Anne Kura
Niedersachsens Biotopverbund stärken und der Biodiversitätskrise begegnen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe KollegInnen! Morgen ist der Internationale Tag der biologischen Vielfalt. Wir sprechen heute hier über ein ganz zentrales Thema, das mir persönlich und als naturschutzpolitischer Sprecherin meiner Landtagsfraktion sehr am Herzen liegt. Denn zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie ihre Lebensräume in Niedersachsen sind gefährdet. Die Biodiversitätskrise ist keine abstrakte Bedrohung, sondern eine reale Gefahr für unsere Lebensgrundlagen. Grund ist die fortschreitende Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungsbau, Infrastrukturprojekte und intensive landwirtschaftliche Nutzung. Das führt nicht nur dazu, dass viele Arten Lebensräume verlieren, sondern auch dazu, dass sie sich nicht mehr gut zwischen den verbleibenden Lebensräumen bewegen und fortpflanzen können. Das schwächt nicht nur die genetische Vielfalt, sondern auch die Stabilität unserer Ökosysteme. Deswegen ist es wichtig, dass wir da gegensteuern. Was wir da brauchen, sind wenn man sich das bildlich vorstellen möchte Brücken. Genau das leistet der Biotopverbund. Hecken, Uferstreifen, Waldränder oder auch einzelne kleine Gebiete als sogenannte Trittsteine bilden den Biotopverbund. Sie machen aus den einzelnen Schutzgebieten ein lebendiges Netzwerk. Niedersachsen hat sich mit dem „Niedersächsischen Weg" dazu verpflichtet, diesen Biotopverbund auf 15 % der Landesfläche und 10% der Offenlandfläche zu sichern; darauf habe ich heute Morgen schon kurz hingewiesen. Das ist jetzt schon mehrere Jahre her, aber erreicht ist dieses Ziel noch nicht. Deswegen ist es ganz entscheidend, dass wir das klare politische Signal setzen, dass der Biotopverbund jetzt unverzüglich realisiert wird, und dass wir das mit konkreten Maßnahmen hinterlegen. Daran wurde gearbeitet. In der AG Naturschutz des „Niedersächsischen Weges" wurde ein Konzept zur Bilanzierung des landesweiten Biotopverbunds und der Biotopvernetzung entwickelt: Was gehört alles dazu? Was ist da besonders wertvoll? Außerdem hat der NLWKN im April 2025 einen Förderratgeber zur Umsetzung veröffentlicht. Jetzt geht es darum, gemeinsam mit den Kommunen, mit den Beteiligten aus Land- und Fortwirtschaft und mit den Umweltverbänden die jeweiligen Konzepte für den Biotopverbund weiterzuentwickeln. Vor allen Dingen geht es darum, diesen Biotopverbund jetzt umzusetzen. Dazu gehört auch, dass der Biotopverbund im Landes-Raumordnungsprogramm planungsrechtlich verbindlich verankert wird und dass die Kommunen unterstützt werden: mit Fördermaßnahmen, bei der Sicherung im Rahmen von Regionalen Raumordnungsprogrammen oder der Bauleitplanung, mit Praxisleitfäden, Best-Practice-Beispielen und Arbeitshilfen. Wo eine anderweitige Sicherung nicht möglich ist, soll es auch möglich sein, Flächen für die Zwecke des Biotopverbunds anzukaufen oder langfristig in den Vertragsnaturschutz zu überführen. Denn es geht jetzt darum, die wertvollen Flächen für den Naturschutz zu sichern. Das muss Hand in Hand mit Land und Kommunen, mit den Beteiligten aus den Umweltverbänden und der Landwirtschaft stattfinden, wie es in Niedersachsen mittlerweile gute Praxis ist. Denn wir dürfen jetzt wirklich keine weitere Zeit verlieren. Deswegen freue ich mich auf die weiteren Beratungen.
