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Karin Emken

SPD 26.06.2025 8:21 min Tagungsabschnitte 19/26

Landesaktionsplan Gute Geburt: Eine gesunde und gute Geburt für Mütter und Kinder sicherstellen

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn ein Zitat von Unbekannt zur Geburt: Dein erstes Kind zu bekommen, fühlt sich an, als würdest du die Lilien eines spirituellen Gartens riechen. - Sehr geehrte Damen und Herren, so ist es nicht. Dieses Zitat und ich habe unzählige dieser Art gefunden verklärt und romantisiert, ja glorifiziert und mythisiert maßlos den natürlichen Geburtsvorgang, der in der Regel eher kein Erleuchten, sondern harte Arbeit ist - harte Arbeit der Frau. Nicht umsonst heißt das, was wir Frauen während einer Geburt leisten, „Geburtsarbeit", und ich bin mir sicher, dass hier im Raum viele Frauen, die Kinder geboren haben, aber auch viele Männer und Frauen, die eine Frau bei der Geburt begleitet haben, genau dies bestätigen können. Die Geburt eines Kindes ist in der Regel eine Grenzerfahrung, ein einzigartiges und erstaunliches Ereignis, ja, im Grunde ein Wunder - ein Wunder, das mit Schmerz einhergeht. Sie ist einer der prägendsten Momente im Leben der Mutter und ihres Kindes. Eine positive Geburt kann das körperliche und seelische Wohlbefinden der Mutter stärken und die Verbindung innerhalb einer Familie festigen. Für das Kind ist sie der erste Schritt in eine sichere Bindung. Ich selbst habe es dreimal erlebt. Aber so ist es nicht für alle. Denn nicht jede Frau hat das Glück einer guten, unkomplizierten Geburt. Nicht jede Frau hat das Glück, respektvoll und wertschätzend begleitet zu werden. Nicht jede Frau hat das Glück, eine positive Geburtserfahrung erleben zu können. Viele haben dieses Glück nicht. Eine schwierige oder gar traumatische Geburtserfahrung kann langfristige belastende Auswirkungen haben und das Leben der Betroffenen nachhaltig prägen. Aber was heißt eigentlich Glück? Sollte es für uns als Gesellschaft nicht selbstverständlich sein, Frauen in dieser außergewöhnlichen Phase als Ausdruck von Fürsorge, Wertschätzung und Menschlichkeit die größtmögliche Unterstützung und Hilfe anzubieten, Zeit, Ruhe, einen sicheren Rahmen, persönliche Betreuung, Respekt und Anerkennung ihrer Höchstleistung unter der Geburt? Auch ich habe erlebt, dass über mich hinweg entschieden wurde, ich nicht eingebunden wurde, dass ich herabgewürdigt wurde. Heute weiß ich, dass das, was ich bei meiner ersten Geburt erlebt habe, Gewalt unter der Geburt war. Ich kann bestätigen, wie wunderbar eine Geburt verlaufen kann, wenn man die Frau und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Auch das durfte bzw. habe ich erfahren. Dann kann eine Geburt ein erfüllendes Erlebnis sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Diskussion über die Rahmenbedingungen für eine gute Geburt in unserer Gesellschaft anders verlaufen würde, wenn wir uns alle an unsere eigene Geburt erinnern könnten. Dann würden wir mit viel mehr Leidenschaft dafür kämpfen, die Bedürfnisse der Frau in den Mittelpunkt zu stellen, um den optimalen Rahmen für sie zu schaffen, um sie und ihr Kind bestmöglich zu unterstützen. Eine hochwertige, frauenzentrierte, geburtshilfliche Versorgung ist das, was wir brauchen. Die Frau, ihre Perspektive, ihre Selbstbestimmung, ihr Wohlbefinden und das ihres Kindes sind die wichtigsten Qualitätskriterien und grundlegend für Entscheidungen, Maßnahmen, Regelungen und Gesetze. Eine wohnortnahe und zugleich sichere Geburt hat dabei für uns höchste Priorität. Doch wir beobachten anderes. Hebammen müssten jetzt schon häufig zwei, drei, sogar mehr Geburten gleichzeitig betreuen und können sich deshalb um die Frau nicht so kümmern, wie es sinnvoll wäre und wie sie es selber gerne möchten. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen aber, dass eine kontinuierliche Betreuung zu mehr physiologischen Geburten, weniger Interventionen, weniger Kaiserschnitten und zu einer kürzeren Geburtsdauer führen. Unsicherheit, Angst und Stress beeinflussen den Geburtsverlauf erheblich und können damit Komplikationskaskaden auslösen. Eine professionelle und zugewandte Betreuung durch eine Hebamme senkt nachweislich den Stresslevel und verbessert damit den Prozess für Mutter und Kind. Auch wurden in den letzten Jahren viele Geburtsstationen geschlossen, auch bei uns in Niedersachsen, mit der Folge, dass die flächendeckende Versorgung in Niedersachsen zwar gesichert ist, aber in bestimmten Regionen nur noch als ausreichend bezeichnet werden kann. Mit jeder Geburtsklinik, die wegfällt, verschwinden ein Geburtsort und eine dringend benötigte ambulante Notfallversorgung ersatzlos von der Landkarte. Die Wege für viele Frauen in ländlichen Regionen verlängern sich. Eine längere Fahrzeit erhöht das Risiko von Komplikationen, ist häufig mit einem schlechteren Geburtsverlauf und negativen Geburtserfahrungen verbunden. Viele Eltern haben die Sorge, dann in der Klinik abgewiesen zu werden. Frauen, Neugeborene und ihre Familien müssen sich aber überall in unserem Land auf eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Geburtshilfe und erreichbare Versorgung verlassen können. Deshalb bitten wir die Landesregierung, mit diesem EA in Anlehnung an das nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt" einen „Landesaktionsplan Gute Geburt" aufzulegen, um die Versorgung in Niedersachsen sicherzustellen und den Hebammenberuf zu stärken. Bei dem Prozess sind insbesondere die maßgeblichen Berufsfelder im Gesundheitswesen in runde Tische oder ähnliche Formate einzubeziehen. Folgende Themenfelder sollten dabei besondere Berücksichtigung finden: Erstens. Versorgungsstrukturen in der Geburtshilfe sicherstellen, stärken und verbessern. Zweitens. Die Arbeit von Hebammen sicherstellen, stärken und verbessern. Drittens. Qualitätssicherung in der Geburtshilfe verbessern. Viertens. Die psychische Gesundheit der Gebärenden stärken, traumatische Erfahrungen verhindern, dabei Gewalterfahrungen unter der Geburt als strukturelles Thema in der Frauengesundheit anerkennen, definieren und Maßnahmen zur Abhilfe entwickeln. Zudem bitten wir die Landesregierung dringend, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass die neuesten Einigungen zum sogenannten Hebammenhilfevertrag noch einmal überarbeitet werden mit dem Ziel, dass Beleghebammen, die den Betrieb vieler klinischer Geburtshilfen sicherstellen, nicht schlechter gestellt werden als andere freiberufliche Hebammen. Dies waren in Kürze die Kernpunkte unseres umfangreichen Antrags. Ich sage es zum Schluss gerne noch einmal: Eine Geburt gehört zu den prägendsten Momenten im Leben. Dies verpflichtet uns als Gesellschaft, weiterhin für einen sicheren und würdevollen Start ins Leben Sorge zu tragen. Dies wollen wir tun. Ich freue mich auf die Beratung im Ausschuss. Herzlichen Dank, Frau Emken. ‑ Die nächste Wortmeldung kommt

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