Christian Schroeder
Landesweite Katzenschutzverordnung einführen - Tierleid beenden, Kastration, Kennzeichnung und Registrierung zur Pflicht machen
Christian Schroeder (GRÜNE): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Vorweg, Herr Lechner, ich kann Wo ist er denn? Er ist gar nicht hier - schade! überhaupt nicht nachvollziehen, warum Sie sich gestern hier zusammen mit Frau Butter hingestellt und sich über unseren Katzenantrag und die anderen Tieranträge lustig gemacht haben. - Ja? - Aus unserer Sicht geht es hier um vermeidbares Leid von Tieren, und Sie amüsieren sich, wunderbar! Vizepräsidentin Sabine Tippelt: Das Wort hat jetzt Herr Schroeder. - Bitte! Sie haben das Wort. Christian Schroeder (GRÜNE): „Wir haben es hier mit einem erheblichen Tierschutzproblem zu tun.“ - Da kommt nichts, oder? Das Zitat stammt nämlich von ihrer ehemaligen Ministerin Otte-Kinast aus dem Jahr 2018. Und sie hat recht! Sie hat verdammt recht! Ich bin ihr auch sehr dankbar dafür, dass sie damals 200 000 Euro bereitgestellt hat, um entscheidende Maßnahmen einzuleiten. - Das ist ja völlig in Ordnung. Frau Otte-Kinast hat das Problem erkannt. Das darf man hier ruhig benennen, und dafür darf man auch Danke sagen. Danke schön dafür! Das war eine sehr gute Initiative und eine sehr gute Investition in die Zukunft. Das muss man einfach so sagen. Aber man hätte dann auch einen Schritt weitergehen und sagen können: Liebe Leute, lasst uns das Problem komplett angehen! Meine Damen und Herren, Sie alle kennen sicherlich diese Geschichten von Katzen, die auf einmal auftauchen. Sie laufen Ihnen über den Weg, sie sitzen vor der Terrassentür. Auf einmal sind sie da, und irgendjemand in der Nachbarschaft, der das Tier kennt, weiß auch zu 100 % und aus voller Überzeugung, dass dieses Tier kastriert ist und alles kein Problem ist. Wenn es registriert wäre, könnte schnell und einfach geklärt werden, ob es kastriert ist oder nicht. Ungefähr auf diese Art und Weise habe auch ich mit meiner Familie zusammen unsere Katze bekommen. Sie war auf einmal da. Der Nachbar sagt: Die ist kastriert. - Wenige Wochen später war der Nachwuchs da. - Doch nicht kastriert. Super! Und trotz der anfänglichen Skepsis meiner Hühner haben sich die Katze und ihr Nachwuchs im Hühnerstall recht schnell wohlgefühlt. Wir haben sie natürlich gechipt, kastriert, geimpft usw. Katzen, anders als Hunde, sind meist Freigänger. Sie erkunden ihre nähere Umgebung selbstständig, legen ihre Territorien untereinander fest und gehen oftmals auf mehrtägige Touren. Und ja, auch das: Sie gehen - trotz ausreichendem Angebot an Nahrung und Partnern im Hause - auf Suche, und das sehr erfolgreich. Freilaufende Katzen stören durch ihr Verhalten ihr natürliches Verhalten, muss man sagen die vielfältige heimische Vogelwelt. Sie scheuchen, gerade jetzt, in der Brut- und Setzzeit, brütende Vögel und Jungvögel auf, zerstören die Eier und die Nester. Dadurch werden u. a. Wachteln, Rebhühner, Kiebitze in der freien Landschaft, aber auch Nachtigallen, Rotkehlchen und Zaunkönige in den Wäldern gestört, und ihr Nachwuchs wird aktiv gefährdet. Anders als Hunde können Freigängerkatzen zur Brut- und Setzzeit nicht so einfach angeleint werden, wenn sie draußen sind. Es ist unbestreitbar: Freigängerkatzen und ihre unkontrollierte Fortpflanzung sind ein Problem für die heimische Vogelwelt. Diese Probleme benennen nicht nur wir als Grüne und als SPD, sondern das machen auch andere. Das sagen die heimischen Tierschutzverbände, das sagen die Tierheime in ganz Niedersachsen, und das sagt der Deutsche Jagdverband seit Jahren. Diese Probleme wollen wir mit dem heutigen Antrag angehen und dabei nicht nur den Wildtierschutz, sondern auch die artgerechte Haltung der Katzen sowie die Interessen von Katzenhalterinnen und -haltern schützen. 575 000 Katzen sind in Niedersachsen registriert. Die Dunkelziffer wird weitaus höher sein. Sprechen wir einmal von 2 Millionen Personen in Niedersachsen, die in irgendeiner Weise mit Katzen zu tun haben. Das ist kein irrelevantes Thema, das wir hier besprechen. Mindestens 120 000 dieser Katzen sind nicht kastriert - mit entsprechenden Folgen. Hinzu kommen schätzungsweise 200 000 wildernde, freilebende Hauskatzen. Durch eine Kastrationspflicht von Freigängerkatzen reduzieren wir den Druck auf unsere heimische Vogelwelt. Wir kommen weiter der unkontrollierten Fortpflanzung zuvor, und das Ganze ohne eine Beschneidung in der artgerechten Haltungsweise der Katze. Wir reduzieren die Anzahl verwahrloster und aufgegriffener Hauskatzen. Wir entlasten damit die Tierheime und Tierauffangstationen, die weiß Gott momentan ganz andere finanzielle und personelle Probleme haben und an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Meine Damen und Herren, ich komme zum Ende. Ich hoffe, Sie begleiten diesen Antrag mit uns zusammen im Verfahren konstruktiv und lassen diese Versuche, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Danke schön. Vizepräsidentin Sabine Tippelt:
