Miriam Staudte
Trockenheit und Starkregen beeinträchtigen Erntebilanz - Niedersachsens Landwirtschaft auf die Herausforderung der Klimakrise vorbereiten
Frau Staudte, bitte! Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wenn es um die diesjährige Ernte ging, dann fielen meistens Worte wie „Zitterpartie“ oder „Lotteriespielen“. Der Zustand des Zitterns wird zum Dauerzustand werden, wenn wir nicht auf Resilienz statt auf Höchstertrag setzen. Zu den Problemen hat die Vorrednerin dankenswerterweise schon sehr deutlich ausgeführt. Insbesondere was die Getreideernte angeht, hatten wir ganz erhebliche Probleme: 10 % Rückgang und dann auch noch die Problematiken mit der Keimung. Die Qualität der Getreideernte ist wirklich sehr mangelhaft. Herr Dannenberg, Sie haben auch beim Thema Zirkustiere schon so argumentiert: Ich habe jemanden angerufen, und der hat das und das gesagt. Für uns sind die Statistiken ausschlaggebend. Da ist es richtig, dass Frau Logemann auf den Bericht der Landwirtschaftskammer zur Erntebilanz verwiesen hat, worin ganz deutlich wird: bei Sommerkulturen zum Beispiel starke Entwicklungs- und Ertragsschwankungen, bei Kartoffeln die durch Nässe begünstigte Krautfäule insgesamt, beim Grünland: Nässe erschwert Erntebedingungen. - Es gibt also eine ganze Reihe von Problematiken. Aber es stimmt natürlich auch: Für den Mais zum Beispiel oder die Zuckerrüben sah es gut aus. Wir müssen uns auf diese extremen Schwankungen einstellen. Der Mais, der im letzten Jahr zwei Wochen früher geerntet werden musste ‑ mit wirklich schlechtem Ergebnis ‑, war dieses Jahr prächtig. Ich sehe aber tatsächlich ein Problem, wenn ich lese, auf 33 % der Fläche wird Mais angebaut. Da hat man nicht unbedingt den Eindruck, dass wir die Diversität, die wir brauchen, um uns resilienter aufzustellen, tatsächlich schon haben. Wir müssen also den Anbau neu ausrichten. Wenn wir in die Welt schauen, in die Mittelmeerregion, müssen wir natürlich sagen: Wir sind glimpflich davongekommen. Griechenland hat zu kämpfen, erst mit den Waldbränden, jetzt ist in Thessalien, der Kornkammer Griechenlands, „Land unter“. Das wirkt sich nicht nur auf dieses Jahr aus. Es ist ganz deutlich, dass in den nächsten Jahren in dieser Kornkammer Griechenlands quasi kein Anbau mehr stattfinden kann. Die Hälfte aller Tomaten kamen aus der Region, ein Drittel aller anderen Früchte, 70 % der Zuckerrüben. Thessalien ist auch eine sehr wichtige Tierhaltungsregion. Welche Auswirkungen wird das in den nächsten Jahren auf Deutschland haben, auf die Preise bei uns zum Beispiel? Wir sind also insgesamt damit konfrontiert, dass wir uns auf Unsicherheiten einstellen müssen. Da ist es wichtig sich zu fragen, wie Betriebe reagieren können. Die sind in vielen Bereichen schon unglaublich aktiv. Ich freue mich zum Beispiel, dass die Pioniere im Sojaanbau jetzt so einen Erfolg haben. - Jetzt muss ich einen Schluck Wasser - über Wasser wurde ja auch schon geredet. - Dass die Pioniere im Sojaanbau so einen Erfolg haben. Vor einigen Jahren war es noch so, dass es noch gar keine Statistik gab: Wo wird hier überhaupt Soja angebaut? Jetzt sind wir bei ungefähr 1 100 ha in Niedersachsen, bei steigender Tendenz und wirklich guten Erträgen. Das macht deutlich: Wir müssen neue Wege beschreiten, wir müssen das fördern. Wir danken den Betrieben, die sich tatsächlich auf den Weg machen. Jetzt ist die Frage: Was kann die Politik machen? Das Thema „vielfältige Fruchtfolgen“ ist sicherlich ganz wichtig. Ich habe auf meiner Sommerreise einen Betrieb besucht, der auf seinen Flächen eine sechsgliedrige Fruchtfolge praktiziert. Er hat also immer unterschiedliche Kulturen. Der Landwirt sagt, für ihn sei das Ausfallrisiko gering. Wenn die Kultur nicht