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Karin Logemann

SPD 14.09.2023 5:32 min Tagungsabschnitte 19/9

Trockenheit und Starkregen beeinträchtigen Erntebilanz - Niedersachsens Landwirtschaft auf die Herausforderung der Klimakrise vorbereiten

Für die Fraktion der SPD hat sich die Abgeordnete Karin Logemann zu Wort gemeldet. Frau Logemann, bitte! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dannenberg, Ihre süffisante Art der Polemik ist dieser ernsten Lage, in der wir uns befinden, in keiner Weise angemessen. Ich finde es ungeheuerlich, wie Sie sich hier aufführen. Das ist schon bemerkenswert, wie dick Sie an der Realität vorbeigehen. Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben. Ich habe welche. Ich habe Enkelkinder. Ich möchte meinen Nachkommen eine Welt hinterlassen, die sie so vorfinden, wie ich sie heute erleben darf. Davon sind wir im Moment weit entfernt. Am Montag konnten wir in Niedersachsen in verschiedenen Publikationen lesen - die mögen Sie gerne alle ausblenden ‑, dass sich die Dürresituation im Land deutlich verbessert habe. Das hat das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig festgestellt und dazu seine Ergebnisse veröffentlicht. In manchen Regionen seien die Böden sogar nasser als üblich, so der Leiter des UFZ, Andreas Marx. Das klingt natürlich erst mal positiv; daran kann man sich festhalten. Aber in der Meldung vom Montag heißt es weiter ‑ ich zitiere den Hydrologen Fred Hattermann vom Potsdam-Institut ‑: „Der diesjährige Regen habe das Niederschlagsdefizit, welches sich über die letzten Jahre angesammelt habe, nicht kompensiert.“ Vor allem der Wald, Herr Dannenberg, stehe weiterhin unter Dürrestress. Ende Mai bis ungefähr Mitte Juni sah es bei mir in der Wesermarsch wie auch an vielen anderen Stellen nicht gut aus, was die Niederschlagsmange anging. Es war zu trocken. Die frisch gelegten Saaten waren gerade mal angewachsen, und der Regen ließ auf sich warten. Er kam dann, Gott sei Dank, Ende Juni. Ich erinnere hier aber noch mal ganz ausdrücklich ‑ und ich gucke Bärbel Otte-Kinast an ‑ an den Dürresommer von 2018 mit den Folgen damals, die wir alle in Erinnerung haben. Soweit der Blick in die Wirklichkeit, Herr Dannenberg! Unsere Landwirtinnen und Landwirte arbeiten in und mit der Natur. Sie müssen zurechtkommen mit Hitze, mit Dürre, mit Starkregen, mit extremen Wetterereignissen. Sorgen sie doch für Ertragseinbußen, mindern das Einkommen und sind eine Herausforderung auch für die Ernährungssicherheit. Wir müssen unsere Landwirtschaft krisenfest aufstellen! Die weitgehend abgewendete Dürre ist aber nicht die einzige Konsequenz des Regens dieses Jahres. Die Erträge fallen in vielen Gebieten aufgrund des feuchten Sommers trotzdem geringer aus. Das hat die Landwirtschaftskammer ‑ ich empfehle ausdrücklich einen Blick in das Werk ‑ in ihrer Erntebilanz von Anfang September festgestellt. Vor allem dem Getreide war der viele Regen nicht zuträglich. Ich zitiere aus dem Erntebericht: „Mit jedem Regentag, an dem die Mähdrescher nicht fahren konnten, hat die Backqualität von Weizen und Roggen abgenommen - so verwandelte sich Brotgetreide vielerorts in Futtergetreide“, sagte Präsident Schwetje. Die Nässe begünstigt außerdem Pilzbefall. Die Getreideernte 2023 wird nach Angaben des Landesamtes für Statistik - und jetzt aufgepasst, Herr Dannenberg ‑ mit 5,2 Millionen Tonnen rund 10 % geringer ausfallen als 2022. Auch die Erträge für Raps und Kartoffeln haben unter der Feuchtigkeit gelitten. Krautfäule sowie Schädlinge und Pilzbefall haben den Pflanzen zu schaffen gemacht. Dringend muss weiter an Strategien für die Anpassung unserer Landwirtschaft an die sich verändernden Klimaverhältnisse gearbeitet werden. Es geht dabei unter anderem um Anpassung der Produktionssysteme, um die Art der Bodenbearbeitung und -behandlung, um die Bewässerung, die Wahl der Pflanzensorten sowie den Frostschutz. Es geht um den so wichtigen Humusaufbau zur Verbesserung unserer Böden, um mehr Risikostreuung, das Ausprobieren neuer Kulturen, mehr Vielfalt auf den Feldern und viele weitere Anpassungsprozesse. Ein Beispiel: gute Ergebnisse bei Sojabohnen. Soja kann hierzulande gut vermarktet werden - entweder als Lebensmittel oder als Futtersoja. So hat sich die Sojaanbaufläche in Deutschland allein zwischen 2016 und 2022 von 15 800 auf 51 400 ha mehr als verdreifacht. Eine gute und wertschöpfende Vermarktung ‑ das höre ich immer wieder ‑, auch das ist wichtig und elementar für die Umstellungsbereitschaft. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich möchte darauf aufmerksam machen, dass der Klimawandel auch in der Tierhaltung Spuren hinterlässt. In heißen Sommern leiden die Tiere zunehmend unter Hitzestress. Da reden wir über Einbußen in der Milch-, Eier- und Fleischerzeugung. Mit einem angepassten Herdenmanagement, der richtigen Stalltechnik und stallbaulichen Maßnahmen wird hier entgegengesteuert. Meine Wahrnehmung ist, dass sich viele auf den Weg gemacht haben ‑ mit vielversprechenden Projekten ‑, einige davon konnte ich mir bereits angucken ‑, mit Versuchen, mit einfach tatkräftigem „Die Ärmel hochkrempeln und wir machen einfach mal“, ohne viel zu fragen, mit ganz viel Mut und ganz viel Engagement, gemeinsam mit Praxis, mit uns als Politik, der Wissenschaft und der Agrarwirtschaft. Anreize und Förderung sind hier wirklich gut investiert. Mich begeistern der Wille, die Innovationsbereitschaft und die Diversität, mit denen sich die Branche diesen Herausforderungen stellt. Um es mit Gottfried Niebaum zu sagen: „Neue Herausforderungen erfordern neue Wege.“ Die beschreiten wir - im Schulterschluss mit der Branche und der Wissenschaft und vor allen Dingen, Herr Dannenberg, mit den Praktikern und den Praktikerinnen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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