Meta Janssen-Kucz
Feststellung eines Sitzverlustes gemäß Artikel 11 Abs. 2 Satz 2 der Niedersächsischen Verfassung i. V. m. § 8 Abs. 2 des Niedersächsischen Landeswahlgesetzes
war ich als „Ostfriesin vom Land" erschlagen. Was hatte ich schon gesehen? Ich habe zwar in Braunschweig studiert. Aber plötzlich hatte ich, so als Küstenfrau, einen Arbeitsplatz hier im Hohen Haus. Das größte Problem war eigentlich, dass ich in der Stadt war, von der man immer sagt: Hier wird das beste Hochdeutsch gesprochen. - Und dann kommt da so 'ne Ostfriesin und ist plötzlich Abgeordnete, die Hochdeutsch als erste Fremdsprache gelernt hat. Das habe ich erst in der Grundschule gelernt. Manchmal wurde mir damals gesagt: Deine Satzstellung ist nicht korrekt! Was für Wörter hast du da zwischen! Und dass ich darauf mehr achten soll. Das habe ich versucht, aber es ist mir nicht immer gelungen. Viele von Ihnen wissen, ich bin manchmal sehr emotional. Und wenn ich emotional bin, rutscht mir einfach was in Plattdeutsch raus, denn ich träume und denke noch immer in meiner Muttersprache, und das ist Plattdüütsch. Mittlerweile ist das ein Stück weit zum Markenzeichen geworden. Aber meine Muttersprache, das Plattdeutsch, hat mir sehr viele Türen und vor allem Herzen geöffnet, nicht nur in Ostfriesland. Ich weiß in Richtung des Stenografischen Dienstes, dass das manchmal eine Herausforderung war. Aber mittlerweile hat man sich in über 20 Jahren daran gewohnt. Wi hebbt jetzt daar so en paar tüschen, de dat ok köönt, Ulf. Deswegen ist dat gaar nich mehr so stuur. Deswegen is dat gaar nich mehr so stuur. Aber das war am Anfang schon schwierig. Ansonsten gibt es ja die Ostfriesische Landschaft und das Plattdeutschbüro. Ich finde es sehr positiv, dass jetzt die Muttersprache verstärkt wieder in den Vordergrund gerückt wird. Dabei geht es nicht nur um Plattdeutsch; denn eine Muttersprache ist identitätsstiftend und macht eine Persönlichkeit aus. Ik kunn jo no ganz vööl vertellen, aber dat laat ik lever. Villicht gifft et ja irgendwennehr Memoiren van mi. Aber ik weet noch nich, of ik so vööl Tied hebb to schrieven. Dat mutt ik even kieken. Aber kien Sörg, ik proot jetzt in Hoogdüütsch wieder. Ik hebb ja bewesen: Ich kann beides. Ik kann ok so en bietje he nun her. Aber wat mooi is: As ik hier 1998 ankeem - Entschuldigung! -, hat kaum einer hier in Hannover „Moin!" gesagt. Mittlerweile ist das einfach gang und gäbe. - Ja, genau! Wiard, darauf können wir doch stolz sein! Denn bei „Moin!" kann man nichts verkehrt machen. Man kann das morgens, mittags und abends sagen - und man vertut sich nie in der Tageszeit. Ganz einfach! - Ja. Uns Ostfriesen sagt man ja nach, dass wir sturmfest und widerständig sind. Ich gebe zu: Das passt ganz gut zu mir. So ein bisschen Gegenwind haut mich nicht unbedingt gleich um, egal, woher er kommt und von wem er kommt. Ein bisschen Widerstand, eine klare Haltung und Meinung schaden, finde ich bis heute, im politischen Alltag nicht. Sie gehören eigentlich dazu. Ich wünsche Ihnen allen ein bisschen Widerstand. Liebe Kollegen und Kolleginnen, jetzt ist damit aber genug! Ich will mich hier jetzt bedanken. Ich will mich bedanken bei den unterschiedlich zusammengesetzten, aber immer solidarischen Fraktionen der Grünen im Landtag in unterschiedlichen Größen, denen ich in unterschiedlichen Funktionen angehören durfte. Es war wirklich schön, alle paar Jahre ein wirklich neues Team zu haben, in einem neuen Team zu arbeiten und ganz verschiedene, engagierte Menschen kennenzulernen. Dabei habe ich Vielfalt kennengelernt und schätzen gelernt. Ich finde, das ist etwas ganz Besonderes! Wer sonst hat das in einer so langen Zeit in einem „normalen" Berufsleben? Dass man mit so unterschiedlichen und vielfältigen Menschen zusammenarbeitet, ist das Besondere hier am Parlament. Danke! Bedanken will ich mich aber auch bei den Kollegen der SPD, der CDU und der dem Landtag nicht mehr angehörenden FDP; denn auch da gab es immer wieder Kollegen vor allem Kolleginnen, mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe - von der Enquetekommission, die die Präsidentin schon erwähnt hat, bis zur Aufarbeitung von Corona und zu anderen Sonderausschüssen. Ich finde, es war immer ein gutes Zeichen für unsere Demokratie, wenn Politiker über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg in der Sache vor allem für ihre Region zusammenarbeiten und gemeinsame Projekte für die Menschen vor Ort voranbringen - unabhängig davon, ob man zu der Zeit in Regierungsverantwortung oder in der Opposition war. Denn davon lebt unsere Demokratie eigentlich. Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung für Freiheit, Frieden und Rechtsstaatlichkeit. Das beweisen wir, indem wir trotz mancher Auseinandersetzung gut in der Lage sind, in der Sache partei- und fraktionsübergreifend zusammenzuarbeiten. Vielen, vielen Dank also auch dafür! Ich finde, wir können stolz sein, dass uns das gelingt. Behalten Sie das bitte bei! Ich habe immer sehr leidenschaftlich für soziale und nachhaltige Politik gestritten. „Ems" ist da auch noch so ein Schlagwort. Ich habe mich für eine nachhaltige Politik zum Erhalt der Lebensgrundlagen eingesetzt - immer mit dem Blick in die Zukunft, für nachfolgende Generationen, für Kinder und Enkelkinder. Ich habe immer eine indianische Weisheit vor Augen: Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen. - Das war für mich mit meinem christlichen Glauben immer ein Leitspruch, meine Verantwortung gegenüber der Umwelt und den kommenden Generationen im Hier und Jetzt wahrzunehmen. Ich hoffe, es ist mir im Rahmen meiner Möglichkeiten gelungen. Ich habe auch die fachliche Arbeit hier sehr geschätzt, den Austausch mit den unterschiedlichen ExpertInnen aus Verbänden und Organisationen - dieses Ringen um den besten Weg. Das war für mich immer ein bisschen das Salz in der Suppe der Parlamentsarbeit: Das Ringen um den besten Weg, um gemeinsam eine Lösung auf den Weg zu bringen. Und wenn es nicht gemeinsam geht, dann geht es mit einer Mehrheit. Manchmal hat man auch keine Mehrheit auf seiner Seite. Aber das hat für mich nie bedeutet, aufzugeben. Dann habe ich einen Ansatz wieder hervorgeholt, wenn es Mehrheiten gab, und Sachen vorangebracht. Genauso wichtig war mir der Austausch mit den Menschen im Land, mit den Verbänden, den Organisationen, aber vor allem die Verbindung von kommunaler und Landesebene. Ich habe seit Anfang der 90er-Jahre bis vor anderthalb Jahren Kommunalpolitik gemacht. So war ich 20 Jahre lang im Kreistag. Ich finde, diese Verbindung hatte einen so hohen Mehrwert, und zwar nicht nur für mich und die Region, sondern auch für das Verständnis untereinander. Deshalb konnte mich nie etwas in Richtung Bundestag locken; denn das war mir immer einfach viel zu fern von den Problemlagen und Herausforderungen zu Hause. Wie gesagt: Der Austausch mit Ihnen, mit all diesen Menschen, mit den BürgerInnen, mit den haupt- und ehrenamtlich Engagierten war und ist gut. Ich habe das mal so formuliert: Ich hatte durch mein Mandat das Privileg des lebenslangen Lernens in den unterschiedlichsten politischen Bereichen - von der Innenpolitik mit der kommunalen Ebene über die Sozial- und Gesundheitspolitik bis hin zur Umwelt-, Energie- und Klimaschutzpolitik. Wer hat das? So viel hätte ich gar nicht studieren können, wie ich hier gelernt habe - auch im Austausch und von Fachleuten. Ich glaube, auch das ist etwas Besonderes, und dessen sollte man sich bewusst sein. Ich will mich jetzt bei der Landtagsverwaltung und bei den Ministerien bedanken, die hier in der Ausschussarbeit und im Parlamentsbetrieb immer für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich bin bis heute von der Arbeit des Gesetzgebungs- und Beratungsdienstes beeindruckt, der den Landtag und uns als Abgeordnete bei den Gesetzgebungsverfahren begleitet und damit die Rechts- und Verfassungsmäßigkeit von Gesetzesinitiativen sicherstellt. Um unseren Gesetzgebungs- und Beratungsdienst beneiden uns viele andere Landtage. Ihn zu haben, hebt Niedersachsen wirklich hervor. Der Dank geht aber auch an den Stenografischen