landtag-niedersachsen.de ↗

Christoph Willeke

SPD 21.05.2025 5:12 min Tagungsabschnitte 19/25

Niedersachsens Biotopverbund stärken und der Biodiversitätskrise begegnen

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Niedersachsen ist ein Flächenland, und Niedersachsen ist ein Land großer Vielfalt von Arten und verschiedenen Biotopen vom Wattenmeer bis in den Harz, Moore, Auen, Grünland, Kulturlandschaft und Nationalparke. Da fällt so einiges an in Niedersachsen. Aber es gibt nicht nur eine Vielzahl verschiedener Biotope, sondern auch eine Vielzahl menschlich gebauter Barrieren zwischen unseren Biotopen. Oftmals sind Lebensräume gleichzeitig Inseln für Arten. Das bedeutet, dass bestimmte Arten sich gar nicht erst in diesen Biotopen ansiedeln, zumindest nicht natürlich, weil sie mögliche Lebensräume nicht erreichen oder diese nicht verlassen können, weil der Weg ins nächstmögliche Biotop einfach viel zu weit ist. Die Folge ist auf der einen Seite eine mangelnde Ausbreitungsmöglichkeit von vielen Arten und auf der anderen Seite auch das finde ich im Zuge des Klimawandels besonders besorgniserregend eine mangelnde Resilienz der Population. Das Ziel einer intakten Natur ich glaube, diese Auffassung teilen wir hier in diesem Hause ist klar. Aber wie sieht ein Biotopverbund denn aus? Hier möchte ich gerne auf die CDU eingehen. Sie haben uns dafür kritisiert, dass wir keinen Plan vorlegen, dass wir auch keinen Plan entwickelt haben. Dafür gibt es die Rahmenpläne auf der kommunalen Ebene. Sie sagen, dass wir hier nichts Konkretes schaffen. Dabei steht im Antrag eigentlich relativ konkret drin, dass wir auf raumordnerischer Ebene das ist nun mal das Kartenmaterial, das uns zur Verfügung steht eingreifen wollen. Sie sagen auch, dass produktionsintegrierte Maßnahmen ein Schattendasein fristen. Dabei steht im Antrag explizit das Wort „produktionsintegriert", weil das auch ein Schwerpunkt ist. Ich komme gleich auch noch darauf. Also danke, dass Sie mit Ihrer Rede unseren Antrag noch weiter aufgewertet haben. Wie schafft man Biotopverbindungen? Natürlich mit den Akteuren! Das hat auch die CDU gesagt, und das finden wir auch gut. In diesem Fall sind das, na klar, vor allem die Landwirtschaft, und es sind auch wieder die Kommunen. Es gibt bereits Projekte, die in diese Richtung agieren und Erfolge vermelden können. Beispielhaft möchte ich das Projekt „FABiAN" nennen. Hier werden Insektenwälle entlang von Fließgewässern angelegt - in Kooperation mit den Landwirten, finanziert oftmals von den Kommunen. Auf dem heimischen Betrieb haben wir das selbst umgesetzt. Das funktioniert sehr gut, das passt alles. Und ja, das liegt zwar im Auge des Betrachters, aber ich finde das auch landschaftlich einfach sehr, sehr schön. Genau solche Vorhaben wollen wir stärken. Und das hat auch nichts mit Enteignung zu tun. Das machen wir Landwirte freiwillig, dafür kriegen wir Geld. Ich weiß nicht, warum Sie als Landwirt sagen, wir würden irgendjemanden enteignen, wenn wir etwas vorschlagen, wovon die Landwirte profitieren können und das sie auch gerne als Einnahmequelle nutzen können. Von daher möchte ich den Vorwurf der Enteignung ganz explizit zurückweisen. Eine weitere schöne Möglichkeit ist das Anlegen von Agroforsten, die natürlich auch Ernten ermöglichen, oder das Anlegen von Hecken. Damit betreibt man in der Landwirtschaft auch Erosionsschutz für die betreffende Fläche. Es geht also um ein Win-Win und Angebote, die wir unterbreiten, um den Artenschutz zu fördern. Natürlich müssen wir wissen, wo ein Biotopverbund sinnvoll ist. Dafür unterstützen wir die Kommunen und speziell die unteren Naturschutzbehörden vor Ort das habe ich bereits erwähnt unter anderem mit den Rahmenplänen. Neben vielen technischen Punkten in diesem Antrag, die gut und richtig sind, möchte ich eine Sache in den Mittelpunkt stellen: den letzten, eher unscheinbar wirkenden, Punkt. Hier geht es um die Best-Practice-Beispiele. Das zeigt einmal mehr, dass wir wollen, dass in der Fläche etwas ankommt. Was funktioniert in der Kooperation? Was brauchen Landwirte zur Umsetzung? Wie sieht der Planungshorizont aus? Und natürlich: Was wirkt denn auch tatsächlich in der Fläche? Ich bin ganz ehrlich mit Ihnen: Die Natur in Niedersachsen ist dermaßen vielfältig, dass es kein Rezept für ganz Niedersachsen gibt. Auch die Agrarstrukturen selbst sind so unterschiedlich, dass es auch auf dieser Ebene ganz unterschiedliche Anforderungen geben wird. Ganz entscheidend so hat es ja auch unser Ministerpräsident a. D. gesagt ist die Hilfe vor Ort, das Engagement der Bevölkerung. Egal, ob es eine engagierte untere Naturschutzbehörde ist, ob es der Jäger ist, der sein Revier kennt und auf den Landwirt zugeht, um noch einen Keil zu bepflanzen und einen Trockenteich anzulegen, ob es der Landwirt ist, der ein Förderprogramm zur Biotopvernetzung umsetzt, ob es unsere Kirchen sind, die als größter Landeigentümer unsere Landschaft und Natur mitgestalten können, ob es der Dorfverein ist, der einen Blühstreifen an einem typischen Spazierweg vielleicht einfach schön findet und darauf achtet, ihn ökologisch wertvoll anzulegen - wir alle sind gefragt, Verantwortung für unsere Natur zu übernehmen. Wir wollen mit diesem Antrag die richtigen Grundlagen für eine intelligente Biotopvernetzung in Kooperation auf den Weg bringen. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Vielen Dank. Einen Moment, Herr Willeke! Geben Sie bitte der Kollegin Kämmerling noch

Alle Reden von Christoph Willeke Rede ansehen ↗