsmanagement, Schutz unserer heimischen Bauern vor Billigimporten fragwürdiger Qualität. Ist das nichts? Dann können Sie tatsächlich drüberschreiben: Regionale Wertschöpfung stärken, zukunftsfähige Landwirtschaft in Niedersachsen. Mein letzter Satz: Mit der AfD in Regierungsverantwortung wäre das übrigens längst Regierungshandeln!

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