Dr. Frank Schmädeke
Aktuelle Zahlen melden und umgehend den guten Erhaltungszustand feststellen lassen: Beim Wolfsmanagement endlich den Turbo zünden!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Bezug nehmend auf das letzte Plenum möchte ich Sie, Frau Präsidentin, beruhigen. Ich habe im Vorfeld dieser Rede zwar viele Anschauungsobjekte zum Thema Wolfsrisse zugeschickt bekommen. Aber ich werde darauf verzichten, dieses Rednerpult mit gerissenen Tieren zu drapieren. Ich werde heute versuchen, mit meinen Worten zu überzeugen. Meine Damen und Herren, Sie erinnern sich sicherlich noch an die erfreulichen Nachrichten aus Brüssel, die wir Anfang September gehört haben. Die EU-Kommission wollte den strengen Schutzstatus des Wolfs überdenken - man höre und staune! Sie wollte aktuelle Daten über die Wolfspopulation und mögliche Gefahren sammeln, um zu prüfen, wie der Schutzstatus verändert werden könnte. Sie wollte lokale und nationale Behörden auffordern, Maßnahmen zu ergreifen, wo immer dies erforderlich ist. Sie erinnern sich darüber hinaus vielleicht auch noch an die Ankündigung unserer Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die Abschüsse von Problemwölfen schneller zu ermöglichen, insbesondere wenn Wölfe Nutztiere gerissen hätten. Und, meine Damen und Herren, Sie erinnern sich sicherlich auch noch an die Worte und den Sinneswandel unseres Umweltministers Christian Meyer, der eine rasche Entnahme von Problemwölfen befürwortete. Das alles klang doch sehr vielversprechend, nicht wahr? Das klang nach einem Lichtblick für alle Weidetier- und Pferdehalter in Niedersachsen. Das klang nach einem ersten Schritt in die richtige Richtung. Doch was ist seitdem passiert? Was ist aus diesen guten Absichten geworden? Das fragen alle Weidetierhalter, auch in Rodewald. Da war ich entschuldigt, weil die wussten, ich spreche heute hier zu diesem Thema, ich trage das ins Plenum, wo Entscheidungen getroffen werden können. - Nichts ist passiert! Nichts hat sich geändert! Nichts hat sich verbessert! Denn, meine Damen und Herren, gezielte Einzelentnahmen wurden bereits in der letzten Legislaturperiode unter Schwarz-Rot gegen den seinerzeit erklärten Willen unseres heutigen Umweltministers umgesetzt. Das wissen Sie. Die einzige Neuigkeit zum Thema Wolf in den vergangenen Tagen war, dass ein Gericht untersagt hat, den hannoverschen Wolf zu entnehmen, der bereits zweimal Ponys bzw. Pferde gerissen hat. Meine Damen und Herren, das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die unter dem Wolf leiden. Das ist ein Armutszeugnis für unsere Politik. Ja, das ist ein Skandal. Meine Damen und Herren, so geht es nicht! Wir alle wissen: So können wir eigentlich auch nicht weitermachen. Wir brauchen keine leeren Versprechungen. Wir brauchen keine falschen Hoffnungen. Wir brauchen keine Zeitungsmeldungen. Wir brauchen Taten. Wir brauchen Lösungen. Wir brauchen Ergebnisse. Und die brauchen wir jetzt! Deshalb haben wir unseren Antrag eingebracht, der fordert, dass wir aktuelle Zahlen melden, damit umgehend der gute Erhaltungszustand des Wolfs festgestellt ist, damit wir über die propagierte schnelle Einzelentnahme hinaus endlich den Turbo beim Wolfsmanagement zünden können, Herr Minister, damit wir endlich unsere Nutztiere und unsere ländliche Kulturlandschaft effektiv schützen können. Meine Damen und Herren, die Zahlen sprechen für sich. Die Zahlen zeigen, wie dringend wir handeln müssen. Die Zahlen zeigen uns, wie angespannt die Lage ist. Der aktuelle Bericht des Wolfsmonitorings der Landesjägerschaft zum dritten Quartal 2023 befasst sich mit insgesamt 2 010 Meldungen im Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. September 2023. Das sind mehr als fünf Meldungen für Wolfssichtungen pro Tag. Das sind offensichtlich mehr Wölfe, als wir in Niedersachsen vertragen können. Es wurden 55 Wolfsterritorien mit 50 Wolfsrudeln, vier Wolfspaaren und einem residenten Einzelwolf für Niedersachsen offiziell nachgewiesen - 50 Wolfsrudel, meine Damen und Herren, eine sich ausbreitende und anwachsende Population, die ein exponentielles Wachstum aufweist. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2022 waren es 38 Rudel, 2 Paare und 4 Einzelwölfe. Meine Damen und Herren, die Folgen sind verheerend: 107 Übergriffe ‑ Herr Queckemeyer hat eben ähnliche Zahlen genannt; ich nenne sie jetzt aber nur für diese drei Monate ‑ auf Nutztiere wurden in diesen 92 Tagen dokumentiert. 317 Tiere wurden getötet, 131 verletzt, und 22 gelten als verschollen. Das sind 3 getötete Nutztiere pro Tag. Das sind definitiv 3 Tiere zu viel pro Tag! Was tun wir nun dagegen? Was tun wir, um unsere Nutztiere und damit die Pflege unserer ländlichen Kulturlandschaft zu schützen? Was tun wir, um unsere Bürgerinnen und Bürger zu beruhigen? - Wir reden, diskutieren und debattieren an sogenannten Runden Tischen. Aber wir handeln nicht, wir lösen nicht, und wir entscheiden nicht. Das ist unverantwortlich. Das ist fahrlässig. Das ist auch nicht im Einklang mit dem europäischen Recht. Denn das europäische Recht erlaubt uns, den Wolf zu regulieren, zu kontrollieren und zu managen. Das europäische Recht erlaubt uns, den Wolf zu entnehmen, wenn er eine Gefahr für Nutztiere oder Menschen darstellt. Das europäische Recht erlaubt uns, den Wolf zu entnehmen, wenn er einen günstigen Erhaltungszustand erreicht hat. Und das hat er, meine Damen und Herren. Das hat er längst. Das bestätigen unsere eigenen Daten und die Daten anderer europäischer Länder, die ebenfalls unter dem Wolf leiden. Das bestätigen unsere eigenen Experten und die Experten der EU-Kommission, die den Schutzstatus des Wolfs überdenken wollen. Deshalb fordern wir, dass wir diese Fakten, diese frischen Fakten anerkennen, dass wir die Fakten melden, dass wir die Fakten nutzen, Herr Minister, dass wir endlich den guten Erhaltungszustand des Wolfes feststellen lassen, dass wir endlich den strengen Schutzstatus des Wolfs aufheben, dass wir endlich den Wolf als regulierbares Wildtier behandeln, dass wir endlich den Turbo beim Wolfsmanagement zünden, Herr Minister. ‑ Jetzt kommt das Letzte. Ich bin gleich durch, Frau Präsidentin. Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, unseren Antrag zu unterstützen. Ich bitte Sie, ein Zeichen zu setzen. Ich bitte Sie, ein Signal zu senden, ein Zeichen für unsere Nutztiere und für unsere ländliche Kulturlandschaft, ein Zeichen für unsere Bürgerinnen und Bürger. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
