Sophie Ramdor
Ergebnis IQB-Bildungstrend 2024 für Niedersachsen: Platz 13 vor NRW, Hessen und Bremen
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vor drei Jahren habe ich hier meine erste Rede zum IQB-Bildungstrend gehalten - damals zu den sprachlichen Fächern. Ich habe damals darauf aufmerksam gemacht, dass wir das Bildungsniveau unserer Kinder nur verbessern werden, wenn wir uns auf Lesen, Schreiben, Rechnen konzentrieren. Drei Jahre ist das her - drei Jahre, in denen man dafür hätte sorgen können, dass sich die frühkindliche Sprachentwicklung wirklich verbessert. Denn ohne ausreichende Sprachkenntnisse kann keinem naturwissenschaftlichen Fach gefolgt werden, kann keine Textaufgabe verstanden werden. Wir als CDU-Fraktion haben uns mit den Gründen beschäftigt, aus denen so viele Kinder in die 1. Klasse kommen, ohne ausreichend Deutsch zu sprechen, woran es liegt, dass sie die Grundschule verlassen, ohne richtig lesen, schreiben und rechnen zu können. Wir haben einen Antrag vorgelegt, um die frühkindliche Sprachförderung zu verbessern: Die Kinder müssen im Alter von vier Jahren ihre Sprachfähigkeiten überprüfen lassen und, wenn die Deutschkenntnisse nicht ausreichen, verpflichtend Deutsch lernen, wie es in anderen Ländern gemacht wird. Und nein, in Niedersachsen ist das nicht so - die Stunden können frei verwendet werden. Das ist der große Unterschied. Uns wurde gesagt: „Es funktioniert doch alles!", und die bestehenden Programme und Maßnahmen wurden vorgestellt. Wenn die Hannoversche Allgemeine Zeitung titelt: „Neuer Bildungstrend: Niedersachsen rutscht ... weiter ab", dann kann man die Augen doch nicht weiter vor der Realität verschließen. Dann helfen Ihre Maßnahmen nicht. Und wenn man Maßnahmen hat, die nicht funktionieren, dann hilft es nicht, den Weg beharrlich immer weiterzugehen. Dann muss man sich irgendwann einmal fragen: Was muss sich ändern? Wie gesagt, wir als CDU haben dafür Vorschläge gemacht. Und mit welchen Themen haben Sie sich hier vor allem beschäftigt? Sie haben einen Mehrsprachigkeitserlass auf den Weg gebracht, der in der Praxis dafür sorgt, dass Kinder noch weniger Deutsch sprechen müssen, weil es für das Weiterkommen in den Schulen egal ist. Frau Ministerin, wie soll man ohne Sprache dem Biologieunterricht folgen? Wir waren mal das Land der Ingenieure und Entwickler - ein Land, in dem sich angestrengt wurde. „Made in Germany" stand für Pünktlichkeit, Genauigkeit und einen hohen Qualitätsanspruch. Sie schaffen die Noten immer weiter ab. Prüfungen können nach Lust und Laune geschrieben werden. Sie vermitteln damit den Kindern und Jugendlichen, dass es egal ist, ob man und welche Leistungen man bringt. Sie vermitteln ein Gesellschaftsbild, in dem sich anzustrengen und sich auch mal durchzubeißen als etwas Negatives gesehen wird. Aber so funktioniert nun mal das Leben. Wenn man nicht früh lernt, auch mal unbequeme Dinge zu tun Dinge, die einem nicht leichtfallen, dann wird man im Leben scheitern, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir können jetzt von Klasse 1 bis 4 alle gemeinsam in einer Klasse lernen. Grundschulen müssen verpflichtend einen Klassenrat haben. Aber jetzt müssen wir einmal ehrlich sein: Was hilft ein Klassenrat, wenn die Kinder im Unterricht oder im Klassenrat nicht richtig sprechen können? Was hilft es uns, immer und immer wieder zu betonen, dass wir Demokratiebildung an den Schulen verbessern müssen, wenn die Kinder später komplexe Sachverhalte gar nicht verstehen können? Wir müssen dafür sorgen, dass sich Kinder und Jugendliche wieder auf den Unterricht konzentrieren und ihre Aufmerksamkeitsspanne länger als ein 60-Sekunden-TikTok-Video ist. Die Schulen müssen sich auf die Vermittlung der Inhalte konzentrieren und sollten nicht mit Eltern darüber diskutieren müssen, wie mit den Handys verfahren wird. Die Schulen brauchen in diesen Dingen verbindliche Vorgaben und keine Freiräume. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die neuesten Studien zeigen, dass sich Niedersachsen weiterhin auf dem falschen Weg befindet. Konzentrieren wir uns wieder auf die wesentliche Vermittlung der Inhalte! Geben wir den Schulen einen klaren Rahmen, in dem sie sich bewegen und frei entfalten können! Aber wir müssen die Dinge dort angehen, wo sie sind. Wie gesagt, Frau Ministerin: Die Stunden, von denen Sie immer und immer wieder sprechen, sind Stunden, die die Schulen anders verwenden. Wir haben darauf den Finger gelegt. Wir würden uns freuen, wenn Sie das auch machen. Vielen Dank.
