Philipp Meyn
Gewaltausbrüche bei Amateurfußballspielen - Lagebild präzisieren - Gewalttäter aus dem niedersächsischen Amateurfußball entfernen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Marzischewski, Sie haben gesagt, dass Sie bislang kein Spiel verloren haben. Da muss ich sagen: Das eben war eine krachende Niederlage. Ich beziehe mich da nicht nur auf die Rede, die Sie eben gehalten haben, sondern auch auf Ihr Grußwort im NFV-Heft. Und da sagen Sie, Fußballprofessor Marzischewski: Es braucht die Rückbesinnung auf alte deutsche Werte, um wieder Erfolge zu erzielen. Das bedeutet: Sie setzen auf Libero, Vorstopper und rechten Läufer. Ich sage Ihnen: Damit werden Sie zukünftig international keinen Blumentopf gewinnen. Aber jetzt kümmern wir uns auch noch mal um das Schöne im Sport, im Fußballsport. Es ist ein Ort der Bewegung. Es erfreut uns ja alle, wenn wir an Trainingstagen und am Wochenende auf den Plätzen sind und sehen, wie die Mädchen und Jungen dort toben. Das ist eine Leistung, die der Fußball zustande bringt. Da kommt es zu Begegnungen über kulturelle und auch soziale Grenzen hinweg. Der Fußballplatz ist einfach ein Ort der Begegnung aller Altersgruppen unterschiedlicher sozialer und kultureller Zugehörigkeit, und er ist ein Ort, wo Teamgeist und der sportlich faire Wettkampf gelernt und gelebt werden. Mitunter werden aber auch Regeln gebrochen. Es kommt zu Beleidigungen und Tätlichkeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass gegenüber den Schiedsrichtern beim Fußball ‑ das muss man als Fußballer selbstkritisch sagen ‑ im Vergleich zu anderen Sportarten ein anderes Autoritätsverständnis vorherrscht. Unter uns hier im Raume: Auch ich habe mich in den letzten Jahrzehnten als Spieler und Zuschauer nicht immer nur vorbildlich verhalten. Insofern sollten wir alle erst mal schauen, wie wir uns selber dort besser präsentieren können, und nach einem Spiel zum Schiedsrichter gehen und uns einfach für den ehrenamtlichen Einsatz bedanken; denn ohne Schiedsrichter kein Amateurfußball. Also Dank an dieser Stelle! Die Situation bei einigen Fußballspielen war früher und ist aktuell gelegentlich eskalierend. Das verschweigt auch gar keiner; erzählen Sie doch keine Märchen. Diesen Aspekt greifen Sie jetzt auf und bemühen dann mal wieder Ihr bekanntes Muster. Mit Unterstellungen gegenüber Migranten soll ein Keil in unsere Gesellschaft und auch ein Keil in unsere Sportfamilie getrieben werden. Das geschieht ‑ das wurde ja schon angesprochen ‑ auf der Grundlage einer Bachelorarbeit aus dem Jahre 2014. In diesem gesamten Antrag sucht man Bezüge zu unserem Bundesland und zum Niedersächsischen Fußballverband aber vergebens. Dieser Antrag, meine Herren von der AfD, hat nicht einmal Kreisklasseniveau. Deswegen ist es wichtig, uns einmal anzuschauen, wie die Situation im niedersächsischen Fußball ist. Seit 2015 sind Schiedsrichter aufgefordert, über Gewalt oder Diskriminierung zu berichten; denn sonst ist dieser Spielbericht überhaupt nicht abschließbar. Hier wird also gar nichts vertuscht, und hier wird bereits gehandelt. Erzählen Sie bitte keine Märchen. Es ist schon ein starkes Stück, wenn Sie von der AfD der Spruchpraxis der ehrenamtlichen Sportgerichte misstrauen. Das entnimmt man dem Antrag ganz deutlich. Ein Verbandsausschluss von Spielern ist möglich und in einigen Fällen wohl auch unumgänglich. Aber wollen wir das sofort? Was passiert mit einem Jugendlichen, der seine Mannschaft, seine Leidenschaft aufgeben muss? Ich habe dazu mit Vertretern des Niedersächsischen Fußballverbandes gesprochen. Eine ganz wichtige Aussage von ihnen war: Wir können über die vergangenen drei bis vier Saisons keine quantitative Zunahme von Gewalttaten im Fußball feststellen. Wichtig zu lesen ist auch die Rahmenkonzeption „Sicherheit bei Fußballspielen niedersächsischer Vereine im Amateurbereich“ von Polizei und NFV. Festgehalten werden dort Ereignisse, die polizeilich bekannt geworden sind und zu einem polizeilichen Einsatz geführt haben. Ich zitiere aus der schriftlichen Unterrichtung des Ministeriums für Inneres und Sport: In Niedersachsen war dies in der vergangenen Saison 22/23 16-mal der Fall. Im Verhältnis zu insgesamt sage und schreibe 162 000 Fußballspielen ist das eine Anzahl, die statistisch eher als unauffällig anzusehen ist. Herr Meyn, lassen Sie eine Zwischenfrage von Herrn Bothe zu? Ja, bitte.
