Björn Meyer
Nachhaltig. Klimafreundlich. Barrierefrei. Digital. Sozial. Innovativ. Die Transformation des Tourismus zukunftsfähig gestalten - die Tourismusstrategie für das Land Niedersachsen weiterentwickeln
Sehr geehrter Herr Präsident! Leeve Lüü! Von der Weser bis zur Elbe, vom Harz bis an das Meer steht Niedersachsens Tourismus eigentlich ganz gut daher. Liebe Niedersachsen, wir haben einen Tourismus mit vielen, vielen, vielen Stärken. Niedersachsen ist eines der abwechslungsreichsten Bundesländer in Deutschland - nein, ich lege mich fest: das abwechslungsreichste Bundesland in Deutschland. Wir bieten unterschiedliche Landschaften - vom Meer über Fehn-, Heide- oder Parklandschaften bis zu den Mittelgebirgen. Ich finde, „Meer und Berge“ klingt irgendwie cooler als nur „Meer“ oder nur „Berge“. Im bundesweiten Vergleich liegt Niedersachsen übrigens auf Platz 4 der beliebtesten Urlaubsländer, und unter den Küstenländern auf Platz 1. Mit über 7 % der Erwerbstätigen und über 5 % der Wirtschaftsleistung gehört der Tourismus übrigens zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Niedersachsen. Das alles bietet der Tourismus schon jetzt. Aber uns ist natürlich auch klar, dass es Baustellen gibt. Das Land Niedersachsen hat zuletzt im Jahr 2015 unter unserem Wirtschaftsminister Olaf Lies die erste Tourismusstrategie aufgesetzt. Eine solche Strategie bietet Planungssicherheit für die Branche und ermöglicht uns als Politik, zielgerichtet zu fördern. Auch wenn das jetzt weniger als zehn Jahre her ist, haben sich seitdem sehr viele Vorzeichen geändert. Deshalb macht es Sinn, diese Strategie neu aufzusetzen. Der neu gegründete Tourismusunterausschuss hat sich im letzten Jahr intensiv damit auseinandergesetzt, wo in dieser wichtigen Branche der Schuh drückt und wo es gut läuft. Wo liegen die Prioritäten? Wo hat sich der Fokus vielleicht verschoben? Ich will hier ein Beispiel nennen: Die Corona-Pandemie wird noch über Jahre Auswirkungen auf diese Branche haben. So haben Gäste zum Beispiel ein ganz anderes Bewusstsein für Gesundheit entwickelt. Gut, dass wir in Niedersachsen im Gesundheitstourismus mit insgesamt 37 hochprädikatisierten Kurorten sehr gut gerüstet sind. Diese Qualitätsmerkmale, die sogenannte Prädikatisierung, gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Infrastruktur wie Thermalbäder oder ein Kurpark müssen unterhalten werden. Gerade an Tourismuskommunen wird mit Recht ein erhöhter Anspruch auf Barrierefreiheit gestellt. Die Einwohnerzahl unserer Tourismuskommunen wächst in der Hochsaison temporär erheblich an. Im kommunalen Finanzausgleich findet diese Tatsache allerdings kaum oder keine Berücksichtigung. Wir haben mit der politischen Liste einen ersten Aufschlag gemacht, um Mehrausgaben für touristische Infrastruktur ein Stück weit auszugleichen. Für unsere Kurorte stehen in diesem Jahr erstmals 2 Millionen Euro zur Verfügung. Wir fordern die Landesregierung auf, im Rahmen der Tourismusstrategie die Tourismusfinanzierung nachhaltig zu überdenken. Das ist auch notwendig, um die Akzeptanz vor Ort zu stärken, sehr geehrte Damen und Herren. Wenn man eine Strategie aufsetzt, muss man allerdings auch sagen, was man nicht will. Auch hierfür will ich Beispiel nennen. Die Fachleute haben uns deutlich gemacht, dass es ‑ mal abgesehen von den Niederlanden ‑ wenig Sinn macht, um internationales Publikum zu werben. Bis heute machen Gäste aus dem Ausland nur rund 5 % des Gesamtkonsums aus. Umso mehr ist es für die Branche unerlässlich geworden, sich bei den Fachkräften international aufzustellen; denn der Fachkräftemangel ist gerade im Tourismus eines der wichtigsten Themen geworden. Gleichzeitig ist klar, dass Digitalisierung ein wichtiges Thema ist. Wer da nicht Schritt hält, bleibt nicht konkurrenzfähig. Sowohl beim Kundenerlebnis als auch beim Fachkräftemangel ist die Digitalisierung ebenfalls ein Teil der Lösung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, leider muss man auch feststellen, dass unsere größte Stärke ‑ die Vielseitigkeit ‑ auch unsere größte Schwäche ist. Deswegen wollen wir in Zukunft größere Zusammenschlüsse wie die TANO, die Tourismus-Agentur Nordsee, mehr fördern. Ich bedanke mich noch einmal bei der CDU für die gute Zusammenarbeit im Unterausschuss. So können wir diesen Antrag jetzt gemeinsam auf den Weg bringen. Ich glaube, gerade im Tourismus ist es wichtig, mit einer Stimme zu sprechen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, vom Harz bis an das Meer sind Niedersachsens Söhne und Töchter mit der zukünftigen Strategie gut gerüstet, damit der Tourismus sowohl für die kurzfristig zugereisten als auch für die Menschen vor Ort einen Vorteil bietet. Vielen Dank.
