Marie Kollenrott
Task-Force Energiewende - Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich beschleunigen
Eine Berichterstattung ist nicht vorgesehen. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat sich die Frau Kollegin Marie Kollenrott zu Wort gemeldet. Bitte schön! Marie Kollenrott (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit dem heutigen Tag gehen wir in Niedersachsen einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Zukunft mit erneuerbarer, klimafreundlicher Energieversorgung. Ich bin froh, dass ich jetzt zu der ersten Initiative sprechen darf, die wir durch das Parlament tragen. Wir tun dies als gemeinsame Aktion verschiedener Ministerien und im Dialog mit relevanten zivilgesellschaftlichen Akteuren und unter Beratung von Expertinnen. Von der Taskforce soll ein Signal an die Bürgerinnen und Bürger gesendet werden, dass eine neue Zeit anbricht: das Signal, dass sich das fossile Zeitalter überlebt hat und Wind und Sonne die Zukunft sind. Und im Gegensatz zum fossilen Gas kann uns diese Energieträger niemand abdrehen. Wir sind damit auch nicht erpressbar und verwundbar wie bisher. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung bei der SPD) Das Erneuerbaren-Projekt ist daher auch ein Sicherheits- und Freiheitsprojekt. Weil Wind und Sonne keine Rechnungen schreiben, machen wir hiermit auch aus der Not eine Tugend. Dass die niedersächsischen Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen jetzt unter hohen Energiekosten leiden, liegt u. a. daran, dass viel zu lange auf Lobbyisten und Stakeholder der fossilen Energien gehört wurde. Es tut mir leid, dass ich das sagen muss, liebe Kolleginnen der CDU: Es liegt auch an einem falsch verstandenen Konservatismus, an einem Festhalten am „Weiter so“. Aber wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. (Beifall bei den GRÜNEN - Sebastian Lechner [CDU]: An was haben wir denn festgehalten?) Jetzt jedenfalls bricht das Zeitalter der erneuerbaren Energien an. Dabei ist es wichtig, über den Aufbau von Wind- und Solaranlagen hinaus zu denken. Ich freue mich daher besonders auf die Einrichtung der verschiedenen Arbeitsgruppen im Rahmen der Taskforce. Energiewende heißt nicht nur Windräder bauen, sondern das gesamte Energiesystem fit zu machen für eine dezentrale, volatile Energieversorgung. Das muss Hand in Hand gehen mit der Elektrifizierung unserer Infrastruktur. Werfen wir den Verbrennungsmotor endgültig über Bord, und mustern wir nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine Gas- und Ölheizungen so schnell wie möglich aus! Hierbei müssen wir die Netzdienlichkeit immer mitdenken. Ob zu viel oder zu wenig Strom im Netz ist, lässt sich anhand der Netzfrequenz an jeder Steckdose ablesen. Gefriergeräte beispielsweise könnten technisch problemlos darauf ausgelegt werden, an für das Stromnetz günstigen Zeitpunkten zu kühlen. Es liegt vielmehr an verschlafener Politik unter Vorgängerregierungen, dass wichtige Weichenstellungen im Bund wie auch in Niedersachsen leider bislang ausgeblieben sind. Jetzt gilt es, aus diesem gemächlichen Modus schnell herauszukommen und einen Weckruf durch das Land zu senden. Vergessen wir nicht: Hier geht es um nichts weniger als um unser aller Lebensgrundlagen. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung bei der SPD) Wir können uns dabei kein Scheitern und keine Scheuklappen mehr leisten. Effektiver Klimaschutz geht nicht mit verschnarchter Politik. Stattdessen müssen fossile Strukturen konsequent abgebaut werden, und zwar jetzt. Dazu werden wir jetzt auch die Mobilitäts- und Wärmwende angehen. Und wir freuen uns darüber, dass das Land nun eine kostenfreie Energieberatung über die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen ermöglicht und auch vor Ort dezentral stärken will. Jeder und jede muss wissen: Das nächste Auto und die nächste Heizung sind elektrisch. Neueinbauten von Gasheizungen und die Ausweitung von Kohletagebauen sind unserer Heimat nicht mehr zuzumuten. Wir brauchen mehr Mut für eine konsequente Politik. Denjenigen, die zur Taskforce eingeladen werden, muss daher auch klar sein: Für Bedenkenträgerei und Bremsmanöver ist hier kein Platz. Es geht nicht um das „Ob“ der Energiewende, sondern um das „Wie schnellstmöglich?“, nicht ums Ausbremsen, sondern ums Beschleunigen. (Zuruf von der CDU: Den Punkt hatten wir doch schon!) Es muss klar sein, dass wir mit den LNG-Terminals an unseren niedersächsischen Küsten aus der Not heraus zum letzten Mal ein fossiles Projekt vorangetrieben haben. Ab sofort heißt es: Turbo-Geschwindigkeit für den Klimaschutz. Alles andere ist jungen Menschen mit Träumen von einer guten Zukunft nicht mehr zu vermitteln und auch nicht mehr zuzumuten. Auf geht’s, Taskforce! Danke schön.
