Anna Bauseneick
Die europäische Idee stärken - Europabildung an den Schulen intensivieren
Vielen Dank. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle.“ Als Konrad Adenauer dies im Jahr 1954 sagte, stand die europäische Integration noch ganz am Anfang. Nichtsdestotrotz hat seine Aussage in den vergangenen 70 Jahren keinerlei Bedeutung eingebüßt – im Gegenteil! Wir Niedersachsen leben heute in einem vereinten Deutschland in der Mitte eines geeinten Europas. Dem haben wir viel zu verdanken. Die Europäische Union ist mehr als nur ein politisches Konstrukt. Sie ist die Garantie für Frieden und Freiheit und bildet die unverzichtbare Grundlage unseres Wohlstandes. Heute Morgen haben wir uns die Bedeutung von Frieden erneut sehr bewusst gemacht. Wir können und dürfen diesen nicht für selbstverständlich halten. Wir müssen alles dafür tun, unsere Werte auch in Zukunft zu wahren. Der europäische Binnenmarkt und unsere gemeinsame Währung haben zu einem wirtschaftlichen Aufschwung geführt, den es ohne Europa nicht gegeben hätte. Besonders in einer Zeit, in der die europäische Idee von politischen Ideologien infrage gestellt und Europa von innen und außen herausgefordert wird, da radikale Kräfte von rechts und links die europäische Idee angreifen und auch internationale Akteure – ganz besonders Russland – unser Europa schwächen wollen, müssen wir sicherstellen, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur die geografischen Grenzen Europas kennen, sondern auch die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Verbindungen verstehen, die unseren Kontinent prägen. Um sicherzustellen, dass die notwendige gesellschaftliche Unterstützung auch künftig erhalten bleibt, braucht es ein stärkeres Bewusstsein für die europäische Identität sowie unsere gemeinsamen Werte, insbesondere bei jungen Menschen. Eines will ich ganz klar sagen: Informations- und Motivationskampagnen zur Europawahl, wie sie von Rot-Grün geplant werden, sind hierfür absolut nicht ausreichend und auch nicht sonderlich innovativ. Als CDU wollen wir Kinder und Jugendliche von Beginn an für die europäische Idee begeistern, das Entwickeln von kritischem Denken, von interkultureller Kompetenz und eines tiefen Verständnisses für Werte, die Europa zusammenhalten, fördern, und sie in ihrem Alltag abholen. Eine fundierte Europabildung bereitet darauf vor, aktiv an der demokratischen Gestaltung Europas teilzunehmen und sich als europäische Bürgerinnen und Bürger zu fühlen. Fakt ist: Wir wollen die Vermittlung und Verankerung europäischer Werte bei jüngeren Menschen neu aufstellen und mit neuem Leben füllen. Das sehen wir als unsere Verantwortung an. Des Weiteren ist es geboten, die Vielfalt der Möglichkeiten Europas an unsere Schülerinnen und Schüler heranzutragen – durch den Schüleraustausch mittels Erasmus+, europäische Betriebspraktika oder Wettbewerbe über unsere Landesgrenzen hinweg. Europa hat so viel Bereicherung und Möglichkeit zu bieten, und jeder niedersächsische Schüler sollte daran teilhaben. Gerade angesichts der Tatsache, dass bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni dieses Jahres erstmals das neue Wahlrecht mit 16 greift, muss das bisherige Engagement im Bereich der Europabildung gebündelt werden. Es müssen institutionelle Strukturen geschaffen und bisherige Projekte verbindlich so skaliert werden, dass die europäische Idee in jedem Klassenzimmer ankommt. Europa ist unsere gemeinsame Zukunft und muss eine Idee von uns allen bleiben. Welche Bürger wissen, für welche Gesetze und Regelungen die Europäische Union verantwortlich ist? Wer weiß, welche Bereiche die europäische Politik mit direkten Auswirkungen betrifft? Europa betrifft uns alle in vielen Lebensbereichen. Das Wirken der Europäischen Union sollte für jeden Bürger greifbar und erfahrbar gemacht werden. Auch in der Landespolitik beeinflusst europäische Gesetzgebung direkt. All das sollte nicht im dunklen Kämmerchen verhandelt, sondern im Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern kommuniziert werden. Gute Bildung ist ein Grundpfeiler demokratischer Gesellschaften und eine Notwendigkeit für die Zukunft eines starken und selbstbewussten Europas, welches uns als CDU am Herzen liegt. Konkret schlagen wir vor, die Europabildung in der Sekundarstufe I und der Berufsbildung nachhaltig zu stärken sowie durch internationale Kooperations- und Austauschprogramme die Vorzüge der Europäischen Union erlebbar zu machen. Die Förderung von Mehrsprachigkeit und