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Christoph Willeke

SPD 19.06.2024 7:57 min Tagungsabschnitte 19/17

Volle Energie für Niedersachsen - Smart Grids als sinnvolle Unterstützung zum Netzausbau fördern

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es geht um Energie. Es geht um elektrische Energie. Das ist ein Thema, welches viele Sektoren betrifft. Egal, ob E-Mobilität, Wasserstoff, das Heizen per Wärmepumpe, künstliche Intelligenz, Oma Gerda beim Einkochen ihrer Erdbeermarmelade oder zum Beispiel die chemische Industrie - alle brauchen ihn: den bezahlbaren Strom. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 450 TWh Strom verbraucht - zweifelsfrei eine gewaltige Menge Energie, aber eben auch nur die elektrische Energie. Bis 2030 soll die Gesamtstrommenge erheblich anwachsen. Grund ist die Elektrifizierung von Industrie, die Elektrifizierung unserer Wärmeversorgung und natürlich auch die Elektrifizierung der Mobilität. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz schätzt den Strombedarf im Jahr 2030 auf sage und schreibe 750 TWh, also ganze 300 TWh zusätzlich. Das sind noch mal zwei Drittel unseres aktuellen Strombedarfs oben drauf. Das ist eine große Herausforderung. Die positive Nachricht: Wir sind bärenstark im Ausbau der erneuerbaren Energien. Niedersachsen bekommt seinen Strom bilanziell bereits zu 100 % aus erneuerbaren Energien. Ich finde, diese Nachricht ist wirklich einen großen Applaus wert. Ich habe das Wort „bilanziell“ bewusst betont, denn um dieses kleine Wort „bilanziell“ drehen sich diese Rede und auch der vorliegende Antrag. Die Herausforderung ist mittlerweile vielen bekannt: Windkraftanlagen und PV-Module erzeugen nicht immer gleichmäßig Strom und sind entsprechend nicht grundlastfähig. Die Sonne scheint nachts nicht, und der Wind weht auch nicht immer. In Summe ergibt sich also in einigen Zeiten eine Überproduktion an erneuerbaren Energien und zu anderen Zeitpunkten eine Unterversorgung. Nun zur Kernidee dieses Antrags: Alle flexiblen Verbraucher, insbesondere E‑Autos und Luftwärmepumpen, sollen genutzt werden, um Energie aus den Hochphasen der Erzeugerkurven der erneuerbaren Energien intelligent zu nutzen. Um es noch mal ganz einfach zu sagen: In einer Hochphase der Erzeugung aus erneuerbaren Energien soll das E‑Auto besonders günstig geladen werden, und der Warmwasserspeicher soll sich in dieser Zeit mit warmem Wasser eindecken. Das spart in den Haushalten Geld. Das macht die Umrüstung zur E‑Mobilität pro gefahrenem Kilometer günstiger, und das wiederum beschleunigt die Mobilitätswende. Das macht die Heizung zwar in den Anfangsinvestitionen nicht günstiger, aber es senkt die laufenden Kosten einer Luft-Wärme-Pumpe, und das beschleunigt wiederum die Wärmewende. Lassen Sie uns die Preise für den Lebensunterhalt senken! So, meine Damen und Herren, schaffen wir nachhaltigen Wohlstand in unserer Gesellschaft. Dieser Antrag geht noch einen Schritt weiter. E‑Autos sind, physikalisch betrachtet, nichts anderes als rollende Batterien. Unsere E‑Autos, genau wie die Verbrenner, stehen, statistisch gesehen, zu 95 % der Zeit still. Oftmals haben diese E‑Autos einen großen Akku. Vergleiche ich zum Beispiel die Akkugröße eines größeren Heimspeichers von 10 kWh mit der einer E‑Auto-Batterie, zum Beispiel vom ID.7, dann ist diese noch mal um den Faktor 8 größer. Es steckt also enormes Potenzial in einer E‑Auto-Batterie. Wenn diese Energie intelligent ans Netz abgegeben werden kann, kann der Eigentümer des Autos für die Bereitstellung Geld bekommen, das Stromnetz als solches profitiert, und natürlich steigt der Anteil der Erneuerbaren am Strommix. Wir