Claudia Schüßler
Gefahren der Humanen Papillomviren: Welche Maßnahmen unternimmt die Landesregierung zur Bekämpfung?
Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Ich denke, dass drei Dinge durch die Beantwortung der Kleinen Anfrage und der Zusatzfragen deutlich geworden sind. Die Impfquote bei der Impfung gegen Humane Papillomviren ist zwar seit der Einführung der Impfung 2007 kontinuierlich gestiegen, sie könnte aber deutlich besser sein. Dabei lässt sich, zweitens, dieses Virus ‑ das ist sehr deutlich geworden ‑ mit all seinen gesundheitlichen Risiken durch die hochwirksame Impfung sehr leicht bekämpfen. Daher ist es, drittens, wichtig und richtig, dass die Landesregierung mit dieser Kampagne auf den Umstand aufmerksam gemacht hat. Vielen Dank an die Landesregierung für die Kampagne! Ich muss hinzufügen, dass man in dieser Fragestunde auch sehr deutlich sehen konnte, wie viele Defizite es noch im Hinblick auf die Information gibt. Die im Jahr 2007 eingeführte Impfung ist hochwirksamen und kann effizient vor Krebs, aber auch vor Genitalwarzen schützen. Das gilt für Mädchen und für Jungen. Ich will dies an der Stelle noch einmal deutlich machen, weil die Impfung für Jungen erst seit dem Jahr 2018 existiert und die Impfung für Mädchen deshalb etablierter ist. Es sind also alle Geschlechter betroffen. Die Einführung der Impfung 2007 war ein großer Durchbruch in der Krebsprävention. Und für seinen Beitrag über den Zusammenhang von HPV und Gebärmutterhalskrebs hat Professor Dr. Harald zur Hausen im Übrigen im Jahr 2008 den Nobelpreis für Medizin verliehen bekommen. Wir reden also nicht über etwas ganz Banales. Es ist daher wirklich schlecht ‑ oder ich sage auch mal: alarmierend ‑, dass in den vergangenen Jahren die Impfungen nicht so flächendeckend erfolgt sind, dass wir uns an dieser Stelle entspannt zurücklehnen könnten. Die Zahlen sind hier ein paar Mal genannt worden: Es erkranken in Deutschland jährlich 6 250 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Und ungefähr 1 600 Frauen versterben an diesem Krebs. In 95 % aller Fälle sind diese Humanen Papillomviren die Ursache. Im Übrigen erkranken in Deutschland 1 600 Männer an diesem Krebs. Ich will es noch einmal ausdrücklich sagen: Das HP-Virus kann Peniskrebs, Analkrebs, Mundhöhlenkrebs auslösen. Ich sage das auch deshalb, weil es immer so reduziert wird. Wir reden hier über eine ernsthafte Erkrankung, die durch eine einfache Impfung vermieden werden kann. Wenn die Impfquote bei Mädchen bei ungefähr 55 % liegt und bei den Jungen leider nur bei 18 %, dann müssen wir mehr tun. Das liegt natürlich auch daran, dass Menschen in diesem Alter nicht so häufig zum Arzt gehen. Es zeigt aber auch, dass nicht genug aufgeklärt wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen doch sehen, was die Impfung für die zukünftigen Generationen bewirkt. Herr Uhlen hat mehrfach nach den Frauen gefragt, die jetzt in dem Alter sind, in dem sie Kinder bekommen: Die Impfung ist im Idealfall bei Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren durchzuführen. Und in der Zukunft sind diese dann geschützt. Natürlich können sich auch Erwachsene noch testen lassen und können gucken, ob sie noch eine wirksame Impfung bekommen können. In der Regel hatten sie dann aber schon eine Infektion mit dem Virus. Und in 10 % aller Fälle kommt es eben auch zu den Nebenwirkungen, die ich eben geschildert habe. Deshalb müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Impfung bei denen ankommt, für die sie gemacht wurde, nämlich bei jungen Menschen. Und diese Kampagne ist ein guter erster Schritt, um über die Risiken der Krankheit und über die Möglichkeiten der Prävention aufzuklären. Wir finden auch die Verzahnung mit dem Kultusministerium total zielführend. Julia Willie Hamburg hat darauf aufmerksam gemacht, wie viele Menschen in den Schulen angesprochen werden können. Wir müssen und dürfen dieses Thema nicht aus den Augen verlieren. Und wir müssen sehr genau prüfen, was wir dauerhaft tun können, um die Impfquoten zu steigern. Vielleicht müssen wir auch über neue unkonventionelle Ideen nachdenken, wie zum Beispiel über Impfbusse an Schulen im Rahmen einer Kampagne. Vorerst bin ich der Landesregierung sehr dankbar, dass mit dieser Kampagne der erste Schritt gemacht wurde. Vielen Dank.