bilingualem Unterricht sowie die Schaffung eines besonderen Europabildungsschwerpunktes im Unterricht und Schulleben durch Projektarbeit zu europäischen Themen sind ebenso von großer Bedeutung. Wir müssen die Möglichkeiten der Kooperation zwischen schulischen und außerschulischen Akteuren im Bereich der Europabildung intensivieren, um eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Bereits jetzt sind viele Schulen in Niedersachsen engagierte Europaschulen. Diese Schulen ergänzen ihr Schulprofil mit Aktivitäten, um die Weiterentwicklung von interkulturellen Kompetenzen zu ermöglichen und zu unterstützen. In diesen Schulen ist es engagierten Lehrkräften zu verdanken, dass unterrichtserweiternde Projekte wie Erasmus+-Projekte, Debattierclubs sowie die Teilnahme an europäischen Wettbewerben und Fahrten umgesetzt werden können. Auch die weitreichende Vernetzung der deutschen Schulen mit ihren europäischen Städtepartnerschulen ist ein wichtiger Bestandteil des interkulturellen Austausches. Diese Möglichkeit innerhalb einer Städtepartnerschaft sollte aktiver genutzt werden, um Jugendliche in Kontakt mit der europäischen Idee zu bringen. Solch ein Austausch ist eine wertvolle Gelegenheit für junge Menschen, eine neue Kultur und Sprache kennenzulernen und dabei Freundschaften fürs Leben zu schließen. Denn das Verständnis und die Wertschätzung unterschiedlicher Kulturen tragen zu einer offenen und toleranten Gesellschaft bei. Lassen Sie uns diese Schulen weiterhin unterstützen und noch mehr Schulen auf dem Weg begleiten! Eine Bitte an die rechte Seite des Plenarsaals: Ich weiß, dass Sie nicht wirklich ein Verständnis für Europa haben. Ihr Getuschel ist aber wirklich sehr, sehr störend. Das geht jedoch nur mit einer Entlastung des Lehrpersonals, da viele Anträge, Planungen von Fahrten und Absprachen mit den Partnerschulen nicht in die Arbeitszeit, sondern in die Freizeit der Lehrer fallen. Das darf nicht sein. Für engagierte und motivierte Lehrkräfte, die solche Projekte mit Herzblut und aus Überzeugung umsetzen, brauchen wir verlässlichere Entlastungen, um Überstunden und Überarbeitung zu verhindern. Die notwendigen Ressourcen müssen den Lehrerinnen und Lehrern zur Verfügung gestellt werden, und sie müssen ermutigt werden, innovative Unterrichtsmethoden zu entwickeln, die die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler wecken. Mit unserem Antrag wollen wir als CDU-Fraktion dem Konzept der Europabildung neuen Aufschwung verleihen. Es ist der richtige Zeitpunkt, mit einer klaren Konzeption seitens der Landespolitik an die Schulen und die Schülerinnen und Schüler heranzutreten, um die europäische Idee gestärkt in den bildungspolitischen Mittelpunkt zu stellen. Mit einem gut durchdachten roten Faden, verstärkten und mit Leben gefüllten Netzwerken untereinander und mit verbindlichen Strukturen für den Lehrplan und schulische Projekte bekommt Europa den zentralen Fokus, den wir für unerlässlich halten. Ein ebenso wichtiger Aspekt ist die Digitalisierung. Wir sollten innovative digitale Lehrmittel nutzen, um die Europabildung zeitgemäß und ansprechend zu gestalten. Dies ermöglicht nicht nur einen breiten Zugang zu Informationen, sondern fördert auch die Medienkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler. Ganz wichtig ist uns dabei auch, dass sich die Maßnahmen nicht auf bestehende und ausgewiesene Europaschulen beschränken. Europa ist eine Gemeinschaft der Möglichkeiten, und von diesem Reichtum sollte jeder profitieren. Diese Maßnahmen sind eine Investition in die Zukunft. Sie stärken die europäische Identität, den sozialen Zusammenhalt und tragen zur Wahrung unserer gemeinsamen Werte bei. Sie sind ein Beitrag zur Stärkung der europäischen Idee und zur Überwindung von Vorurteilen und Stereotypen. Gleichzeitig schaffen wir die Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Beschäftigung über nationalstaatliche Grenzen hinweg. Die Zukunft Europas liegt in unseren Händen. Gemeinsam haben wir sowohl die Möglichkeit als auch die Verantwortung, daran zu arbeiten, dass Europa weiterhin ein Ort des Friedens, des Fortschritts und der Zusammengehörigkeit bleibt. Da Bildung bekanntlich das Wirksamste ist, um die Welt zu verändern, sollten wir zur Stärkung des einmaligen europäischen Friedens- und Freiheitsprojekts auch genau hier ansetzen. Die Betonung der Notwendigkeit Europas sollte gerade vor der Bildung keinen Halt machen. Bringe ich es auf den Punkt: Wir brauchen Europa, und Europa braucht uns.