wollen das Thema bidirektionales Laden in Niedersachsen in die Fläche bringen. Die meisten E‑Autos haben an vielen Tagen im Jahr ungenutzte Kapazitäten. Dieses Potenzial soll genutzt werden. E‑Mobilität muss günstiger werden. Unser Netz braucht diesen Rückenwind, und unsere Gesellschaft braucht Partizipation an der Energiewende. Speicher müssen intelligent, netzdienlich arbeiten. Hier liegt die Chance, in Zukunft mehr erneuerbare Energien zu nutzen, insgesamt autarker zu werden, die Ausbaukosten unserer Leitungen auf ein Mindestmaß zu begrenzen, Redispatchkosten zu senken und Strom und damit die in Zukunft noch wichtigere Energieform günstig zu machen. So bleibt man Industrieland. Ja, dieser Antrag ist sehr technisch. Es braucht hohe Ingenieurskunst und natürlich unser Handwerk vor Ort. Und ja, es braucht auch Zeit. Aber deswegen handeln wir doch lieber jetzt als später! Es ist wichtig, dass wir jetzt zum Hochlauf der E-Mobilität und der Wärmewende die Weichen richtig stellen. Es wäre ein großer Fehler, erst zur Halbzeit diese Themen mitzudenken, denn das macht es teurer und deshalb auch langsamer. Wir haben 23 Forderungen und Vorschläge erarbeitet, 9 davon an den Bund und 14 Punkte an die Landesregierung gerichtet - von der weiteren Erforschung über Praxisanwendung, über Anpassung der Regularien des Datenschutzes, über einheitliche Standards und Schnittstellen für Energieverbraucher bis zur Aufklärung von Bürgerinnen und Bürgern, um die Chancen, die sich ergeben, möglichst vielen Menschen anzubieten. Wir sehen uns natürlich auch selbst in der Verantwortung. Wir wollen in unseren landeseigenen Gebäuden voranschreiten. Auch dafür gibt es einen konkreten Vorschlag: Wir fangen bei den größeren Gebäuden mit einem Energiebedarf von über 100 MWh pro Jahr an. Wir werden auch die Tiefgaragen und die öffentlichen Parkplätze im Rahmen unserer Möglichkeiten unter die Lupe nehmen und die Ladeinfrastruktur ausbauen, um diese in ein intelligentes Netz einzubinden. Wir wollen über die KEAN die dynamischen Stromtarife weiter in die Fläche bringen und Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher reduzieren. Wir treten mit unseren Nachbarn, den Niederlanden, in Verbindung, um engere Partnerschaften zu prüfen. Auch die Energienachbarschaften im eigenen Land wollen wir weiterentwickeln. Sehr geehrte Damen und Herren, ich kann mich gut an die Situation und auch den Ernst der Lage im Winter 2022/2023 erinnern. Es ging vor allem um ein Thema: Energie - Energiesicherheit, Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie. Nun bin ich, ehrlich gesagt, dankbar, dass wir nicht mehr jeden Tag auf den Füllstand der nationalen Gastanks schauen bzw. schauen müssen. Damit das auch so bleibt, stellen wir die Weichen für die Energiepolitik der Zukunft. Ich habe noch ein bisschen Zeit, die ich nutzen möchte, um einen Dank loszuwerden. Ich habe vorhin die Zahl 450 TWh genannt. 450 TWh ist der aktuelle Strombedarf. 450 ist aber auch die Frequenz, und zwar in Megahertz, die mit Blick auf den Smart-Meter-Rollout genutzt wird, der von der Bundesregierung beschlossen ist. Darüber werden die Smart Meter bzw. die Smart-Meter-Gateways vernetzt. Wir sehen also, wie technisch allein schon diese Debatten werden. Ich möchte mich besonders bei Olaf Lies bedanken, der dieses Thema in der Bundesnetzagentur mit vorangetrieben hat. So können wir diese Themen auch in Zukunft voranbringen. Ich bedanke mich auch bei Christian Meyer für den Einsatz schon in den Ministergesprächen, um dieses Thema weiterzuentwickeln. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Glück auf!

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