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Miriam Staudte

27.05.2026 7:17 min Tagungsabschnitte 19/34

Dem Auftreten von klimabedingten Pflanzenkrankheiten angemessen begegnen - Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade entwickeln

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Vorredner, ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal ganz herzlich bei Ihnen bedanken, weil Sie alle, wie ich finde, sehr ehrliche Reden gehalten haben. Niemand hat den Eindruck vermittelt, es gäbe hier eine Patentlösung, die man nur aus der Schublade ziehen muss, und dann ist alles erledigt. Nein, es wurde deutlich: Da kommt eine Bedrohungssituation auf uns zu, mit der wir aufgrund des Klimawandels und der Erwärmung womöglich häufiger rechnen müssen. Wir alle wissen: Insekten sind wärmeliebend, und das gilt natürlich auch für Schadinsekten. Es ist deutlich geworden und das finde ich auch sehr gut, dass Sie sich im Ausschuss mit den unterschiedlichen Experten und mit dem, was vorgetragen worden ist, intensiv auseinandergesetzt haben: Wir müssen jetzt tatsächlich stark auf ein Monitoring, auf ein frühes Erkennen und frühes Eingreifen setzen, und es gibt durchaus noch großen Forschungsbedarf. Hier gilt also nicht das, was man so oft in der Politik sagt: Wir haben kein Erkenntnisdefizit, wir haben nur ein Handlungsdefizit. Nein, in diesem Fall ist es anders. Wir haben hier tatsächlich auch ein Erkenntnisdefizit. Die Antwort darauf muss sein, dass wir die Forschung ausbauen. Das geschieht bundesweit, und mein Haus ist bei unterschiedlichsten Tagungen in den Austausch über die aktuelle Erkenntnissituation involviert. Ich glaube, wir alle sehen: Es wird nicht auf eine einzelne wirksame Maßnahme hinauslaufen, sondern es wird immer um Maßnahmenbündel gehen. Ich möchte an dieser Stelle auch zum Ausdruck bringen: Wir haben auch ein Problem, was den ökologischen Landbau angeht. Sie alle wissen ja, dass dort chemischer Pflanzenschutz nicht einsetzbar ist. Deswegen müssen wir insbesondere die Forschung zu ackerbaulichen Methoden und Bekämpfungsstrategien ausbauen. Einige Punkte sind gerade schon angesprochen worden, zum Beispiel das Thema Schwarzbrache. Natürlich gibt es dort einen Zielkonflikt. Wir alle wollen Erosionsschutz, Bodenschutz etc. Aber ein konzertiertes Vorgehen in betroffenen Regionen wird unabdingbar sein - bei einer befallenen Hauptkultur bedarf es sozusagen einer relativ langen Pause bis zum Anbau der Folgekulturen. Bei Mais und Soja zum Beispiel hat sich gezeigt, dass eine Eindämmung bis zu 80 % möglich ist. Das sind natürlich gute Werte, aber wie gesagt: Das steht immer in einem Spannungsverhältnis zum Thema Bodenschutz. Frau Ministerin, lassen Sie eine Zwischenfrage zu? Miriam Staudte, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Ich würde gerne fortfahren. Gut, dann haben Sie das Wort. Miriam Staudte, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Dort, wo es keine Möglichkeit zur Schwarzbrache gibt, kann es durchaus angezeigt sein, Kulturen wie Kreuzblütler anzubauen, die nicht anfällig sind: Ölrettich, Senf. Aber vor allem diese Pause zwischen dem Anbau der Kulturen ist wichtig. Was mich durchaus etwas hoffnungsvoll macht, ist die Tatsache, dass es auch wenn wir keine Pflanzen haben, die total resistent sind doch Unterschiedlichkeiten in der Anfälligkeit gibt. Und es gibt auch Erfahrungswerte bei bestimmten Handlungsansätzen: Zum Beispiel kann man den Zeitpunkt, an dem ein Befall stattfinden kann, durch geschicktes Frühkeimen sozusagen überbrücken - man kann also vor die Lage kommen. Oder man kann durch eine Noternte also frühzeitige Ernte, durch einen frühen Kampagnenstart bei der Zuckerrübe dem Schaden sozusagen zuvorkommen. Sicherlich wird in unseren Anbauregionen ich denke da an den Nordosten, wo viel beregnet wird auch das Thema wenige Stressfaktoren Stichwort „abiotische Faktoren" eine wichtige Rolle spielen, also die Wasserversorgung. Eine Pflanze, die gut im Saft steht, kann sich auch besser wehren. Es gibt also viele kleine Ansatzpunkte. Wir müssen tatsächlich in die Aufklärung gehen deswegen finde ich es richtig, dass das im Antrag steht, damit die Symptome erkannt werden. Wir konzentrieren uns jetzt auf das abgestimmte Monitoring; das findet statt, und es ist auch gut, dass das in 2025 harmonisiert worden ist. Aber wir müssen natürlich auch sensibilisieren. Wenn die Zikade den Bestand befällt, muss sie von den Landwirtinnen und Landwirten auf jeden Fall gleich erkannt werden, damit man frühzeitig eingreifen kann. Insofern vielen Dank für den Antrag! Das Thema wird uns weiter beschäftigen. Wir haben gesehen, dass die Wettersituation immer Auswirkungen auf die Geschwindigkeit der Ausbreitung hat. Insofern können wir vielleicht noch etwas hoffen, dass wir einen Zeitvorsprung gegenüber anderen Bundesländern haben, die jetzt schon diese großen Defizite haben. Das Thema Pflanzenschutz ist schon angesprochen worden. Ich möchte an der Stelle sagen: Eine Notfallzulassung bedeutet nicht unbedingt, dass wir dann ein sehr wirksames Präparat haben. Die Zulassung ist eigentlich immer in einem Verhältnis von Wirksamkeit und potenziellem Schaden zu sehen, der mit Blick auf Ressourcen und Artenschutz etc. entstehen kann. Aber auch das wird natürlich ein Baustein sein. Noch ein anderer Aspekt: Ich glaube, wir müssen uns auch frühzeitig Gedanken darüber machen, wie man die Ernte, die qualitätsgeschädigt ist, noch verwenden kann. Vor einigen Monaten war ich zu Gast im Landkreis Uelzen und habe eine Fermentationsanlage besucht, in der Fleischersatzprodukte aus Nebenströmen erzeugt werden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dort auch betroffene Kartoffeln oder andere Produkte verarbeitet werden könnten, die für eine andere Verarbeitung nicht mehr taugen. Insofern: Das sind viele kleine Ansatzpunkte. Es gibt keine einfache Lösung, aber ich freue mich sehr, dass es hier eine so große Offenheit gibt, sich mit dieser Thematik zu befassen. Denn gerade beim Thema Forschung geht es manchmal auch um Forschungsgelder. Daher freue ich mich, dass der Landtag so geschlossen dasteht. Vielen Dank. Herzlichen Dank, Frau Ministerin.

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