Dienst. Denn manchmal kann man nach drei Stunden nicht wissen oder erinnern, was man alles in einer Anhörung gehört hat. Ich bin Ihnen immer sehr dankbar, dass Sie quasi unser verbrieftes Gedächtnis sind, man sofort etwas nachschauen kann und dass Sie die Protokolle immer so zeitnah vorlegen, mit denen man dann weiterarbeiten kann. Als Vizepräsidentin hatte ich auch den Zugang zur Organisation und zur Zuarbeit durch die Landtagsverwaltung. Auch da muss ich einfach sagen: Jeder Einzelne von uns ist nur so gut wie das Team um ihn herum. Das gilt für mein Büro, das gilt für meine Funktion als Vizepräsidentin und auch als Abgeordnete. Ich danke dieser Landtagsverwaltung, dass es hier immer so rund läuft und dass man sich hundertprozentig auf Sie verlassen kann. Ich bin stolz, dass ich bis heute die Ehre habe, 2017 und 2022 von Ihnen als Vizepräsidentin gewählt worden zu sein. Für mich war es eine ganz besondere Ehre, da im Jahr 2017 erstmalig mit unserer Präsidentin, Frau Dr. Gabriele Andretta, eine Präsidentin das Hohe Haus repräsentierte, die sich sehr stark für die parlamentarische Demokratie eingesetzt hat, für Erinnerungskultur und Gedenkkultur Zeitzeugen in den Landtag geholt hat und für mehr Sichtbarkeit von uns Frauen in Niedersachsen gesorgt hat. Ich bin auch sehr dankbar für die zweite Präsidentin, Frau Hanna Naber; denn sie hat diese Arbeit fortgesetzt, sie hat sie ausgebaut und viele Formate noch mehr verstärkt. Das beste Format ist wirklich „Fragen an die Demokratie": als Präsidium die Demokratie nach vorne zu stellen, an die Schulen zu gehen. Egal auf welcher Ebene man arbeitet, ist es wichtig, dass Politik nahbarer wird, dass die Menschen Fragen stellen können, dass man sie beantwortet, dass man das Gespräch sucht, im Dialog bleibt und Fragen auch direkt beantwortet und sich nicht wegduckt. Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, jedem einzelnen deutlich zu machen, dass auch er in der Verantwortung steht, sich für unsere Demokratie einzubringen, denn Demokratie lebt vom Mitmachen und Mitgestalten. Das habe ich in meiner Funktion als Vizepräsidentin immer versucht. Das waren die schönsten Begegnungen, egal ob es 30, 60 oder 100 SchülerInnen waren, dieser Austausch, und zu merken, da sitzen junge begeisterte DemokratInnen. Wir müssen sie nur abholen. Das ist jetzt verstärkt Ihre Aufgabe. Vielen Dank, Frau Präsidentin, dass ich in Ihrem Team dieses Amt ausüben durfte. Ich habe bei meinem Dank noch ein paar Menschen vergessen, die hier ganz selten Erwähnung finden, und das sind die PförtnerInnen, das sind die SaaldienerInnen, das sind die Menschen, die für Besuchsdienste da sind. Da greift alles wie Zahnräder ineinander. Das führt auch dazu, dass wir wirklich mit Stolz sagen können: Der Niedersächsische Landtag ist ein offenes Haus der Demokratie, das allen BürgerInnen offensteht. Vielen Dank Ihnen. Ja, liebe KollegInnen, ich verlasse in Zeiten großer politischer Herausforderung den Landtag, gebe mein Mandat ab, wohl überlegt. Es wird mir nicht leichtfallen, aber ich verspreche Ihnen schon hier und heute und das ist keine Drohung, dass ich immer ein politischer Mensch bleiben werde, mich auch außerparlamentarisch ehrenamtlich weiter in der Sozial-, Gesundheitspolitik und Umweltpolitik einbringen werde. Ich werde weiter für eine lebendige Demokratie, für Freiheit und Frieden streiten, für Menschenrechte, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hass. Wir sind alle gefordert, Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt stärker zu leben und zu wertschätzen. Sie sind die Garanten für unsere Freiheit und für ein friedliches Miteinander. Egal, wo wir Politik machen, auf welcher Ebene: Öffnen Sie Ihr Herz, seien Sie mehr Menschenfreund. Und auf Plattdeusch sagt man manchmal auch: En bietje Gört unner de Mütz, dat nützt. Aber en groot Hart unner de West, dat is dat Best. -- Ik wünsk jo en groot Hart för de Upgaben, de vöör jo liggen. Ich gehe, schaue vom Spielfeldrand, und wenn es Not tut, renne ich über den Spielfeldrand rein. Danke schön.
