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Marie Kollenrott

GRÜNE 19.06.2024 6:27 min Tagungsabschnitte 19/17

Volle Energie für Niedersachsen - Smart Grids als sinnvolle Unterstützung zum Netzausbau fördern

Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Werte Kolleg*innen! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist ja sehr schön, dass es bei diesem technischen Thema launig ist, Herr Pohlmann, das freut mich ungemein. Niedersachsen ist klimaneutral. - Nein! Das würde ich als klimapolitische Sprecherin zwar sehr gerne verkünden, doch so weit sind wir leider noch nicht. Doch wir haben einen wichtigen Meilenstein erreicht ‑ das wurde auch schon gesagt ‑: Unsere niedersächsische Stromversorgung wurde 2023 erstmals bilanziell zu 100 % aus erneuerbaren Energien gedeckt, dank starker Solar- und vor allem Windenergie in unserem Land. Doch dieser Erfolg rot-grüner Politik bringt auch Herausforderungen für das Stromnetz mit sich, denn Sonne und Wind sind nun mal nicht konstant. Wer jetzt aber nach der Rückkehr der Grundlastkraftwerke schreit und den Ausstieg aus der teuren und unverantwortlichen Atomkraft bejammert, ist eindeutig von gestern. Denn Sonne und Wind sind überlegen, günstig und produzieren weder klimaschädliche Abgase noch radioaktiven Müll als bittere Hypothek für die nachfolgenden Generationen. Stattdessen gilt es, die Stromnetze zukunftsfähig zu machen und auf die Volatilität der Stromerzeugung und die passgenaue Stromversorgung einzustellen. Es gilt, den Strom möglichst dann zu verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden ist. Auch das hat mein Kollege schon gesagt. Dafür brauchen wir ein flexibles, effizientes und dezentrales Energiemanagement, das den Verbrauch in Echtzeit optimiert und an die Energieerzeugung anpasst. Smart Grids sind mehr als moderne Stromnetze. Sie sind intelligente Energieökosysteme, in denen Informations- und Kommunikationstechno­logien nahtlos miteinander verschmelzen. Solche Technologien endlich flächendeckend zu nutzen, ist unserer Zeit mehr als angemessen. Durch die Integration von Smart Grids können wir die Flexibilität und Effizienz unseres Energiesystems erheblich steigern. In Zeiten hoher Stromproduktion können Energiespeicher geladen und flexible Verbraucher, wie Wärmepumpen, aktiviert werden. Wird die Wärme gerade nicht benötigt, kann sie kostengünstig in Wärmespeichern zwischengelagert werden. Solche Sektorkopplungen sind ein oft übersehener, aber bedeutender Baustein für die Lösung der Speicherproblematik - ob im Kleinen auf Ebene von Einfamilienhäusern oder im Großen im Rahmen kommunaler Wärmeplanungen. In Phasen niedriger Stromproduktion könnte dagegen Energie aus dezentralen Speichern, etwa aus Fahrzeugbatterien, dem Netz zugeführt werden, oder Stromverbraucher wie beispielsweise Kältetechnikanlagen reduzieren in diesen Phasen ihre Leistung. Diese intelligente Steuerung entlastet das Netz und ermöglicht es den Bürgerinnen und Bürgern, durch gezielteres Verbrauchsverhalten von günstigen Strompreisen zu profitieren, sofern Messtechnik und entsprechende Vertragsmodelle denn zur Verfügung stehen. Unser Ziel muss es daher sein, dass jeder Haushalt langfristig Teil eines intelligenten Netzes wird. Mit dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende hat Robert Habeck mit seinem Ministerium auf Bundesebene dafür eine wichtige Voraussetzung geschaffen. Nun gilt es, die Verbraucher*innen in ihrem Recht auf Smart Meter zu stärken und den Smart-Meter-Rollout ‑ auch der Begriff ist schon gefallen ‑ intelligent zu flankieren. Dagegen bringt es uns in der Sache nicht weiter, Kosten von den Netzbetreibern auf die Verbraucher*innen abzuwälzen, wie aus meiner Sicht, wenn ich ihn richtig verstanden habe, der CDU-Entschließungsantrag fordert. Höhere Stromkosten, wie sie dadurch für die Verbraucher*innen entstehen würden, kann doch im Moment wirklich niemand wollen! Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf: Ich finde den Antrag auch generell etwas dünn. Dabei hätte es zum Thema, wie ich finde, viele weitere Aspekte gegeben. Wie Sie richtig vermuten, bleiben wir also bei unserem sehr guten und umfänglichen Antrag. Wir werden uns natürlich aber der Diskussion auch im Ausschuss nicht verwehren, denn es hat ja gute Tradition im Umweltausschuss, dass wir im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und der Demokrat*innen auch mal an einem Strang ziehen. Beispielsweise helfen Smart Meter dann bei der Verbrauchsflexibilisierung, wenn gleichzeitig attraktive dynamische Stromtarife flächendeckend angeboten werden. Solche Tarife ermöglichen es Haushalten, ihren Stromverbrauch an besonders produktive Phasen der erneuerbaren Energien zu koppeln und so von niedrigen Strompreisen zu profitieren. Gleichzeitig wird das Stromnetz entlastet, und produktive Erzeugungsphasen werden effektiver genutzt. Mit einer PV-Anlage auf dem Dach und einem Elektroauto vor der Tür wird es besonders spannend, wenn die Batterie des Autos als Pufferspeicher denn auch genutzt werden kann - nicht nur für die Besitzer*innen, die zumindest im Sommerhalbjahr mit solch einer Kombination nahezu autark werden könnten, sondern auch für das Stromnetz als Ganzes. Bereits heute sind in zugelassenen Elektroautos auf Deutschlands Straßen über 100 GWh Speicherkapazität verbaut. Das ist bereits zweieinhalbmal mehr Speicherkapazität als in allen Pumpspeicherkraftwerken der Bundesrepublik zusammen. Und die Mobilitätswende zur Elektromobilität steht bekanntlich noch am Anfang. Doch das Potenzial verpufft bislang, denn die wenigsten auf dem Markt verfügbaren Modelle erlauben bidirektionales Laden ‑ auch das wurde schon gesagt ‑, obwohl dies technisch ja möglich wäre. Hier ist es an der Zeit, voranzuschreiten, beispielsweise durch die Schaffung schnittstellenkompatibler Standards für das bidirektionale Laden. Mit dem rot-grünen Entschließungsantrag zur Förderung von Smart Grids wollen wir einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen, effizienten und zukunftsorientierten Energiepolitik machen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Niedersachsen als Energiewendeland Nummer eins auch Vorreiter in der Nutzung intelligenter Energienetze wird und somit auch hiermit einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leistet. Wir freuen uns auf die Beratung im Umweltausschuss und beantragen hiermit die Mitberatung auch im Wirtschaftsausschuss. Vielen Dank. Frau Kollenrott, ich frage jetzt noch mal nach,

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