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Anne Kura

GRÜNE 23.03.2023 4:37 min Tagungsabschnitte 19/6

Handlungskonzept für den artgerechten Umgang mit Bibern an Niedersachsens Gewässern sicherstellen und eine fachkompetente Beratung ermöglichen

Anne Kura (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleg*innen! Biber, das lohnt sich hier wirklich noch einmal zu sagen, sind faszinierende Tiere. Unter anderem können sie nämlich - und das ist eine Eigenschaft, um die ich sie hier gelegentlich beneide - beide Ohren verschließen. (Heiterkeit und Beifall) Im Internet ist in der letzten Woche ein Biber viral gegangen, der fast direkt vor dem Landtag durch die Innenstadt spazierte. Das war einer von den knapp 500 Tieren, die laut NLWKN wieder in Niedersachsen leben. Liebe Kolleg*innen, dass in unserem Land wieder so viele Biber leben, ist ein riesengroßer Erfolg des Naturschutzes. (Beifall bei den GRÜNEN) Der Biber war hier in Niedersachsen schon so gut wie ausgerottet - wegen seines warmen Fells, wegen seines Fleisches, aber auch - und auch das ist faszinierend -, weil dem sogenannten Bibergeil, dem Duftstoff, den er ausscheidet, eine potenzsteigernde oder zumindest aphrodisierende Wirkung zugeschrieben wurde, (Zurufe: Oh!) und deswegen ist er stark bejagt worden. Der Biber ist aber nicht nur eine streng geschützte Art, sondern er ist auch ein Gewinn für unser Land. Das hat die Kollegin eben schon ausgeführt. (Unruhe - Glocke des Präsidenten) - Vielleicht kommen ja noch ein paar weitere interessante Facts. Zuhören lohnt sich da! Er ist ein Gewinn für die Artenvielfalt; denn er schafft mit seinen architektonischen Großprojekten Lebensräume für weitere geschützte oder seltene Arten. Und er ist ein Gewinn für den Hochwasserschutz. Seine Bauten erhöhen die Retentionswirkung, und er hilft uns damit, klimabedingte Starkregenereignisse abzufedern - und davon werden wir immer noch mehr bekommen. Er ist auch ein Gewinn, um besser mit Trockenphasen und Dürreperioden umzugehen. Denn mit seinen Aktivitäten trägt er zur Speicherung von Wasser und zur Grundwasseranreicherung bei. Liebe Kolleg*innen, deshalb ist es eine gute Nachricht, dass die Zahl der Biber in unserem Land weiter zunimmt. Aber auch wenn wir Menschen - das ist ausgeführt worden - und der Biber langfristig gemeinsame Interessen haben: Die Lebensweise des Bibers passt nicht an jeder Stelle zu unseren Vorstellungen. An dieser Stelle würde ich gerne drei Konfliktbereiche ansprechen. Erstens zählt der Biber zu den wenigen Tierarten, die ihren Lebensraum nachhaltig selbst gestalten. Er braucht das Wasser vor allem als Kühlmittel - weil er ja so ein dickes Fell hat -, zum Materialtransport und auch zur schnellen Fortbewegung. Jagen tut er im Wasser nicht - der Biber ist nämlich strikter Vegetarier. (Beifall bei den GRÜNEN - Sebastian Lechner [CDU]: Sonst würden sich die Grünen ja auch nicht für ihn einsetzen! - Unruhe) Aber mit ihren Dämmen können Biber landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen vernässen und überschwemmen und so Erträge gefährden oder auch die Bewirtschaftung verhindern, und das kann zu einem ernsten Problem werden. Zweitens sind Biber nachhaltige Forstwirt*innen. Sie nagen nur so viele Bäume, wie auch nachwachsen, und sie nutzen sie auch effizienter, als es z. B. Rotwild tut; denn der Biber verbraucht die ganze Rinde des Baums, den er umgenagt hat. (Anhaltende Unruhe - Glocke des Präsidenten) Aber wenn er Bäume umlegt, kann das auch zu Konflikten führen, z. B. wenn er Rad- oder Fußwege damit blockiert oder auch Gebäude oder Leitungen gefährdet. Drittens. Der Biber kann auch die Gewässerdurchgängigkeit beeinträchtigen, und das ist nicht gut für Wanderfische. Es gibt zum Teil also auch Probleme mit dem Naturschutz. Diese Beispiele zeigen, dass das Leben mit dem Biber durchaus komplex sein kann. Mit den erfreulicherweise steigenden Biberzahlen werden diese Konflikte zunehmen, und deswegen wollen wir jetzt schon proaktiv handeln. (Anhaltende Unruhe - Glocke des Präsidenten) Wir wollen die Konflikte entschärfen durch ein besseres Verständnis und zielgerichtete Managementmaßnahmen, z. B. mit einem landesweiten Biber-Monitoring und mit Beratungsangeboten. Und wir wollen ein Handlungskonzept für den artgerechten Umgang mit Bibern an unseren Gewässern entwickeln, mit denen, die die betroffenen Grundstücke besitzen oder bewirtschaften, mit Naturschutzverbänden, mit Unterhaltungsverbänden und mit den unteren Naturschutzbehörden. Das Ziel ist es, dass ein Managementplan für den Biber den Ansprüchen von uns Menschen, dem Schutz der Natur, dem Schutz vor Hochwasser, dem Schutz der Land- und Wassernutzenden sowie dem Schutz des Bibers gleichermaßen Rechnung trägt. (Sebastian Lechner [CDU]: Vielleicht fangen Sie lieber mit einem Managementplan für den Wolf an!) Liebe Kolleg*innen, der Biber kann vieles, aber er kann uns Menschen nicht verstehen. Deshalb müssen wir ihn besser verstehen und für ein gedeihliches Zusammenleben sorgen. Mit diesem Plan zum landesweiten Bibermanagement leisten wir dazu einen Beitrag. Danke schön. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

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