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Thordies Hanisch

SPD 27.09.2024 5:26 min Tagungsabschnitte 19/19

Grüner-Wasserstoff-Standort Niedersachsen - wie entwickelt sich die Infrastruktur?

Bitteschön! Lieben Dank. - Sehr geehrte Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich beginne mit einem Zitat: „Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern." Klingt gut, ist gut, und es ist unglaublich: Das Zitat stammt aus dem Jahr 1875, aus einem Buch von Jules Verne. Man könnte fast sagen, wir haben lange gebraucht. Alles, was absehbar nicht mit Strom funktionieren wird Stahlerzeugung, Chemieproduktion und Schiffsverkehre, braucht Alternativen, und Wasserstoff ist hier die Lösung. Oft fehlt mir in der Politik das Vom-Ende-her-Denken, aber hier passiert genau das. Das Ziel ist Energie ohne Atommüll oder Dreck in der Luft zu günstigen Preisen. Wir sind das führende Bundesland bei der Erzeugung erneuerbarer Energie. Wir haben mit unseren Seehäfen Importstrukturen und die industrielle Expertise, weil hier schon immer entwickelt, gebuddelt, gebohrt und gebaut wurde. Wasserstoff ist das Anabolikum für unsere Wirtschaft und der Schlüssel für die Lücken bei Produktion und Bedarf als Speicher, wenn zu viel oder zu wenig Energie produziert wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, hier nicht über die Herausforderungen zu sprechen, heißt aber, das den anderen zu überlassen, und die verraten oft nicht, dass es auch Lösungen und gute Gründe für unsere Entscheidungen gibt. Die Umstellung auf Wasserstoff ist ein enormes infrastrukturelles Projekt: fast 10 000 km Leitungen, davon mehr als die Hälfte im bestehenden Netz. Trotzdem braucht es noch Zubau. 20 Milliarden Euro wird es die Netzbetreiber kosten, und natürlich wird das auch durch staatliche Gelder sozusagen aufgewogen, wenn wir erst mal die teuren Netzentgelte übernehmen, weil es noch wenig Verbraucher am Netz gibt. Da werden Steuergelder eingesetzt. Es wird vertraglich geregelt werden, dass das, wenn genug Verbraucher am Netz sind, auch an den Staat zurückfließt. Aber das sind Summen, die im Raum stehen. Sie werden auch wieder von alten Bekannten hier oder neuen Bekannten getrieben werden, und das wird dazu führen, dass sich Leute Gedanken machen, ob das der richtige Weg ist. - Dazu komme ich dann später noch. Bei der Umstellung von Stadtgas auf Erdgas in den Siebzigern hatten wir eine ähnliche Situation. Auch da wurden Pipelines aus anderen Ländern hierher verlegt, Industrie und Haushalte mussten Technik austauschen, und das hat funktioniert. Wir haben so etwas schon mal geschafft. Industrie folgt Energie: Das ist die Maxime unserer Zeit. Hier brauchen wir weitere Vereinfachungen und Unterstützung der Kommunen vor Ort, damit die Unternehmen sich bei uns ansiedeln und nicht irgendwo anders. Und auch hier ist Niedersachsen dran. Hier supporten unsere Behörden vor Ort bei Ausweisungen und Genehmigungsverfahren. Es wird auch weitere Herausforderungen geben. Aber populistische Systemfragen sind hier nicht zu stellen, um nicht Unsicherheiten und Abwanderungen zu produzieren, die auf Kosten unserer Wirtschaft, unseres Wohlstandes und unserer Arbeitsplätze gehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, dazu ein kleines Beispiel aus der Geschichte. So etwas wie die „Altmaier-Delle" muss um jeden Preis vermieden werden. Zur Erinnerung: Photovoltaik in Deutschland lief super an, und damals gab es auch schon Ewiggestrige, Innovationsbremsen, Zukunftsängstler. Das ist ein bisschen wie mit E‑Mobilität und E‑Fuels - ähnliche Debatte. Dann kam nämlich Altmaier, und dann kam die Reduzierung der PV-Stromvergütung, und das auch noch rückwirkend. Das hatte zur Folge Überraschung!: 90 % Einbruch des Marktes, Abwanderungen und Pleiten auch von mittelständischen Betrieben, die darin investiert hatten. Und die Fachkräfte, die wir damals hatten, fehlen heute immer noch. Was hätte es also für Wachstum, Wohlstand und Wertschöpfung gegeben, wenn hier nicht die CDU-Wirtschaftskompetenz am Zug gewesen wäre? Das sollte uns allen eine Lehre sein. Deswegen ist jedes populistische Ausschlachten nicht nur rückwärtsgewandt, sondern ein Kampf gegen unsere wirtschaftliche Entwicklung, egal ob bei E‑Autos oder bei Wasserstoff. Wenn Populismus Realität wird, dann schadet das uns allen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Am Ende muss feststehen, dass wir Vorreiter dieser Entwicklung sind, um unsere Wirtschaft in die Zukunft zu führen und weltweit gefragte Technologie zu entwickeln. Ich schließe mit einem zweiten Zitat aus dem Buch von Jules Verne: „Der Tag wird nicht ausbleiben, wo die Kohlenkammern der Steamer und die Tender der Lokomotiven statt der Kohle diese beiden Gase vielleicht in komprimiertem Zustand mitführen werden, die unter den Kesseln eine enorme Heizkraft entwickeln. Keine Furcht also!" Vielen Dank.

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