Miriam Staudte
Wie ist die Wiederbewaldung des Harzes geplant?
Für die Landesregierung antwortet die Forstministerin. Frau Ministerin Staudte, bitte sehr! Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich gebe Ihnen ausdrücklich recht, Frau Präsidentin: Die Wiederbewaldung des Harzes ist eine Herzensangelegenheit, und aktuell besteht ein recht dringlicher Anlass, darüber zu sprechen. Sie haben es vielleicht gerade verfolgt: Die Dürre hat nicht nur Auswirkungen in der Landwirtschaft, sondern eben auch im Harz, wenn es um den Erhalt der Pflanzungen geht. Insofern begrüße ich es sehr, dass wir uns heute aufgrund dieser Anfrage mit der Thematik befassen. Ich möchte gestatten Sie mir das die Gelegenheit nutzen und allen Beschäftigten der Landesforsten und auch der Forstunternehmen danken, die im Harz in den letzten Jahren tätig waren und die auch jetzt noch tätig sind. Es wurde mit der Aufarbeitung und dem Einsatz rund um das Sturmholz begonnen. Sie erinnern sich: Mit Friederike im Jahr 2018 fing es an. Dann kam der Kampf gegen den Borkenkäfer, der sich immer weiter verbreitet hat. Fichtenwälder mussten aufgegeben werden, nur kleine Bereiche konnten quasi gerettet werden. Das alles war ein irrer Aufwand. Zusätzliches Personal wurde im Harz eingesetzt. Das muss man an dieser Stelle einfach noch mal betonen. Seit 2018 wurden insgesamt 10 Millionen Bäume gepflanzt. An der Spitze lag einmal das Forstamt Clausthal, das in einer Pflanzsaison 1 Million Bäumchen gepflanzt hat. Das ist wirklich eine ganz herausragende Leistung und verdient, glaube ich, auch den Applaus des Hauses. Auch ganz herzlichen Dank an die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt, die immer berät und auch den Überblick über die verschiedenen Bundesländer und den Austausch hat! Ich glaube, das ist sehr hilfreich für uns alle. Sie wissen, wir kommen aus einer Situation mit ausgedehnten Fichtenreinbeständen, die den Wald früher geprägt haben. Damals gab es großen Holzbedarf, den Bergbau, die Reparationszahlungen nach dem Zweiten Weltkrieg, und es musste, nachdem die Bäume abgeholzt und abgegeben worden waren, neu aufgeforstet werden. Man hatte nicht viel anderes als das relativ günstige Saatgut für die Fichten. Und so kam es zu den recht monotonen Beständen, die in bestimmten Situationen Sturm, Schädlingsbefall sehr viel anfälliger sind. Der Umbau war schon lange geplant, und mit dem Unterbau ist dann im Jahr 2018 mit Hochdruck begonnen worden. Das war auf jeden Fall schon mal sehr gut. Wer in der letzten Zeit im Harz war, sieht: Es hat sich schon unglaublich viel getan. Aber es ist weiterhin eine große Herausforderung. Es ist eben auch nicht irgendeine Fläche, sondern man kann sagen, wir haben erhebliche standörtliche Nachteile. Also: Wir haben den Klimawandel zu verzeichnen. Die Möglichkeit, verschiedene Baumarten in höheren Lagen anzubauen, nimmt zu. Trotzdem gibt es eben die Spätfröste und den Schneebruch. Auch die Bodenerosion an den Hanglagen macht das Wiederbewalden nicht gerade einfacher. Insofern ist es richtig, dass man sich jetzt noch mal intensiv mit der Ausrichtung befasst. Wie geht es weiter? Was sind Erkenntnisse aus den letzten Jahren? Die Landesforsten knüpfen an das Walderneuerungsprogramm der 1990er-Jahre an, aber dieses muss eben auch weiterentwickelt werden. Die Dringlichkeit ist groß. Ziel ist es, standortgerechte, klimaresiliente Wälder möglichst neu zu begründen. Es geht um umfassende Schutzfunktionen, nicht nur nutzungsperspektivisch irgendwann mal wieder, und auch um Erholungsfunktionen. Das ist eine Riesenaufgabe. Ich glaube, wir müssen uns immer bewusst sein, dass gerade auch das Thema Hochwasserschutz sehr wichtig ist. Wir haben es in den letzten Jahren gesehen: Wenn, dann gab es Probleme da, wo Täler und Berge vorhanden sind und Wasser sich nicht so leicht andere Wege suchen kann. Das Wiederbewaldungsprogramm, das Waldumbauprogramm, an dem jetzt gearbeitet wird, wird dann im Verwaltungsrat der Landesforsten noch mal diskutiert und beschlossen werden. Davon gehe ich auf jeden Fall aus. Das ist wirklich ein ganz systematisch angelegtes Vorgehen zur Stabilisierung der Wälder und zur Entwicklung von laubwaldgeprägten Bergenmischwäldern. Dies vorausgeschickt, komme ich nun zur Beantwortung Ihrer Fragen. Zu Frage 1 ‑ Baumartenwechsel: Es soll, wie gesagt, im abgegrenzten biologischen Bereich des Harzes ein grundlegender Baumartenwechsel erfolgen. Ziel ist die Entwicklung von resilienten Bergmischwäldern aus Buche, Fichte, Bergahorn und Weißtanne, die sich nach Störungen aus sich selbst heraus regenerieren können. Das ist ja eigentlich das Ziel: Man pflanzt, man sät, und man unterstützt, aber irgendwann soll sich der Wald aus sich selbst heraus regenerieren können. In tieferen Lagen wird die laubbaumdominierte Variante des Bergmischwaldes aus Buchen-, Eichen- und Ahornarten dominieren. Das macht dann ungefähr die Hälfte des Harzes aus. Auf den ärmeren, höheren Standorten wird es aber weiterhin eine nadelbaumdominierte Variante des Bergmischwaldes geben. Letztendlich wird auf der Gesamtfläche des Harzes durch die Landesforsten ein Laubwaldanteil von zwei Dritteln angestrebt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das erreichen können. Mit Blick explizit auf die ehemaligen Fichtenflächen ist ein Laubwaldanteil von 50 % angestrebt. Das ist aber auf jeden Fall schon einmal eine große Verbesserung. Man darf ja eigentlich keine Grafiken hochhalten. Ich habe hier eine Grafik, die auf der einen Seite einfarbig und ansonsten sehr bunt ist. Ich werde sie nachher einfach mal herumgegeben. Daran wird deutlich, wie vielfältig der Wald in der Zukunft aussehen wird. Nun haben wir ja das LÖWE-Programm, und man könnte fragen: Warum brauchen wir jetzt noch ein neues Programm? Das LÖWE-Programm setzt im Grunde voraus, dass unter dem Schutz der bestehenden, etwas lichteren Baumschirme sozusagen im Schatten neuer Aufwuchs gedeihen kann. Das ist natürlich bei Freiflächen ziemlich schwierig: Da ist nichts mehr. Wir können froh sein, dass es lichtliebende Baumarten wie Birke, Aspe, Eberesche, Lärche und Kiefer gibt. Wenn Sie vor Ort sind, sehen Sie diese auch überall - vor allem Birke und Eberesche. Das ist ein Schritt zur Begrünung. Es geht aber auch um Pionierbaumarten, die dann wiederum das Wachsen anderer Baumarten begünstigen. Noch einmal zu den Laubbaumarten: Die Rotbuche wird dominieren. Wir haben Weichlaubbäume wie Eberesche, Birke und Weide für die schnelle Besiedlung. Wir haben Edellaubbäume. Das sind die Ahornarten und heimische Eichenarten, aber eben auch die eingebürgerte Roteiche zur Diversifizierung. Bei den Nadelbaumarten wird die Fichte gerade in den höheren Lagen weiterhin eine wichtige Baumart bleiben, bevorzugt als Mischung. Sie wird sich vor allem aus der Naturverjüngung entwickeln und dann in die Mischwälder integriert werden. Ich glaube, das muss man sich bei der Frage „Was wird jetzt wo gepflanzt?" klarmachen: Bestimmte Baumarten kommen durch Naturverjüngung besonders gut in Gang und haben da einen gewissen Vorsprung. Es wird aber in den ehemaligen reinen Fichtenwäldern auch Ergänzungen durch die Douglasie oder klimatolerante Baumarten wie die Weißtanne und die europäische Lärche geben. Ich glaube, das ist eine gute Zielsetzung. Zu Frage 2: Das Ganze kostet ja