Philipp Meyn
Lehrkräfteausbildung praktisch und vernetzt denken - Qualität stärken, Fachkräftemangel bekämpfen!
yn! Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eben kam zumindest zum Ausdruck, dass grundsätzlich gesagt wird: Gute Ausbildung unserer Lehrkräfte ist wichtig für gute Schule. - Das alles ist aber recht phrasenhaft. Wir sind da deutlich konkreter und gänzlich pragmatisch unterwegs. Dieser Pragmatismus zeigt sich, wenn man sich beispielsweise halbjährlich mit den Studienseminaren aus Gymnasium, Grund-, Haupt- und Realschule und Sonderpädagogik zusammensetzt. Es ist ganz spannend, was in diesen Diskussionen zum Tragen kommt. Da wird nämlich gerade von den Referendarinnen und Referendaren für das Lehramt am Gymnasium gesagt, dass sie sich eigentlich eine Ausweitung des Referendariats auf 24 Monate wünschen, da sie sich nicht sofort bereit fühlen, eigenverantwortlich zu unterrichten. Es ist also dieser Praxisschock. Das Wort ist nicht gefallen, aber es wurde dort sehr deutlich: Sie fühlen sich nicht gewappnet. Das ist ein schwieriger Befund, wenn man fünf Jahre ausgebildet wurde. Dann kamen aber die Kolleginnen und Kollegen aus dem GHR-Bereich und haben gesagt, das gehe ihnen gar nicht so, sie seien bereit zu unterrichten. Wenn man sich jetzt anschaut, wie es in Niedersachsen läuft, ist das auch nachvollziehbar. Im GHR-300-Bereich so nennt man dieses Studium des Lehramts für Grund-, Haupt- und Realschule ist ein Langzeitpraktikum mit einer Dauer von 18 Unterrichtswochen an einer allgemeinbildenden Schule enthalten. Im Praxisblock führen die Studierenden Unterrichtssequenzen durch. Dabei werden sie von Mentorinnen und Mentoren der Praktikumsschule betreut, die dafür auch Ressourcen erhalten. Darüber hinaus sammeln die Studierenden an ihren Schulen Erfahrungen im allgemeinen Schulleben, Ganztag etc. All diese Bereiche werden dort kennengelernt. Die Schlussfolgerung ist das kommt in diesem Antrag zum Ausdruck, die praktische Kompetenz stärker im Studium anzulegen. Diesen Praxisschock durch mehr Praxis im Lehramtsstudium zu verhindern funktioniert. Dieses Erfolgsmodell wollen wir jetzt flächendeckend für alle Lehrämter in Niedersachsen einführen. Die GEW ist da inhaltlich auch gut unterwegs. Die Studie hat die Notwendigkeit zum Ausdruck gebracht. Die Zahlen sind schon interessant: 84 % der angehenden Lehrkräfte fühlen sich nicht ausreichend gerüstet. Unser Anliegen ist es, Studierende an die grundlegenden Anforderungen des Lehrerberufs von Beginn an heranzuführen und sie beim Rollenwechsel zur Lehrkraft zu begleiten. Da die Studierenden selbst noch Lernende sind, ist während des Studiums sicherzustellen, dass praktische Erfahrungen im Unterricht sowie an Schule generell stets mit Begleitung bzw. Unterstützung erfolgen können. Sehr geehrte Damen und Herren, deswegen kommt die Praxis in diesem Entschließungsantrag so stark zum Ausdruck, aber auch die Vernetzung. Die Vernetzung ist entscheidend das haben meine Vorrednerinnen und Vorredner auch deutlich gemacht, wenn man sieht, dass die erste Phase des Studiums mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen wird und es dann in das Referendariat geht, das dann mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird. Wir erfahrene Parlamentarier hören dann sofort heraus, dass zwei Häuser betroffen sind. Wenn zwei Häuser betroffen sind, dann ist so schön und wohltuend, wie gut MK und MWK dort zusammenwirken und gemeinsam an einer Verbesserung arbeiten. Insofern konnte ich vielen Punkten, die Sie vorgebracht haben, so nicht folgen, sehr wohl aber dem Antrag, dass natürlich auch der Ausschuss für Wissenschaft und Kultur in dieser Sache mitberät. Ein wichtiger Punkt ist nämlich, dass man vernetzt denken muss. Das Studium muss auf der einen Seite neu aufgestellt werden, aber auch das Referendariat muss innoviert werden. Wenn wir hören, dass immer noch