Philipp Meyn
Schwimmen lernen - Leben retten. Flächendeckende Unterstützung beim Schwimmenlernen
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu später Stunde und doch noch hohen Temperaturen jetzt ein erfrischender Antrag: Es geht um das Schwimmenlernen und das Lebenretten. Wir haben es an Pfingsten erlebt: Die Badeseen, die Strände am Meer und die Freibäder waren voll. Kinder sind ins Wasser gesprungen. Familien haben dort Zeit verbracht. Deshalb gehört an den Anfang der Beratung dieses Antrags ein ganz großes Dankeschön: ein Dank an alle Ausbilderinnen und Ausbilder in unseren Vereinen, an die DLRG, an die Bademeisterinnen und Bademeister sowie an alle Menschen, die das in der Badeaufsicht und im Ehrenamt ermöglichen. Auch ein Dank an die Kommunen, die ihre Schwimmbäder trotz starker finanzieller Belastungen als wichtigen Teil der Daseinsvorsorge sehen, erhalten und sanieren, gehört dazu. Beispielhaft sind im Landkreis Lüneburg Adendorf und Amelinghausen, die in den letzten zwei, drei Jahren ihre Freibäder saniert und das auf den Weg gebracht haben. All diese Menschen und Institutionen sorgen jeden Tag dafür, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene Bewegung im Wasser erleben können - und vor allen Dingen sicher erleben können. Denn Schwimmen ist weit mehr als Sport oder Freizeitgestaltung. Nicht schwimmen zu können, grenzt aus, wenn andere ganz selbstverständlich ins Wasser gehen. Nicht schwimmen zu können, bedeutet Unsicherheit und Angst, und nicht schwimmen zu können, kann lebensgefährlich sein. Allein über das Pfingstwochenende mussten wir in Niedersachsen tödliche Badeunfälle beklagen. Deshalb: Wir reden heute nicht über ein Randthema - wir reden über Sicherheit, über Bildung und über gesellschaftliche Teilhabe. Meine Damen und Herren, jedes Kind in Niedersachsen muss die Chance haben, sicher schwimmen zu lernen, und diese Chance darf eben nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb gehört das Vermitteln der Schwimmfähigkeit zu den ganz zentralen Aufgaben unserer Schulen. Das niedersächsische Kerncurriculum in der Grundschule formuliert dafür ganz klare Ziele: von der Wassergewöhnung bis hin zum sicheren Schwimmen am Ende der Grundschulzeit. Mit dem Schulschwimmpass Niedersachsen gibt es bereits ein abgestuftes Kompetenzsystem. Das alles klingt gut, aber wir stehen weiterhin vor Herausforderungen, denn die Folgen der Corona-Pandemie wirken bis heute nach. Geschlossene Bäder und ausgefallener Unterricht haben deutliche Lücken hinterlassen. Viele Kinder und Jugendliche verfügen noch immer nicht über ausreichende Schwimmfähigkeiten und fühlen sich im Wasser unsicher. Gleichzeitig erleben wir strukturelle Probleme: zu wenig Wasserflächen, zu wenig Lehrschwimmbecken, zu wenig qualifizierte Kräfte. Und vielerorts ich habe das eben schon erwähnt haben wir einen erheblichen Sanierungsbedarf bei kommunalen Bädern. Das erschwert den Schwimmunterricht gerade dort, wo Kinder besonders auf ihn angewiesen sind. Umso wichtiger ist es, dass das Land hier etwas tut und sich seiner Verantwortung bewusst ist. Und heute gibt es wirklich richtig gute Nachrichten, denn heute wurden die Bäder benannt, in die über 15 Millionen Euro fließen - in den letzten zwei Jahren hat Rot-Grün über 35 Millionen Euro für Lehrschwimmbecken zur Verfügung gestellt. Das ist eine solche Erfolgsnachricht, dass man einfach jedes Bad einmal nennen muss. Ich beginne mit dem Schwimmbad in Harsum. Am meisten Geld 3 Millionen Euro geht nach Quakenbrück für die Sanierung des dortigen Schwimmbades. Ich weiß nicht, wer aus Quakenbrück hier anwesend ist, da müsste die Freude groß sein. ‑ Calderone. Holdorf, Kehdinger Welle in Drochtersen, Westoverledingen - das muss bei Verden sein. ‑ Ah, nach Ostfriesland, sehr gut! So lerne ich. Herzlichen Dank, Herr Thiele! Also: Ostfriesland steht natürlich auch auf der Landkarte. Bodenwerder, Meinersen, Hildesheim, Garrel und Lüneburg erhalten eine Vorförderung. Das ist ein starkes Signal für den Schwimmsport, den Schulsport und die Sicherheit unserer Kinder. Verden. - Wie bitte? Das ist dann wahrscheinlich während Ihrer Legislaturperiode gelaufen, Herr Hilbers. Um Geld zu bekommen, muss man auch Anträge stellen. Es konnten aber nicht alle Anträge bewilligt werden, denn das habe ich eingangs gesagt großer Sanierungsbedarf ist gegeben. Wie wichtig dieses Geld ist, wissen wir vor Ort, denn all diese Lehrschwimmbecken, diese Hallenbäder, die jetzt ausgewählt wurden, sind seit über 50 Jahren in der Nutzung und voll ausgelastet. Und es ist ganz entscheidend, dass der Anfängerunterricht dort vorangeht. Meine Damen und Herren, bereits die Programme „Startklar in die Zukunft" und „Niedersachsen lernt schwimmen" haben wichtige Unterstützung geleistet. Die Förderung zusätzlicher Schwimmkurse und die Qualifizierung von Übungsleiterinnen und Übungsleitern waren richtig und notwendig. Der Bedarf ist weiterhin groß. Mit unserem Entschließungsantrag gehen wir genau diesen Weg weiter. Kommunen, Schulen, Sportverbände, DLRG und Land müssen gemeinsam handeln. Kommunal gesehen, ist das, was der Kollege aus Uelzen macht, beispielhaft: Henner Putzier plant eine Schwimmoffensive im Landkreis Uelzen. Das stärkt lokale Netzwerke, und es ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Das kann das Land nicht alleine, das müssen Kommunen, Land und Bund gemeinsam leisten. Positiv ist ja auch, dass der Bund auch ein Programm zur Sanierung von Schwimmbädern aufgelegt hat, zu dem man sich noch bis Juni melden kann. Meine Damen und Herren, schwimmen lernen bedeutet mehr als das Ablegen eines Abzeichens. Es geht um angstfreie Bewegung, um Sicherheit, um Selbstvertrauen und um das gute Gefühl, dazuzugehören, statt ausgeschlossen zu werden. Wenn Kinder sicher schwimmen können, gewinnen sie Bewegungsfreude und Sicherheit fürs Leben. Deshalb ist „Schwimmen lernen - Leben retten" keine kurzfristige Kampagne. Das ist eine dauerhafte bildungs-, gesundheits- und sicherheitspolitische Aufgabe. Herzlichen Dank.
