Miriam Staudte
Den Bestand des Europäischen Mufflons in Niedersachsen erhalten: Konsequenter Naturschutz setzt aktives Wolfsmanagement voraus!
Frau Ministerin Miriam Staudte. Bitte schön, Frau Staudte! Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist ja wirklich eine lebhafte Debatte. Der Unterhaltungswert ist durchaus gegeben. Ich vermisse so ein bisschen Zahlen, Daten, Fakten. Es gab ja im Ausschuss auch eine Anhörung, bei der viel präsentiert worden ist, was die Zusammenhänge angeht. Das ist hier leider nicht aufgegriffen worden. Es ist ganz klar, die Wildtiererfassung der Landesjägerschaft zeigt: Da, wo der Wolf sich ausbreitet, nimmt das Muffelwild stark ab bzw. verschwindet ganz. Es ist auch dargelegt worden, dass das damit zu tun hat, dass das artgemäße Fluchtverhalten ‑ das haben die Vorredner schon dargestellt ‑ eben nicht zur Landschaft hier passt. Die Muffel kommen eigentlich von Korsika und von Sardinien ‑ bekanntermaßen sehr gebirgige Gelände ‑ und haben eben das Fluchtverhalten: kurze Strecken, hochklettern. Deswegen kann das hier nicht funktionieren. Wenn nun gesagt wird, es geht um eine heimische Tierart, dann erwecken Sie hier den Eindruck, dass Sie vor allem aufgrund des Artenschutzes interessiert sind. Aber wenn wir doch mal ehrlich sind: Klar, es ist aus jagdlicher Sicht ein Verlust, wenn das Mufflon hier verschwindet. Das Wildschaf liefert schmackhaftes Wildbret und hat auch ein sehr imposantes Gehörn, die Schnecken, die sich jeder ambitionierte Jäger wahrscheinlich gerne an die Wand hängen möchte. Aber dann sagen Sie doch, dass es Ihnen darum geht, dass es aus jagdlicher Sicht schade ist, dass diese bejagbare Wildart hier vermutlich langfristig verschwinden wird. Und schieben Sie nicht den Artenschutz vor und tun so, als ob das Ihr großer Ansatz wäre und Sie deswegen in großer Sorge sind. Das Damwild können Sie immer wieder erwähnen, Herr Dorendorf, aber da geht es nicht um die Frage „Ausrottung - ja oder nein?“. Wir müssen doch anerkennen: Trotz der vielen Probleme, die der Wolf uns allen bei der Weidetierhaltung beschert, hat er auch eine wichtige Funktion im Ökosystem. Wenn Schalenwildbestände insgesamt reduziert werden, dann hat das auch Vorteile. Sie alle wissen, dass der Umbau des Waldes, die Verbissschäden, die Fegeschäden usw. oft mit großen Problemen verbunden sind. Insofern können Sie sich hier nicht einfach ein Thema herauspicken, es aufbauschen und somit versuchen, eine Gleichsetzung herzustellen ‑ eine Tierart verschwindet, die andere kommt ‑, und dabei vergessen, dass das eine, nämlich der Wolf, eine heimische Tierart ist und das Muffelwild nun mal erst 1903 hier eingeführt worden ist - zu jagdlichen Zwecken und nicht, um die Artenvielfalt hier auszuweiten. Insofern ist es vollkommen richtig, dass die Landtagsmehrheit diesen Antrag ablehnt.