Referendarinnen und Referendare sagen, sie fühlen sich dadurch nicht empowert, nicht gestärkt, sondern teilweise gebrochen, dann gibt das zu denken. Dann muss man schauen, dass man dort Strukturen schafft, um die Referendarinnen und Referendare zu stärken, und auch kleine Maßnahmen vornimmt. Meines Erachtens ist es nicht nachvollziehbar, dass im Referendariat für das Lehramt am Gymnasium immer noch eine Facharbeit geschrieben werden muss. Nein, die sollen sich aktiv mit ihren Schulklassen auseinandersetzen und dort möglichst effektive, effiziente Unterrichtsvorbereitungen erarbeiten etc. pp. Eine Arbeit ist dort absolut nicht mehr angebracht. Ich komme zu einem weiteren Punkt, der heute auch schon zur Sprache gekommen ist. Die Koalition ist dabei, vieles einfacher und schneller zu machen. So ist doch auch dieser Punkt 2 zu verstehen, nämlich „das Lehramt an Haupt- und Realschulen in ein,Lehramt der Sekundarstufe I' umzugestalten". Ich glaube, Sie wollten das einfach missverstehen, oder Sie haben es nicht verstanden. Das lässt sich dann im Ausschuss diskutieren. Hier werden einfach Hürden beseitigt, die auch gar nicht im Sinne der Studierenden sind. Man weiß als junger Mensch doch noch gar nicht, wo genau man später unterrichten möchte. Wenn man jetzt „Lehramt der Sekundarstufe I" beginnt, dann ist das doch wesentlich besser, weil man wesentlich mehr Optionen hat. Das ist auch keine Einheitsschule. Es war wirklich abwegig, Herr Reinken, diesen Schluss zu ziehen. Da könnten Sie sich mit meinem Vorredner der AfD die Hand geben, der auch genau diesen falschen Schluss aus diesem Punkt gezogen hat. Das ist schlichtweg falsch. Also: einfacher und schneller. Wir wollen schneller Lehrkräfte gewinnen, indem wir auch zusätzliche Wege ins Lehramt ermöglichen. Lena Nzume hat das sehr gut gesagt. Wir wollen den Quereinstiegs-Masterstudiengang schnell aufnehmen. Auch hier liegen die Vorteile auf der Hand: Die Flexibilität, die Durchlässigkeit des Bildungssystems werden deutlich; denn auch Personen, die bislang noch in einem anderen Beruf sind, können mit diesem Masterstudiengang wirklich inhaltlich tiefgründig fit gemacht werden für das Lehramt und nach diesen vier Semestern direkt in das Referendariat gehen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ein weiterer Punkt ist uns sehr wichtig bei der Lehrkräfteausbildung, nämlich auch den Bereich der Sonderpädagogik mitzudenken. Denn im Austausch mit den Seminaren in Lüneburg kommt auch immer wieder zum Ausdruck, dass es zu wenig Referendarinnen und Referendare in diesem Bereich gibt. Hier müssen wir aktiv werden. Ich befürchte, es reicht eventuell nicht mehr, das lediglich in Oldenburg und Hannover anzubieten. In der Fläche fehlen die Fachkräfte. Genau so ist es zu verstehen, dass wir an allen Universitäten Wege auch in die Sonderpädagogik aufzeigen wollen. Gerade im Bereich Lernen und sozial-emotionale Entwicklung haben wir dort Möglichkeiten, viel mehr zu befähigen. Da kann ich auch wirklich sagen, Herr Kollege von der AfD: Ja, da wollen wir eine Einheitlichkeit. Ja, wir wollen einheitliche Kompetenzen dieser Lehrkräfte, damit allen Kindern vor Ort geholfen werden kann. Denn diese Einheitlichkeit ist einfach ein großer Gewinn für alle Schulen und alle Lehrerkollegien. Die Aktivposten in Schule wollen wir stärken. Mein Dank geht auch an all diejenigen, die in der Universität, in den Studienseminaren und auch an den Ausbildungsschulen tolle Leistungen bringen und sich in der Weiterentwicklung des Lehrernachwuchses einbringen. Diese Reform, die wir jetzt anstrengen, die wir natürlich im Ausschuss auch noch weiter diskutieren, wird sich nicht direkt morgen, richtig gemacht aber übermorgen auszahlen. Dieses Zukunftsthema geht Rot-Grün jetzt kraftvoll an: schneller, einfacher nur nicht günstiger; denn an der Bildung unserer Kinder und Jugendlichen werden wir nicht sparen. Herzlichen Dank.