funktioniert, dann funktionieren die anderen. Aber das machen noch nicht alle Betriebe. Es ist wirklich wichtig, dass wir stärker für vielfältige Fruchtfolgen werben. Es gibt ja Förderungen aus EU-Mitteln. Wir wollen jetzt prüfen, inwieweit wir zum Beispiel durch Kombination der sogenannten Ökoregelungen ‑ die auch für konventionell arbeitende Betriebe gelten ‑ mit den Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen den Zugriff auf Fördermittel für vielfältige Fruchtfolgen erweitern können. Zum sparsamen Umgang mit Böden: Wir diskutieren im Moment das Klimagesetz. Nun ist in der Anhörung kritisiert worden, dass die Vorgaben noch nicht tragfähig seien. Aber ich bin mir sicher, dass wir gute Formulierungen im Gesetz oder in einer Verordnung finden, mit denen wir es schaffen, die Freiflächensolaranlagen weg von den guten Böden und hin zu den weniger guten Böden zu lenken. Das ist ein ganz wichtiger Ansatz. Ich bedanke mich bei allen, die sich da konstruktiv einbringen. Ich finde es gut, dass der Bereich Agri-Photovoltaik jetzt wirklich gepusht wird. Der Bund will die Doppelnutzung ‑ landwirtschaftliche Nutzung und energetische Nutzung ‑ stärker fördern. Auch vonseiten des Umweltministeriums wird an der Steigerung der Attraktivität gearbeitet. Noch ein weiterer Punkt: Wir werden in dieser KLARA-Förderperiode zum ersten Mal das Angebot machen, Mehrgefahrenversicherungen zu fördern. Das ist schon von der Vorgängerregierung ‑ Frau Otte-Kinast guckt gerade fragend nach hinten ‑ den Weg gebracht worden. Aber wir wollen das kombinieren und diejenigen Betriebe unterstützen, die ihre Anbausysteme neu ausrichten. Die Versicherungsförderung soll keine Hängematte sein ‑ wir können einfach so weitermachen wie bisher ‑, sondern diejenigen Betriebe unterstützen, die etwas Neues ausprobieren und sich anpassen. Ich glaube, das ist wirklich eine gute Kombination. Das Thünen-Institut hat gesagt, das ist absolut wegweisend. Ich möchte an dieser Stelle der Landwirtschaftskammer danken, die sich durch vielfältige Anbauversuche zu der Frage, wie viel Wasser welche Kultur braucht, auf den Weg macht, noch spezieller beraten zu können. Die Landwirtschaftskammer ist mit dem Umweltministerium und mit meinem Haus im Austausch, um wirklich alle Facetten genau zu beleuchten. Auch da geht es darum, dass wir neue Anbauverfahren mitdenken, zum Beispiel wenn es um Transfermulch auf Kartoffeldämmen geht oder um Gemengeanbau, also zwei Kulturen, die gleichzeitig angebaut werden, sodass der Boden immer bedeckt ist. Auch für den Bereich Agroforst gibt es Förderprogramme. Auch der Bund sagt, wir müssen da jetzt stärker in die Fläche kommen. 3N bietet Beratung zum Thema „langfristiger Humusaufbau“ an. Da gibt es jetzt eine Plattform, die den Austausch zwischen den Betrieben fördert. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Ansatz. Ich nehme die Diskussion hier im Landtag und in den Ausschüssen, Herr Schmädeke, als wirklich konstruktiv wahr. Gerade zum Wassermanagement gibt es viele gute Vorschläge. Aber wir müssen wirklich die Diskussion hierzu intensivieren. Mit Blick auf die weltweite Situation müssen wir feststellen, dass Risiken bislang zum Teil unterschätzt wurden. Eine neue Studie der Columbia University in New York macht deutlich: Die Gleichzeitigkeit von Missernten weltweit ist systematisch unterschätzt worden. Der Jetstream mäandert um die Erde, und die Wahrscheinlichkeit, dass wichtige Anbauregionen der Welt gleichzeitig getroffen werden, ist viel größer als gedacht. Gleichzeitige Missernten hätten immense Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit. Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, alles zu tun und zu entwickeln, was hier in Niedersachsen möglich ist. Vielen Dank.
