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Christian Schroeder

GRÜNE 22.06.2023 5:30 min Tagungsabschnitte 19/8

Nachhaltig. Klimafreundlich. Barrierefrei. Digital. Sozial. Innovativ. Die Transformation des Tourismus zukunftsfähig gestalten - die Tourismusstrategie für das Land Niedersachsen weiterentwickeln

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Erstes kam die Pandemie ‑ wir haben es gerade gehört ‑; der Angriffskrieg folgte; der Arbeitskräftemangel wurde hier heute auch schon thematisiert. Das Ganze hat in der Branche tiefe Spuren hinterlassen. Die Pandemie haben wir als Gastronomen, Hoteliers und Touristiker dank staatlicher Hilfe zum größten Teil ganz gut überstanden, denke ich. Ich für meinen Teil als Gastronom kann dafür auch wirklich Dankeschön sagen; denn die Regeln, die Sie als Parteien damals ‑ ich gehörte noch dem Kreistag an und war beruflich in der Gastronomie tätig ‑ hier beschlossen haben und die aus meiner Sicht nötig waren, haben wir mitgetragen. Wir haben sie auch deshalb mitgetragen, weil Sie anschließend gemeinsam gesagt haben, wie das Ganze entschädigt wird, wie die Betriebe unterstützt werden, um die ganze Zeit durchzustehen, um ihre Familien sattzubekommen, um den Betrieb weiterzuführen und um die Auszubildenden halten zu können. Hier sei das Kurzarbeitergeld genannt. Das hat aus meiner Sicht alles hervorragend funktioniert. Liebe AfD, noch etwas zu Ihnen: Sie beklagen hier Dinge und fragen, ob wir schon mal in der Küche gestanden hätten. - Ich bin seit 25 Jahren Koch. Meine Steaks kommen übrigens nicht aus Argentinien, sondern aus Niedersachsen, in der Regel aus der Südheide. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist. Bei uns sieht das anders aus. Eins möchte ich noch sagen: Eine kleine positive Wendung hat die Pandemie einfach mit sich gebracht: Die Bürgerinnen und Bürger sind in der Frage, wo sie ihren Urlaub verbringen, ein Stück weit zur Besinnung gekommen und haben ihr Heimatland neu erkundet. - Ja, auch wir benutzen diese Wörter. Da können Sie ruhig doof gucken. Herr Kollege Schroeder! Entschuldigung! Ich habe es schon gemerkt: „Doof“ ist nicht parlamentarisch. Die Wiederentdeckung der eigenen Heimat bot in der Krise der Branche einen erheblichen Schub. In manchen Bereichen war es am Ende sogar ein bisschen zu viel. Meine Damen und Herren, die Zeit für die heimische und insbesondere für die niedersächsische Tourismusbranche war eben schwierig und eine Herausforderung in jedem Teil. Manchmal, wenn es zu viel ist, muss man auch gucken, wie man dagegensteuern kann. Die Tourismusbranche in Niedersachsen ist ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ich nehme auch wahr, dass das anerkannt wird. Ich kann auch nicht erkennen, wo der Branche zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. Unser Wirtschaftsminister hat das inzwischen oft betont. Er ist auch Tourismusminister. Und dieses Signal kommt in der Branche durchaus positiv an. Also ich weiß nicht, wo Sie da ein Problem sehen. Meine Kollegin Emken hat eben schon die Zahlen genannt. Der Tourismus generiert nicht nur Einkommen und Wohlstand, sondern er steigert auch die Lebensqualität der Menschen in Niedersachsen, wenn er denn gut gemacht ist. Da müssen wir ran! Dazu aber gleich mehr. Der Tourismus bietet Chancen in Niedersachsen als attraktives Reiseziel. Wir müssen uns auch weiterentwickeln - das ist gar keine Frage. Aber wer sonst in Deutschland kann denn „Berge und Meer“? Der Tourismus in Niedersachsen wurde in manchen Gebieten lange Zeit fast ausschließlich als Wachstumsbranche angesehen. Diese Sichtweise ist in Teilen aber problematisch, wie wir jetzt sehen. Denn Wachstum ist kein ökonomisches Allheilmittel. Und wer vor der Pandemie schon ausgebucht war und jetzt vielleicht in finanziellen Problemen steckt, hat natürlich Schwierigkeiten, zu investieren, oder will es vielleicht auch gar nicht. Zum anderen möchten die Bürgerinnen und Bürger vor Ort in Niedersachsen zwar eine wachsende Branche und auch daran teilhaben - aber eben nicht um jeden Preis. Die individuelle Lebensart der Menschen in den touristischen Zentren in Niedersachsen muss erhalten und weiterentwickelt werden - Stichwort „Overtourism“. Wer sich in seinem eigenen Umfeld nicht mehr wohlfühlt, wird auch nicht mehr uneingeschränkt Gastgeber sein wollen und auch nicht können. Herr Landrat Heymann hat in unserer Sitzung am 13. April ausführlich dazu ausgeführt und mit uns dieses Thema diskutiert. Frau Emken, Herr Miesner, Herr Seebeck - wir alle waren dabei und waren uns schon damals, glaube ich, einig, dass die Innenentwicklung in der kommenden Zeit eine enorme Rolle einnehmen muss. Die Kommunen müssen auch in der Lage sein, dieses hohe Aufkommen an Touristen ‑ gerade an der Küste ‑ zu bewältigen. Daher braucht es aus unserer Sicht gezielte Maßnahmen für einen nachhaltigen, ressourcenschonenden und klimafreundlichen Tourismus. Eine Weiterentwicklung der bestehenden Strategie ist für das Land daher unerlässlich. Meine Damen und Herren, mit dem Entschließungsantrag wollen wir mit Ihnen diskutieren. Wir wollen Sie einladen, mit uns über digitale Gästekarten zu reden. Wir wollen über Öko- und Bildungstourismus, über Gesundheitstourismus reden. Wir müssen weiter über den Agrartourismus nachdenken; das ist zum Glück angestoßen worden, aber da geht noch mehr. Wir müssen über Lebensraumentwicklung sprechen; das ist das, was ich gerade mit „Entwicklung nach innen“ meinte, dass wir uns wohlfühlen. Wir müssen intelligente Besucherstromlenkungen hinbekommen. Die Arbeitskräftegewinnung wurde mehrfach genannt. „Bett+Bike“-Zertifizierungen müssen nach vorne gebracht werden. Der SPNV, der ÖPNV, gerade an der Küste, und vieles mehr. Der vorliegende Entschließungsantrag und die Weiterentwicklung der Tourismusstrategie im Land werden uns hierfür die notwendige Grundlage liefern. Wie es der Kollege Miesner schon gesagt hat: Ich glaube, wir werden darüber im Tourismusausschuss sehr konstruktiv und kollegial miteinander diskutieren. Wobei ich einmal ausdrücklich betonen möchte: Es hat schon bisher sehr viel Spaß in diesem Ausschuss gemacht; denn wir ziehen alle gemeinsam an einem Strang - fast alle. Danke schön. Ich freue mich auf die Zustimmung.

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