Geld und Personal, deshalb stellt sich die Frage: Wie sieht es damit aus, und wie sind die angedachten Kulturzeiträume? Man geht für Pflanzung und Saat von zehn Jahren aus. Das hängt aber natürlich sehr von den Rahmenbedingungen ab: Wie ist die Witterung? Wie ist die Verfügbarkeit von Pflanz‑ oder Saatgut? Bäume tragen ja auch nicht in jedem Jahr gleich viele Samen. Das heißt, die Verfügbarkeit ist sehr unterschiedlich. Auch die Frage der notwendigen Arbeitskräfte das wissen wir alle ist nicht immer ganz einfach zu beantworten. Grundsätzlich haben wir aber, glaube ich, eine gute Ausgangssituation, um in dieser Zeit 11 000 ha aktiv durch Bepflanzung und Saat zu verjüngen. Die übrigen Flächen sollen durch gesteuerte Naturverjüngung oder durch natürliche Sukzession wiederbewaldet werden. Natürliche Sukzession bedeutet, dass von alleine andere Baumarten auftreten und sich etablieren. Bis man dann soweit ist, dass man sagen kann, dass man annährend am Ziel der Strukturmaßnahmen ist, wird es aber bestimmt 25 bis 40 Jahre dauern. Ganz wichtig wird die Pflege der Jungbestände sein; das wird eine große Rolle spielen. Dabei geht es auch um das Stichwort „Wildtiermanagement". Wir haben ja immer mit Verbissschäden zu kämpfen. Zur Frage der Finanzen: Dabei stehen wir wirklich sehr, sehr gut da, auch im Vergleich mit anderen Bundesländern - so die Rückmeldungen, die ich bekomme. Wir haben dafür gesorgt, dass die Rücklagen für die Wiederbewaldung des Harzes gefüllt sind. Wir haben im ökologischen Teil des Wirtschaftsförderfonds 55 Millionen Euro für diesen Bereich sozusagen gebunkert. Die NLF hat 30 Millionen Euro an Rücklage und auch noch 20 Millionen Euro für den Umbau. Es geht ja nicht nur um Wiederbewaldung, sondern auch um Umbau. Das heißt, man kann auch auf diese 20 Millionen Euro, die noch im Raum standen, zurückgreifen. Insgesamt gibt es also 105 Millionen Euro, und das ist schon mal eine wirklich sehr gute Basis. Keiner weiß heute, wie viel es dann am Ende gekostet haben wird. Wir haben die hochpreisige Phase beim Holz genutzt. Es war zwar eine schwierige Zeit es gab mehr Schadholz, das bei den Landesforsten vermarktet werden musste, es gab aber sehr gute Holzpreise. Das Land hätte sehr leicht sagen können: Wunderbar, so viele Millionen! Wir haben immer gute Ideen! Das Geld bitte zurück in den Landeshaushalt! - Das ist aber nicht geschehen. An dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Dank an das Finanzministerium, dass wir zu einer Lösung gekommen sind, um die Rücklagen aufzufüllen und diese Mittel nicht für andere auch wichtige Dinge zu verwenden. Zu Frage 3 das habe ich schon angedeutet, zur Berücksichtigung des Regierungsprogramms LÖWEplus: Die Grundlage des Wiederbewaldungsprogramms und des Umbauprogramms bleibt weiterhin das bewährte LÖWEplus-Programm - einschließlich dazugehöriger Richtlinien für eine klimaangepasste Baumartenwahl. Das heißt, die 13 LÖWE-Grundsätze gelten wie bisher. Wir müssen aber auch schauen, an welchen Stellen zusätzliche Maßnahmen nötig sind. Ich habe es gerade schon erläutert: Die Freiflächen stellen uns natürlich vor ganz andere Herausforderungen. Insofern: Das ist wirklich eine gewaltige Aufgabe, die Jahrzehnte dauern wird. Ich glaube, man kann auch schon sagen: eine generationenübergreifende Aufgabe. Sie erfordert Mut, Weitblick, die notwendigen Ressourcen und ein gemeinsames Engagement von Politik, von Landesforsten und allen Beteiligten in diesem Bereich. Insofern: herzlichen Dank für die Anfrage! Das waren erst einmal die Antworten. Vielen Dank, Frau Ministerin. - Die erste Zusatzfrage kommt aus der Fraktion der AfD: von dem Kollegen Dannenberg.
