Lukas Reinken
Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen ausbauen
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wissen Sie noch, welchen Berufswunsch Sie als Kind hatten? Lehrer, Feuerwehrfrau oder Bäcker? Und wissen Sie noch, welchen Berufswunsch Sie kurz vor dem Schulabschluss hatten? Vielleicht fiel es Ihnen auch schwer mir ging es jedenfalls so, direkt vor dem Schulabschluss oder während der Schulzeit eine Entscheidung zum weiteren beruflichen Weg zu finden. In der Befragung der Bertelsmann-Stiftung zu Ausbildungsperspektiven sagten 2024 immerhin 56 % der befragten jungen Menschen, dass es zwar genügend Informationen zur Berufswahl gebe, aber man sich dort nur sehr schwer zurechtfinden würde. Praktika, Berufsberater und der Kontakt zu Betrieben seien dabei laut dieser Umfrage besonders wichtig. Und fest steht: Die Berufsorientierung muss gestärkt und präzisiert werden. Das ist ja auch Haltung eines großen Anteils in unserem Hohen Haus. Dazu haben wir bereits im Oktober 2023 einen umfangreichen Antrag vorgelegt, dessen Beratungen wir heute abschließen wollen. Allein 15 Wochen haben wir dabei auf die Unterrichtung durch die Kultusministerin gewartet. Auch das zeigt erneut die Prioritätensetzung in ihrem Haus. Meine Damen und Herren, Berufsorientierung ist eine Daueraufgabe an den Schulen, die ausreichend Zeit für die Organisation benötigt. Daher halten wir daran fest, dass die Streichung der Anrechnungsstunden für die Beauftragten für Berufsorientierung dringend rückgängig gemacht werden muss. Meine Damen und Herren, wir wollen zudem einen Berufsorientierungstag in Klasse 9 an allen allgemeinbildenden Schulen einführen. Über ein Halbjahr hinweg soll ein Tag in der Woche für dieses Thema genutzt werden, um sich zum Beispiel verschiedene Berufszweige anzuschauen, Kooperationen mit Betrieben zu pflegen und den Schülerinnen und Schülern praktisches Wissen für ihren Berufsstart zu vermitteln. Ebenso wichtig ist es dabei, dass möglichst kein junger Mensch durch das Raster fällt, weil sich niemand zuständig fühlt. Wenn junge Menschen die Schule verlassen und keine konkrete berufliche Anschlussperspektive haben, dann soll die Meldung an die Agentur für Arbeit oder an die Jugendberufsagenturen flächendeckend erfolgen, die jetzt schon freiwillig möglich ist. Denn nur so kann diesen Menschen noch einmal gezielt ein Beratungsangebot gemacht werden. Denn es ist unser Auftrag, diesen Menschen eine Perspektive zu bieten. Meine Damen und Herren, es geht auch darum, spannende Best-Practice-Beispiele aus dem ganzen Land zu überführen - aus den Regionen in das ganze Land. Viel zu oft gelingt es uns als Politik nicht, kluge und funktionierende Ansätze aus einem Ort in die Fläche zu bringen. Und es gibt viele lokale Netzwerke für Berufsorientierung. Auch wir als Ausschuss haben uns in Oldenburg einige spannende Projekte zur Berufsorientierung angesehen. Ich finde, das war ein sehr bereichernder Termin. Projekte wie zum Beispiel die LernOrteTage zeigen, wie Berufsorientierung auch durch regionale Partnerschaften und praxisnahe Ansätze gelingt. Wir sollten alles dafür tun, dass solche Ansätze flächendeckend umgesetzt werden können. Auch verschiedene Formen des Matchings, also des Zusammenbringens von Betrieb und Azubi, wurden uns dort vorgestellt. Auch dies findet in unserem Antrag Niederschlag, indem wir zum Beispiel die Chancen von KI und digitalen Apps für die effiziente Berufsorientierung sehen. Ich glaube, solche Apps, solche digitalen Angebote können hier einen echten Mehrwert schaffen und holen vor allem die jungen Leute dort ab, wo sie sind, nämlich im Online-Raum. Also: Wir können heute einen wichtigen Antrag beschließen, der viele konkrete Akzente in der Berufsorientierung setzt. Seien wir mutig! Gehen wir endlich einige Schritte, anstatt immer wieder auf dem Problem herumzukauen! Im Ausschuss haben die Vertreter der Koalitionsfraktionen immer wieder gesagt, sie würden erst den Erlass zur Berufsorientierung abwarten wollen, bevor sie erste Schritte gingen. Wieviel Selbstaufgabe kann man eigentlich als Parlamentarier in einen Satz packen? Es ist doch seltsam, dass Sie jetzt, diese Woche, doch mit einem eigenen Antrag kommen, obwohl doch der BO-Erlass noch gar nicht in der Verbandsanhörung ist. Deswegen habe ich auch im Ausschuss mehrfach nachgehakt, welche konkreten Punkte denn eigentlich in unserem Antrag fehlen würden, die Sie in einen neuen Antrag stecken würden. Daraufhin hat Frau Nzume insgesamt vier Punkte genannt: Das Erste war die Stärkung von Berufsorientierung an Gymnasien. Wer sich unseren Antrag durchliest, wird das gleich im ersten Punkt sehen. Das ist sehr deutlich enthalten. Dann wurde gesagt, wir bräuchten vor allem Potenzialanalysen. Wir fordern in unserem Antrag, auch das auszubauen. Frau Nzume hat die Vernetzung unterschiedlicher Akteure angesprochen. Wir fordern dazu vor allem die Auflösung von Barrieren in der Vernetzung von Schulen, Herr Reinken! Sofort! -, Berufsschulen, Betrieben und Kammern. Auch das ist enthalten. Entschuldigen Sie! Okay. Lassen Sie die Zwischenfrage zu? Sehr gerne. Vielen Dank. -
